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Podiumsdiskussion zur Flüchtlingspolitik

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ Podiumsdiskussion zur Flüchtlingspolitik

Wie es um die Zukunft der europäischen Flüchtlingspolitik bestellt ist, haben Politiker am Montag beim Europatag im Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasium diskutiert. Neues förderte die Runde nicht zutage - und löste damit Unmut bei den Schülern aus.

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Podiumsdiskussion am Theodor-Heuss-Gymnasium Götingen mit OB Rolf-Georg Köhler, Thomas Oppermann, Viola von Cramon und Fritz Güntzler.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. „Europa fing für mich erst in Deutschland an“, bekannte zu Beginn der Diskussion ein irakischer Flüchtling angesichts seiner Erfahrungen auf der Flucht durch osteuropäische Länder. Für die Bundestagsabgeordneten der Berliner Regierungskoalition eine Steilvorlage: „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, propagierte Fritz Güntzler (CDU) und schlug vorsichtig vor, EU-Gelder, die an ost-europäische Länder fließen, angesichts deren Blockade bei der Flüchtlingsaufnahme zu überdenken.

Viele Dinge liegen gelassen

Eine gemeinsame europäische Migrationspolitik scheint aber in weite Ferne gerückt zu sein: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, kommentierte Sabine Lösing, Europaabgeordnete der Linken, entsprechende Vorhaben. Das liege auch daran, dass die EU in Osteuropa viele Dinge, besonders im sozialen Bereich, liegen gelassen habe, befand Viola von Cramon, ehemals Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) machte für den erstarkenden Nationalismus in Osteuropa allerdings auch die mangelnde Demokratieerfahrung nach dem Fall des eisernen Vorhangs verantwortlich.

Keine neuen Antworten

Neue Antworten zur Zukunft der europäischen Flüchtlingspolitik lieferte die Diskussion nicht. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD) plädierte für die Bekämpfung von Fluchtursachen in und nahe der Herkunftsländer, Lösing kritisierte die Mitverantwortung der europäischen Wirtschaftspolitik für die Zustände in Entwicklungsländern und Köhler kritisierte deutsche Waffenexporte.

Das war offensichtlich nichts neues für die Schüler, nach anderthalb Stunden meldete sich einer entnervt zu Wort: „Geht es noch um Menschenrechte oder geht es nur noch ums Geld?“, fragte er - und erntete tosenden Applaus.

Von Christoph Höland

Europäische Sicht auf das Flüchtlingsthema

Göttingen. Bei Workshops, Vorträgen und Diskussionen haben sich am Montag Schüler des Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasiums mit der europäischen Flüchtlingspolitik beschäftigt. Beim Europatag sollten sie vor allem die Blickwinkel anderer Länder kennenlernen.

Dementsprechend stand für die Lehrerin Nina Köbernick der Perspektivwechsel im Vordergrund: Ausländische Studierende erklärten den Schülern bei Workshops die Sicht auf das Flüchtlingsthema in ihren Heimatländern.

Francisco Fernández spricht vor Schülern am THG.

Quelle: Wenzel

Unter anderem ging es um Spanien, Russland, Frankreich und Italien. So sei in den Workshops den Schülern beispielsweise klar geworden, dass die dortigen Strandverkäufer häufig illegale Flüchtlinge sind, die für „fast nichts“ tagelang in der Hitze unterwegs sein, berichtete Uta Richter-Jühlig, eine der beteiligten Lehrerinnen.

Zugleich ging es auch um das Verhalten der jeweiligen Regierungen – für die Schüler eine ernüchternde Lektion: Es habe seinen Gesamteindruck bestärkt, dass es keine europäische Lösung geben könne, sagte einer von ihnen – zumindest nicht kurzfristig.

 

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