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Pflegeheim-Tüv mit erheblichen Schwächen

Göttinger Pflegeheime Pflegeheim-Tüv mit erheblichen Schwächen

Der Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland wird immer größer – um so wichtiger werden gute Seniorenheime. Um es den Menschen leichter zu machen, ein Heim mit professioneller Versorgung statt mit Fließband-Pflege zu finden, gibt es seit 2009 ein Benotungssystem.

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Zeit ist Geld – leider auch in der Altenpflege. Experten fordern seit Jahren eine bessere Personalausstattung in Pflegeheimen.

Quelle: dpa

Allerdings: Das an Schulnoten von eins bis fünf orientierte System, erdacht noch unter der früheren Bundesgesundheitsmini sterin Ulla Schmidt (SPD), hat Schwächen – wie sich auch an den Bewertungen Göttinger Pflegeheime zeigt.

Auf den ersten Blick sieht im Bereich der stationären Pflege in Göttingen und der näheren Umgebung alles ziemlich gut aus: Bis auf eines von elf bislang geprüften Heimen erreichten alle ein „Gut“ oder „Sehr gut“. Diese Gesamtergebnisse sind allerdings weniger als die halbe Wahrheit: Das Benotungssystem mit seinen 64 untersuchten Einzelkriterien erlaubt es, gravierende Mängel in zentralen Pflegebereichen durch gute Noten in weniger wichtigen Bereichen wie beispielsweise der Schriftgröße auf Speiseplänen auszugleichen.

So im Seniorenheim Carpe Diem im Brauweg: Das noch als „Gut“ eingestufte Heim wird bei Vorbeugung und Behandlung von Liegegeschwüren (Dekubitus) und Schmerzerfassung mit „Mangelhaft“ benotet. Die Flüssigkeitsversorgung bewerteten die Prüfer mit „Ausreichend“. Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene verdienen hingegen ein „Sehr gut“ – dazu aber zählt auch die Frage, ob die Bewohner an der Gestaltung der Gemeinschaftsräume mitwirken dürfen. Gesamtnote: 2,4.

Bei anderen Göttinger Heimen sieht es nicht viel besser aus: Das mit „Sehr gut“ benotete Phönix-Haus am Steinsgraben wird bei der Dekubitus-Prophylaxe mit „Mangelhaft“ bewertet, bei der Zahnpflege steht ein „Ausreichend“.
Ähnliche Einzelnoten gibt es für den Luisenhof Zimmermannstraße (Gesamtnote 1,8), auch im Caritas-Seniorenstift St. Paulus (Gesamtnote 1,4) ist die Dekubitus-Vorsorge nur ausreichend. Einzig das Seniorenzentrum Bovenden erreicht in allen Bereichen eine 1,0. Allerdings konnten hier nicht alle Bereiche geprüft werden.

Bundesweit sieht es ähnlich aus: Am Ende des ersten Bewertungsjahres 2009 erhielten nahezu 70 Prozent der Heime die Noten „Sehr gut“ oder „Gut“ – und das trotz teils erheblicher Mängel bei der Betreuung Demenzkranker, der Dekubitus-Vorbeugung und -Behandlung oder der Versorgung der Menschen mit ausreichend Flüssigkeit. Nur acht Prozent der Heime erhielten die Gesamtnote „Ausreichend“ oder „Mangelhaft“.

  Dekubitus
  Ein Druckgeschwür, der sogenannte Dekubitus, entsteht vor allem bei älteren Menschen schnell, wenn sie längere Zeit liegen und sich wenig oder gar nicht bewegen. Neuere Untersuchungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen, die auch die Pflegeheime benoten, weisen aus, dass im Schnitt jeder zweite bis dritte Betreute im Pflegeheim und im ambulanten Pflegedienst davon betroffen ist. Nicht selten wird das Liegen für Betroffene zur Qual.
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Kommentar

Die fast durchweg guten und sehr guten Gesamtnoten für Pflegeheime vernebeln ein grundsätzliches Problem: In deutschen Heimen sind zu wenig gut ausgebildete Altenpfleger beschäftigt.

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