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Kaum einer traut sich, Platt zu sprechen

Plattdeutsch-Nachmittag Kaum einer traut sich, Platt zu sprechen

„Platt is cool“ war das Motto, unter dem der Kulturverein Geismar mit Andreas Kompart und Ernst Schrader in Geismar einen Plattdeutsch-Nachmittag ausgerichtet haben. Um die 60 Gäste lauschten lustigen Geschichten und der Musik der „SkiffleFrakTion Bogdan“. Auch zwei Jugendliche konnten gewonnen werden.

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Quelle: HW

Göttingen. Richtig Launig wurde der Nachmittag, als die Skiffle-Band loslegte. Mit Akkordeon, Banjo, Waschbrett und Teekisten-Bass spielten Frontmann Michael Bogdan, Ernst Schrader, Carolin Dunkel und Reinhard Mischke wohlbekannte Gassenhauer – teils im Original, teils von Schrader auf Plattdeutsch übersetzt. Und da gab es auch einige, die mitsangen, als etwa „Marmor, Stein und Eisen bricht“ angestimmt wurde, was auf ostfälischem Platt dann so klingt: „Marmor, Staan un Eesen bricht, ower uuse Liebe nich. Allet, allet chaat verbee, doch wee sind olee.“

Der pensionierte Lehrer Schrader ist eingeborener Geismarer, zweisprachig erzogen – Platt- und Hochdeutsch – und er engagiert sich schon lange für ein Fortbestehen des niederdeutschen Dialekts. Ebenso Andreas Kompart, ebenfalls gebürtiger Geismarer, Lehrer in Adelebsen und als Berater für Niederdeutsch bei der Landesschulbehörde regional im Einsatz.

Mit dem betont jugendlichen Titel „Platt is cool“ sollten vor allem auch jüngere Platt-Sprecher motiviert werden, zu kommen. Aber: „Ganz so viel Jugend war leider nicht da“, sagte Schrader. Dabei gibt es sie durchaus, die Jungen mit Bezug zu Platt. So wie Finja Henne und Tanyel Erengil. Erengils Großeltern sind gebürtige Geismarer und Plattsprecher.

Finja Henne aus Eberhausen bei Adelebsen wurde im vergangenen Jahr Kreismeisterin im Plattdeutsch-Vorlesewettbewerb. Kennengelernt hat sie den Dialekt bei ihrem Großvater, der mit ihr irgendwann anfing, einfach Platt zu sprechen. Sein „ausländisch“ gefiel ihr so gut, dass er weitermachte und sie von ihm fleißig lernte. „Ich finde gut, dass ich so mit Opa sprechen kann. Es macht einfach Spaß.“ Finja und Tanyel ließen sich auch für einen Auftritt auf der Bühne gewinnen.

Das Programm war betont unterhaltsam gestaltet. Mit sehr alten sowie modernen Texten, von denen Schrader einige auf das ostfälische Platt umgeschrieben hat. Und das Publikum bewies ein gutes Hör- und auch Humorverständnis: Während der Platt-Unkundige oft ein Fragezeichen im Blick hatte, lachten die Zuschauer etwa über die zwei Dörflerinnen, die sich mit rustikaler Einfalt über ihre Männer austauschten.

„Von den Besuchern kommen viele aus Geismar, aus Moringen, aus Groß Schneen und weiteren Dörfern der Umgebung“, sagte Andreas Kompart. Das Interesse, Platt zu hören, sei da. Und dennoch: In der Pause wurde fast nur Hochdeutsch gesprochen. „Die echten Plattdeutsch-Sprecher, die über 80-Jährigen, sind zu alt, um noch in großer Zahl zu solchen Veranstaltungen zu kommen“, stellte Schrader fest. Die nachfolgende Generation hätte es zwar noch gehört, aber leider nicht mehr gesprochen.

Info

Der Plattdeutsch-Nachmittag fand im Rahmen der niedersächsischen Kampagne „Platt is cool“ der Landschaftsverbände und der niedersächsischen Landesschulbehörde statt. An allen Freitagen im September sind die Niedersachsen aufgerufen, den ganzen Tag über Plattdeutsch zu sprechen. Dazu gibt es, im für die Region typischen ostfälischen Platt,  beispielsweise Aufkleber, Buttons und Spruchkarten, die für den alltäglichen Gebrauch der Sprache werben. Vor allem in Schulen sollen sie zum Einsatz kommen.

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