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Perfider Mordversuch á la Beethoven in Göttingen

Wein mit Bleiacetat vergiftet Perfider Mordversuch á la Beethoven in Göttingen

Ludwig van Beethoven soll daran gestorben sein: Bleiacetat im Wein. Mit der Methode, giftiges Blei per Spritze durch den Korken in die ungeöffnete Weinflasche zu spritzen, soll ein 44 Jahre alter Göttinger versucht haben, seine Ehefrau zu töten.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Als das nicht so schnell klappte, soll er es noch perfider versucht haben: Im Wohnhaus der Frau, zu dem er noch den Schlüssel hatte, soll er an verschiedenen Stellen Quecksilber ausgebracht haben, damit es verdampft und die Atemluft so vergiftet, damit die Frau langfristig vergiftet wird.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat am Montag bestätigt: Der 44-Jährige befindet sich wegen des Verdachts des heimtückischen Mordversuchs seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft. Spätestens seit Juli 2014 soll er mit den geschilderten Methoden versucht haben, die Gesundheit seiner getrennt lebenden Frau zu schädigen und sie zu töten, bestätigte Staatsanwalt Andreas Buick.

Tatsächlich ist die Frau schwer erkrankt, schleppte sich von einem Arzt zum anderen. Langfristige Schäden sind zu erwarten. Kinder wird sie wohl nie mehr bekommen können. Ihr Gesundheitszustand habe sich allerdings etwas verbessert, so Buick, seit die Ursache der Vergiftung bekannt ist und behandelt werden kann.

Bis zu 690-fache Dosis

Der Mord wäre möglicherweise gelungen, wäre die Frau nicht beim vorweihnachtlichen Kuchenbacken so aufmerksam gewesen. Kleine silberne Kügelchen sprangen in der Hitze des Backofens hin und her. Sie entpuppten sich als darin verstecktes Quecksilber. Die Frau schilderte den Verdacht ihrem Arzt, der bestätigte bei einer Blutuntersuchung die schwere Belastung des Körpers der Patientin mit Blei und Quecksilber – und die Ermittlungen nahmen ihren Lauf. Der 44-Jährige wurde Mitte Dezember inhaftiert. Der Haftbefehl lautet auf versuchten heimtückischen Mord in Tateinheit mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung.

Bei den Untersuchungen der Ermittler wurden Weinflaschen sichergestellt, deren Inhalt teils die bis zu 690-fache Dosis der noch zugelassenen Menge Bleizuckers enthielten.

Der verdächtige 44-Jährige ist beruflich selbstständig und kein Chemiker. Er soll sich das Wissen um die Gefährlichkeit der Schwermetalle im Internet angelesen haben. Das betroffene Wohnhaus in einem dörflichen Göttinger Ortsteil ist seit Entdeckung der Belastungen unbewohnbar. Möglicherweise muss es abgerissen oder sehr aufwändig saniert werden.

Blei(II)-acetat

Blei(II)-acetat ist das hochgiftige Bleisalz der Essigsäure, weil es süß schmeckt auch Bleizucker genannt. Mit Bleizucker wurden zu Beethovens Zeiten noch saure Weine gesüßt.

Bis vor wenigen Jahren ging die Wissenschaft davon aus, der 1827 gestorbene Musiker habe sich 56-jährig am übermäßigen Konsum gepanschter Weine mit Blei vergiftet. Inzwischen gibt es daran aber wissenschaftliche Zweifel.

 
Quecksilbervergiftung

Quecksilber ist ein Schwermetall, das unter anderem in Batterien, Thermometern, Fungiziden, Saatbeiz- und Desinfektionsmitteln vorkommt. Quecksilberhaltige Dämpfe führen nach dem Einatmen zu Ablagerungen des Schwermetalls in Leber, Milz, Niere und Gehirn.

Vielfältige Symptome wie Müdigkeit, Entzündungen, Schmerzen aller Art und Durchfälle werden ausgelöst, schließlich Schädigung des Nervensystems bis zur Persönlichkeitsveränderung.

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