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Pinkel, Prügel, Pumpgun und Patronen

Striplokal-Prozess Pinkel, Prügel, Pumpgun und Patronen

Nur aus Versehen, erklärte gestern ein angeklagter Rechtsextremist zu Prozessbeginn vor dem Landgericht, habe sich der Schuss aus seiner Pumpgun gelöst, der im November 2008 den Besitzer eines Nachtlokals fast getötet hatte. Die Staatsanwaltschaft glaubt hingegen, der 34-Jährige habe den Nachtbarbesitzer erschießen wollen.

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Ziel von zwei Brandsätzen am 30. November 2008: das „Strip“ an der Hannoverschen Straße.

Quelle: Heller

Der kahlgeschorene und bis zum Schädel tätowierte Mann sitzt nicht allein auf der Anklagebank. Seine ebenso rechtsextrem orientierten Mittäter sollen nach einer ausgelassenen Geburtstagsnacht samt Pumpgun-Schuss im Nachtlokal „Strip“ an der Hannoverschen Straße Brandsätze gebastelt und gegen das Etablissement geschleudert haben.

Diesen Vorwurf räumten die Angeklagten auch ein. Nachdem der Bar-Betreiber, ein ausgebildeter Nahkämpfer, zwei der ihm persönlich bekannten Gäste derbe verprügelt hatte, einigte sich das Trio auf einen „Denkzettel“ in Form von zwei Mineralwasserflaschen, frisch gefüllt mit Benzin von der nahegelegenen Tankstelle. Danach, so der Hauptangeklagte, habe er benzingetränkte Lappen in die Flaschenöffnungen gestopft – „wie man das eben so macht“. Diese Molotowcocktails hätten das Gebäude nicht in Brand setzen, sondern dem Barbesitzer nur einen tüchtigen Schrecken per Stichflamme einjagen sollen. 

Praktisch für die Ermittler: Der Spritkäufer, der Niedrigste in der rechten Hierarchie, ließ sich nicht nur von den Überwachungskameras der Zapfstation ablichten, sondern bezahlte auch mit seiner Scheckkarte.

Der Streit mit dem Barbetreiber zuvor sei entstanden, weil einer der Kumpels des 34-Jährigen ins Treppenhaus gepinkelt haben soll. Daraufhin, so der Angeklagte, habe er sich seine Pumpgun gegriffen. Der Schuss aber habe sich nur aus Versehen gelöst, weil er prüfen wollte, ob sich noch eine Hülse in dem Repetiergewehr befand. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass es dem Barbesitzer in letzter Sekunde gelang, den zu einem gezielten Schuss ausgerichteten Lauf zur Seite zu schlagen.

Nicht nur der Überfall, auch das Kriegswaffenkontrollgesetz spielt bei dem Verfahren vor dem Landgericht eine Rolle. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Haupttäters stellte die Polizei in seiner Wohnung eine Maschinenpistole und ein Scharfschützengewehr mit Zielfernrohr sicher. 

Sechser-Träger ins Schussloch

Aus seiner Waffenliebe machte der 34-Jährige vor Gericht denn auch keinen Hehl. Sach- und fachkundig erklärte er beispielsweise den Unterschied zwischen normaler Schrotmunition für die Jagd und sogenannten Bug-Shot-Patronen: Aus geringer Entfernung könne auch Jagdschrot Löcher reißen, „da kann ich problemlos einen Sechser-Träger reinstellen“.

Matthias Heinzel

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