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Politiker für QR-Codes auf Grabsteinen

Klare Zustimmung für digitale Zierde, aber Vorbehalte gegen Mausoleen Politiker für QR-Codes auf Grabsteinen

Die geplanten QR-Codes auf Grabsteinen kommen bei den Göttinger Ratsfraktionen gut an, gegen neuen Mausoleen auf dem städtischen Friedhof Junkerberg  gibt es allerdings Vorbehalte. Reiche Bürger könnten damit protzen, fürchtet die SPD.

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QR-Codes lassen sich auch gestalterisch unaffällig und kunstvoll in Grabsteine einarbeiten.

Quelle: gedenken-gestalten.org

Göttingen. Überraschend kurz diskutierten die Mitglieder des Ratsausschusses für Umwelt und Klimaschutz am Dienstag über geplante Änderungen in der Göttinger Friedhofssatzung. Zum einen will die Verwaltung künftig QR-Codes an Grabmalen zulassen und dafür aber klare Regeln aufstellen. Über solche digitalen Verschlüsselungen könnten Hinterbliebene zum Beispiel auf Fotos, Filme und Internetseiten mit Informationen zum Gestorbenen leiten. Gelesen werden QR-Codes mit Handys oder Tablet-PCs.

Zum anderen will die Verwaltung künftig auf dem Junkerberg-Friedhof Mausoleen zulassen. Die zulässige Größe solcher Grabmale in Gebäudeform solle später im Belegungsplan festgelegt werden, erklärte der Leiter des Fachdienstes Friedhöfe, Wolfgang Gieße. Damit korrigierte eine Angabe der Verwaltung, das Grundmaß dürfe die Fläche eines Doppelgrabes nicht überschreiten.

Gerade das aber bereitet der SPD Sorgen. In seiner Fraktion sei heftig darüber diskutiert worden, erklärte Andreas Klatt. Die Idee könne ein Signal an Menschen mit sehr viel Geld sein, sich auf Friedhöfen mit protzigen Bauten zu verewigen. Eine Sorge, die die Vertreter der anderen Fraktionen nicht teilen. Ergebnis zu diesem Punkt: mehrheitliche Zustimmung bei zwei Gegenstimmen der SPD.

Große Einigkeit mit voller Zustimmung herrschte im Ausschuss hingegen bei der Entscheidung über QR-Codes. Lediglich Hans Günther Joger mahnte als beratendes Mitglied, „dass es irgendwie pietätlos ist, wenn jeder mit dem Handy über den Friedhof läuft und sich über die Code-Einträge amüsiert“.
In den öffentlichen Medien wird vor allem über die QR-Code-Idee diskutiert. „Wie bescheuert ist das denn“, fragt ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer kommentierte: „Die Stadt Göttingen lässt sich ja wieder was hübsches einfallen.“

Der Göttinger Dechant Wigbert Schwarze glaubt nicht, „dass sich die Menschen darauf einlassen“. Für ihn sei es „merkwürdig und befremdlich, wenn Intimes in dieser Form für jeden öffentlich gemacht wird“, sagte er auf Anfrage. Die Digitalisierung habe auch Schatten. Ähnlich hatte sich zuvor der Göttinger Superintendent Friedrich Selter gegen QR-Codes auf Friedhöfen geäußert.

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