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Plattdeutsches Erzählcafé zu „Slachtedach“

Eddigehausen Plattdeutsches Erzählcafé zu „Slachtedach“

In seinen Jugendjahren, erinnert sich Ortsheimatpfleger Heinrich Hardege, sei Plattdeutsch im Ort regelrecht verpönt gewesen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Mundart wird heute wieder anerkannt, und es gibt auch Versuche, sie wieder zu pflegen.

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Mit Anschauungsmaterial: Ilse Ropeter aus Barterode zeigt, was früher beim Schlachtetag alles hergestellt wurde.

Quelle: Heller

Dazu zählte nun auch das erste plattdeutsche Erzählcafé in Eddigehausen, das Hardege moderierte. Rund 30 Besucher kamen, um sich auf Platt darüber zu unterhalten, wie das früher so war mit dem Schlachtefest auf dem Dorf. Junge Leute waren fast gar nicht unter den Besuchern, aber die, die da waren, amüsierten sich prächtig bei vielen Erinnerungen und – durchaus auch deftigen – Anekdoten aus der alten Zeit, die unter anderem Hardege und Hannelore Thiele-Swinke aus Angerstein beisteuerten.

Thea Putzge sagte, sie habe seit mehr als 20 Jahren kein Plattdeutsch mehr gesprochen. Wacker las sie trotzdem in der Mundart vor, wie früher im Ort Ferkel aufgezogen und verkauft wurden.

Es war auch externe Unterstützung aus Barterode angereist. Ilse Ropeter vom dortigen Heimatverein berichtete, wie es früher beim „Slachtedach in Batteroh“ zuging. Bevor das Schwein geschlachtet wurde, mussten erst einmal Gewürze besorgt werden, unter anderem „witten un swatten Pepper, Soalt, Majoran, Dümean“. Auch durften „twa Flaschen met Sluck“ nicht fehlen. Schließlich gab es einige Sprichwörter zu berücksichtigen: „Is de Slachter annekohm, werd de erste innenohm“ war eines. Darüber hinaus galt: „Wenn dat Swien an Haken hänget, werd de nächste inneschenket.“

In der Küche herrschte dann bald Hochbetrieb. Hergestellt wurden unter anderem Mettwost, Roatwost, Wittwost, Lewerwost, Swoanwost, Ssülte und Koppwost. Manchmal war besondere Sorgfalt angesagt: „Been Brejenwost koken moßte man höllisch uppassen, twa ,Voder unser’ un se moßte wer rut uten Kessel.“ Und die Kinder durften nicht allzu zart besaitet sein: „De Slachter wischede össek Kindere met ssien Blautfingere dort Jessichte.“

Viele Anekdoten rankten sich um das Schwarzschlachten am Ende des Krieges und nach dem Zweiten Weltkrieg. So konnte es vorkommen, dass ein Schwein beim Schlachten zwei Blasen hatte. Wenn schwarz geschlachtet wurde, konnte die Oma mit einem speziellen Trick zum Einsatz kommen: „Wenn den Flasch un Woste koket worn, moßte de Omamme Zucker uppen Herd strahn un Melk owerkoken loten, düsse Jeruch owertönde alles.“

Von Jörn Barke

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