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Polizei Göttingen startet Projekt zur geschlechtsspezifischen Ursachenforschung

Nach Zunahme von Wildunfällen Polizei Göttingen startet Projekt zur geschlechtsspezifischen Ursachenforschung

Die Anzahl der registrierten Wildunfälle hat sich laut der kürzlich veröffentlichten Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion (PI) Göttingen im Landkreis von 702 im Jahr 2013 auf 791 im Jahr 2014 erhöht.

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Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke zeigt beispielhaft die zukünftige Erfassung.

Quelle: EF

Göttingen. Die Göttinger Polizei betrachtet diesen Trend mit Sorge und überdenkt derzeit konkrete Maßnahmen, um die negative Entwicklung aufzuhalten und die Unfallzahlen zu senken. "Hierzu muss man auch mal ungewöhnliche Wege beschreiten" sagt Polizeidirektor Gerd Hujahn, Leiter Einsatz bei der PI Göttingen. Neben einer thematischen Erweiterung und Intensivierung ihrer Präventionsarbeit startet die PI Göttingen deshalb im April ein Pilotprojekt, das einer noch genaueren Unfallursachenforschung dienen soll.

Bei der Suche nach einer greifbaren Erklärung, anhand derer dann möglichst schnell gezielte polizeiliche Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Verkehrsunfallart eingeleitet werden können, ziehen die Beamten neben vermeintlichen Fahrfehlern der Autofahrer deshalb zukünftig auch das Verhalten der Tiere mit in Betracht. Ein neu zu beleuchtender Aspekt wird insbesondere sein, ob das Geschlecht des an einem Unfall beteiligten Wildtieres möglicherweise eine auslösende Rolle spielt. Sind z. B. Häsinnen öfter in Unfälle verwickelt als Rammler? Beschäftigt hatte man sich damit bislang bei der Polizei nicht. Die Gründe, warum Mensch und Tier im Straßenverkehr kollidieren, sind oftmals vielfältig. Die Fehler können beim Fahrer aber eben auch beim Tier liegen. Doch gilt das menschliche Prinzip "Männer und Frauen ticken vollkommen anders" auch in der Tierwelt?

Um dieser Frage genauer auf den Grund zu gehen, soll nach Vorstellung der Initiatoren rund um Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke (Foto) zukünftig das Geschlecht eines involvierten Tieres bei der Unfallaufnahme gleich mit erfasst werden. Auf die neue Zusatzaufgabe der "Tier- und Geschlechtsbestimmung" werden Beamte verschiedener Dienststellen demnächst in Schulungen gezielt vorbereitet.

Ab April werden dann außer dem Unfallort auch akribisch die Art des betroffenen Tieres, dessen Fellfarbe, Größe und Geschlecht sowie weitere Zusatzinformationen wie  Mondphase, Sonnenstand, Witterung, Windrichtung, Einzeltier oder Rudel sowie Außentemperatur notiert.

Beginnen wird man zunächst mit den statistisch in den zurückliegenden Jahren am häufigsten in Unfälle verwickelten Rehen, Wildschweinen, Füchsen und Hasen. Eine Erweiterung auf andere Tierarten ist jederzeit möglich.

Doch auch auf den Autofahrer kommt eine Neuerung zu, denn seine Beobachtungen unmittelbar vor dem Unfall sind für die Ursachenforscher ebenfalls von großem Interesse. Hierzu gehören beispielsweise Angaben zum beobachteten Verhalten des jeweiligen Wildtieres an der Straße oder sonstige Auffälligkeiten.  All diese Informationen soll der Autofahrer noch vor Ort in einen speziellen Erfassungsbogen eintragen, der derzeit entwickelt wird.

Sämtliche Daten fließen schließlich zentral im Sachbereich Verkehr der PI Göttingen zusammen. Hier erfolgt die manuelle Eintragung in einer eigenen Unfalltypensteckkarte (siehe Foto). Auch das ist neu.

Bislang wurden Wildunfälle immer zusammen mit allen anderen Unfallarten erfasst. Seit 2011 geschah dies in der neu eingeführten Elektronischen Unfalltypensteckkarte (EUSKA). Dieses Vorgehen wird nun für die Dauer des Projektes ausgesetzt.

"Ob mit den erweiterten Aufgaben vor Ort längere Einsatzzeiten für die Beamten verbunden sind, bleibt abzuwarten. Verkehrsteilnehmer sollten sich aber vorsichtshalber darauf einstellen, dass die Unfallaufnahme ggf. etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen kann. Dafür bitten wir schon jetzt um Verständnis", so Hujahn.

Wie ernst es die Göttinger Polizei mit ihren Bestrebungen zur Wildunfallreduzierung meint, verdeutlicht zusätzlich die Tatsache, dass an dem Pilotprojekt auch externe Experten, darunter Jäger und Biologen einer namhaften Universität, beteiligt sind. Ihr wissenschaftliches Können und ihre Erfahrungen im Umgang mit unserem heimischen Wild sind aus Sicht der Beamten von großer Bedeutung bei der Bewertung und Analyse der gewonnenen Daten.

Kosten entstehen für die Polizei nicht. Die wissenschaftliche Begleitung des in seiner Art in Niedersachsen bislang einmaligen Präventionsprojektes erfolgt aus zweckgebundenen Fördermitteln. Es ist zunächst für zwei Jahre angesetzt.

Von den erlangten Ergebnissen erhofft sich die Polizei Göttingen nebenbei auch innovative Ideen für den Bereich der technischen Wildunfallprävention. Derzeit sind an unfallträchtigen Straßen Leitpfosten mit blauen Wildwarnreflektoren im Einsatz.

ots

UPDATE: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Aprilscherz der Göttinger Polizei!

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