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Pionieraxt als Beweis für rituelle Bauopfer

„Sensationeller Fund“ im Römerlager Pionieraxt als Beweis für rituelle Bauopfer

Die Göttinger Kreisarchäologie hat im Römerlager bei Hedemünden eine weitere Pionieraxt aus Eisen ausgegraben. Ein sensationeller Fund, sagt Kreisarchäologe Klaus Grote.

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Präsentiert die noch nicht restaurierte römische Streitaxt: Timo Conradi.

Quelle: PH

Allerdings: Nicht die Axt selbst sei die Sensation, sondern die Fundsituation in Zusammenhang mit anderen ähnlichen Funden.
Das Team um Grote hat bereits fünf weitere gleichartige Äxte ausgegraben, dazu zwei große Pionierhämmer und eine große Pionierschaufel. Alle neun Geräte seien auf der Bodenschicht direkt unter dem Ringwall gefunden worden. Einzig mögliche Schlussfolgerung laut Grote: Bei den Funden, allesamt damals wertvolle Bauwerkzeuge, müsse es sich um rituelle Bauopfer handeln.

Das wiederum sei der Forschung bislang nicht bekannt gewesen. Zwar seien kleinere, vereinzelte Bauopfer aus der römischen Geschichte bekannt, die aber bei weitem nicht vergleichbar seien in Umfang und Wert wie die unter dem Ringwall gefundenen Bauwerkzeuge. Damit, so Grote, schreibe die Erforschung des Hedemündener Römerlagers Wissenschaftsgeschichte. Das Lager sei ein Teil einer durchgängigen römischen militärischen Infrastruktur nördlich von Mainz „weit außerhalb des römischen Reiches im gefährlichen Germanien“ gewesen.

Gefunden wurde die gut erhaltene Axt vor vier Tagen etwa 60 Zentimeter unter der Erdoberfläche an der Ostseite des Hauptlagers. Mit der Axt, erklärt Grote, „schließt sich der Ring“: Alle Gegenstände seien unter dem Wall in 40 bis 70 Meter Entfernung zum nächsten Fund entdeckt worden.

Weiterhin, erläutert Grote, müsse die Kreisarchäologie das Lager vor Raubgräber schützen. Bisher sei das erfolgreich gewesen: Auch die jetzt gefundene Axt, so Grote, „haben wir den Raubgräbern weggenommen“. Der jahrelange „zeitliche Wettstreit mit den Raubgräbern“ sei jetzt gewonnen.

Für das Lager, erklärte Landrat Reinhard Schermann, werde der Landkreis ein Museumskonzept erarbeiten lassen, mit dem das Lager auch touristisch erschlossen werden könne. Dafür habe er den niedersächsischen Landesdenkmalpfleger Prof. Reinhard Roseneck gewinnen können, der bereits andere Museumskonzepte ausgearbeitet habe. Er selbst, so Schermann, träume „von einer Nachbildung des Römerlagers“ bei Hedemünden, aber: „Ob dies von wissenschaftlicher Seite toleriert werden kann, muss erst noch diskutiert werden.“

  Römerlager Hedemünden
  Das Römerlager Hedemünden ist eine Befestigungsanlage auf dem heute bewaldeten Burgberg westlich von Hedemünden. Das Fundmaterial römischer Herkunft belegt die Existenz eines Militärlagers aus der Zeit um Christi Geburt. Nachdem Raubgräber die ursprünglich als germanische Ringanlage angesehenen Wall mehrfach heimgesucht hatten, begannen intensivere offizielle Untersuchungen. 2004 schließlich gab Kreisarchäologe Klaus Grote bekannt, dass es sich um ein Römerlager handelt.
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Jahresbilanz 2009 der Kreisarchäologie

Weil die Forschungsförderung ausläuft, werden die Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Römerlagers bei Hedemünden erst einmal eingestellt. Auch die systematische Absuche des Geländes mit Metalldetektoren wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen. Vorrang hätten jetzt Auswertung und Sicherung der bisher gefundenen Gegenstände, erklärt der Göttinger Kreisarchäologe in seinem Jahresbericht der archäologischen Denkmalpflege für 2009.

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