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Patient bei Feuer im Festen Haus in Göttingen getötet

Matratze in Zelle brennt Patient bei Feuer im Festen Haus in Göttingen getötet

Ein 46-jähriger Patient aus dem Maßregelvollzug ist bei einem Feuer im alten Festen Haus auf dem Leineberg in Göttingen gestorben. Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten ihn am frühen Mittwochmorgen nur noch tot bergen. Drei Patienten und ein Mitarbeiter wurden durch Rauchgas leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Sechs Patienten der Einrichtung mussten evakuiert und anderweitig untergebracht werden.

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Festes Haus in Göttingen: Bei einem Feuer in einem Haftraum wird ein Patient getötet.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In einem Patientenzimmer im ersten Obergeschoss des Festen Hauses, Hochsicherheitsbereich des Landeskrankenhauses (LKH) Moringen für gefährliche Patienten des Maßregelvollzugs, war gegen 4 Uhr eine Matratze in Brand geraten, sagte Frank Gloth, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Göttingen. Die Ursache ist noch unklar. Die Ermittlungen dauerten an, so die Polizei.

In der Nähe der Matratze sei aber „auffallend viel Papier gefunden“ worden, sagte der Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums, Uwe Hildebrandt, gegenüber dem Tageblatt. „Eine Brandstiftung ist nicht auszuschließen. Aber auch ein Unglück ist nach wie vor denkbar.“

Im betroffenen Bereich der Station sind die Patienten aus Sicherheitsgründen in der Nacht oder auch am Tag in ihren Räumen eingeschlossen und dürfen dort rauchen – das sei „höchstrichterlich bestätigt worden“, sagte Hildebrandt. Viele Patienten, die rauchen, besäßen auch ein Feuerzeug. Das werde nur unterbunden, wenn die Risikoeinschätzung bei einem Patienten eine besondere Gefährdung ergebe – worauf es in diesem Fall keine Hinweise gegeben habe.

Nach Angaben von Gloth hielt sich zum Zeitpunkt des Feuers nur der 46-Jährige in dem Zimmer auf. Er konnte von der Feuerwehr nur noch tot geborgen werden. Das Feuer sei heftig gewesen und habe nur unter schweren Atemschutz gelöscht werden können.

Brandursache unklar

Die vier Verletzten wurden vor Ort medizinisch betreut. Die anderen Patienten der betroffenen Station wurden nach Angaben von Gloth im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht. Feuerwehr, Polizei und Mitarbeiter des Hauses hätten sich um sie gekümmert. Die Gefahr eines möglichen Ausbruchs von Patienten bestand also offenbar nicht.

Im Einsatz waren der Löschzug der Hauptfeuerwehrwache, die Klinikumswache und die Ortsfeuerwehr Grone, mehrere Rettungswagen und zwei Notärzte. Insgesamt seien rund 30 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagte Gloth.

Ob es sich um Brandstiftung, einen Unfall oder Suizid handele, sei noch unklar, sagte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt. Die SPD-Politikerin hatte sich am Mittwoch vor Ort über die Folgen des Brandes informiert. „Die Rauchgasuntersuchungen zeigen, dass keine Gefahr mehr für die hier arbeitenden und lebenden Menschen besteht“, erklärte sie. Patienten und Mitarbeiter stünden aber immer noch unter dem Schock, „den der Brand und der Todesfall hervorgerufen haben“.

Der Flur, an dem der Brand ausgebrochen ist und an dem acht Zimmer liegen, wird bis auf Weiteres nicht mehr belegt. Die Patienten werden innerhalb der Göttinger Einrichtung und in die Hauptstelle in Moringen verlegt.

Das Feste Haus
Das Feste Haus wurde im Jahr 1900 als Teil des damaligen Krankenhauses für psychisch Kranke erbaut und hat Gefängnischarakter. Bei der Privatisierung des Landeskrankenhauses (heute Asklepios-Kliniken) ging es an das LKH Moringen über. Im Festen Haus bestehen rund 30 Plätze mit höchster Sicherheit. Ein Neubau, der derzeit in der Nachbarschaft errichtet wird, soll das Gebäude ersetzen und zugleich die Kapazität mehr als verdoppeln. Die Baukosten betragen rund 30 Millionen Euro. Zuletzt stand das Feste Haus wegen der Zukunft der sogenannten Klingebiel-Zelle im Fokus der Öffentlichkeit. Diese wurde bei dem Feuer nicht beschädigt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

©Hinzmann

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