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Politiker in der Werbung: Für die „gute Sache“

Lutz Knopek in Eon-Anzeige Politiker in der Werbung: Für die „gute Sache“

Politiker und Werbung - passt das zusammen? In Göttingen gibt es gleich mehrere Beispiele, in denen Volksvertreter für Produkte werben. „Großer Fahrkomfort“ und eine „erstaunlich gute Beschleunigung“: Der Göttinger FDP-Bundestagsabgeordnete Lutz Knopek ist voll des Lobes für einen kleinen französischen Elektroflitzer.

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Werbung mit Politikern: rechtlich okay, aber „mit Geschmäckle“.

Quelle: Montage: Hinzmann

Göttingen. Zu lesen ist dies inklusive Markennamen und Modellbezeichnung sowohl auf Knopeks Internetseite als auch in einer ganzseitigen Anzeige, mit der der Stromkonzern Eon in dieser Woche für Elektromobilität und Ökostrom in einem Anzeigenblatt wirbt. Im Foto posiert Knopek vor dem Wagen: „Gemeinsam begeistert von der elektrischen Fahrkultur“, heißt es dort. Eon liefert „die passenden Angebote zum erfolgreichen Strom-Start auf der Straße“. Knopek war auf Einladung der Eon Mitte Vertrieb GmbH unterwegs.

Als Werbung für Eon wertet Knopek sein Auftreten nicht. „Eher als Imagewerbung für die Zukunft der Elektromobilität. So stelle ich mich in den Dienst der guten Sache. Das finde ich legitim“, sagt das Mitglied des Umweltausschusses des Bundestages. Knopek und der Sprecher der Eon Mitte Vertrieb GmbH, René Schneider, betonen, dass an Knopek kein Geld für seinen Auftritt in der Anzeige gezahlt wurde. Selbstverständlich, so Schneider, habe man den Bundespolitiker über die Verwendung des Fotos und die Platzierung einer Anzeige informiert.

Trennung von Amt und Person in der Werbung schwierig

Im Prinzip als rechtlich unbedenklich wertet der Göttinger Jurist Dr. Alexander Thiele vom Institut für Allgemeine Staatslehre an der Göttinger Uni das Auftauchen von Politikern in der Produktwerbung. Selbst wenn er dadurch Einkünfte erzielt. „Als Politiker verliert man ja nicht seine Eigenschaft als Bürger oder Unternehmer. Sie sollen ganz normal ihr Leben weiterführen können“, erläutert Thiele. Daher sei es einem Politiker prinzipiell nicht verboten, Werbung zu machen, so lange etwaige Einkünfte entsprechend den gesetzlichen Vorgaben offen gelegt werden. Anders sieht es aus, wenn Politiker ein öffentliches Amt bekleiden. Das Amt dürfe dann nicht für die Werbung missbraucht werden. Oft sei die Trennung von Amt und Person in der Werbung schwierig, sie würden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig verschmelzen. Thiele räumt aber ein, dass Werbung zwar rechtlich ok sei, wohl aber leicht „ein Geschmäckle“ bekommen könne.

„Ja“ zu Göttinger Bier

Seit einigen Wochen läuft eine Kampagne des Einbecker Brauhauses: Auch hier kommen Politiker zu Wort und preisen das Göttinger Bier aus Einbeck. Aus der Politik sind die beiden SPD-Gemeindebürgermeister aus Rosdorf und Friedland, Andreas Friedrich und Harald Grahovac, CDU-Mann und Göttingens Kämmerer Hans-Peter Suermann, das Groner FDP-Ortsratsmitglied Wolfgang Thielbörger und der Ortsbürgermeister aus Geismar und grüner Landtagskandidat, Thomas Harms, dabei. Auch hier, so betont der Marketingleiter der Einbecker Brauerei, Ingo Schrader, sei kein Geld an die Werbepolitiker geflossen.

Für die Region

Diese betonen einmütig auf Tageblatt-Anfrage, dass ihnen bei der Kampagne der regionale Aspekt im Vordergrund stehe. „Ich habe für die Marke Göttingen geworben“, sagt etwa Friedrichs. Dazu stehe er, auch wenn dafür Schelte von den Friedländer Grünen habe einstecken müssen. Wichtig sei das Alleinstellungsmerkmal des Göttinger Bieres aus Einbeck, es gebe kein Konkurrenzprodukt.

Suermann betont, dass er eine Anfrage von anderen, überregionalen Großbrauereien abgelehnt habe. Beim Göttinger Bier gehe es um die „Visitenkarte der Region“. Den Absatz des Bieres anzukurbeln und so auch Arbeitsplätze in der Region zu sichern, war Grahovacs Hintergedanke bei der Teilnahme. Thielbörger hätte keine Probleme, „jederzeit wieder für regionale Produkte Werbung zu machen“. Politik und Werbung beißen sich bei ihm nicht, „Ich will ja nicht wiedergewählt werden.“

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