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Pjel Appenrodt fährt auf Kreuzfahrtschiffen zur See

„Nur noch eineinhalb Jahre, sonst wird der Job zur Sucht“ Pjel Appenrodt fährt auf Kreuzfahrtschiffen zur See

Nach Realschulabschluss und verkürzter, mit der Note 1,8 bestandener Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann hätte Pjel Appenrodt Karriere im Handel machen können. Doch er entschied sich anders – und fährt stattdessen auf Kreuzfahrtschiffen als Mitglied der Entertainment-Crew zur See.

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Nach Realschulabschluss und verkürzter, mit der Note 1,8 bestandener Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann hätte Pjel Appenrodt Karriere im Handel machen können. Doch er entschied sich anders – und fährt stattdessen auf Kreuzfahrtschiffen als Mitglied der Entertainment-Crew zur See.

Quelle: Hinzmann

Niedernjesa. Grönland, Europa und Südamerika: Dort ist der 23-Jährige schon gewesen. Seine nächste Fahrt wird ihn von Genua durch den Suez-Kanal entlang der Küste Asiens nach Japan führen.

„Ich bin sprachbegabt, liebe fremde Kulturen und suche das Abenteuer“, erzählt der ehemalige Azubi des Dänischen Bettenlagers. „Für mich ist dieser Job ideal.“

Der Job: Bei Appenrodts erstem Arbeitgeber, der italienischen Reederei Costa Crociere, bestand er darin, Teenager zu bespaßen, 4D-Filmrollen einzulegen und den Golfsimulator zu bedienen. Bei seinem zweiten Arbeitgeber, der schweizerischen MSC, arbeitete er zunächst als Betreuer der deutschen Gäste, begrüßte sie an Bord, beaufsichtigte Sicherheitsübungen, moderierte Cocktail-Veranstaltungen und war Begleiter auf Landausflügen.

Ab Februar, wenn seine nächste Reise beginnt, wird er als Assistent des Kreuzfahrtdirektors fungieren, als solcher in erster Linie administrative Aufgaben wahrnehmen und als Vorgesetzter für rund 100 Mitarbeiter verantwortlich sein.

Bevor es „Leinen los“ hieß, musste Appenrodt aber Einiges leisten und tief in die Tasche greifen. Zunächst musste er ein intensives einwöchiges Assessment-Center durchlaufen. Nach dessen Bestehen hieß es, sich ein ärztliches Attest zu besorgen, sich die Schiffstauglichkeit bescheinigen zu lassen, ein Sicherheitstraining zu absolvieren (bei dem unter anderem das Verhalten bei Piratenüberfällen trainiert wurde), sich das Seemannsbuch aushändigen zu lassen sowie eine Uniform zu kaufen.

Rund 1700 Euro musste der Niedernjeserner vorschießen, bevor er überhaupt an Bord gehen durfte. Dort gefällt es ihm allerdings großartig. Trotz Acht-Quadratmeter-Doppelkabine, einer Sieben-Tage- beziehungsweise 98-Stunden-Woche und eiserner Disziplin.

„Das Sicherheitspersonal hat sogar das Recht, ohne konkreten Verdacht deine Kabine zu durchsuchen“, berichtet er. Eine zweite Chance bekomme man nicht: „Eine Überschreitung, und du musst von Bord.“ Aber umso größer seien die Vorteile, die der Job mit sich bringe.

„Mitten auf dem Atlantik im Swimmingpool planschen – einfach wundervoll“, berichtet Appenrodt. Und jeden Landausflug mitmachen. Am schönsten sei Rio gewesen, am zweitschönsten der Geiranger-Fjord in Norwegen, am unansehnlichsten Casablanca.

Unglaublich viele Menschen lerne er kennen, wobei die Australier lässig und freundlich seien, die Südamerikaner viele Fragen stellten und die Deutschen hohe Ansprüche hätten: „Wenn nicht alles perfekt ist, gibt´s ganz schnell ein Beschwerde.“

Knapp eineinhalb Jahre will Appenrodt noch auf Kreuzfahrt gehen, dann Touristik studieren: „Sonst wird der Job zur Sucht, und du bist mit 60 immer noch unterwegs.“ 

Von Hauke Rudolph

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