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Hausbesuche bei Burschenschaftern

Nachbarschaftliche Spielregeln Hausbesuche bei Burschenschaftern

Von „kooperativ bis gereizt“ reicht die Reaktion, wenn Mitarbeiter des Fachdienstes Ordnung in Begleitung der Polizei in Göttinger Verbindungshäusern zum Hausbesuch erscheinen. Die persönliche Ansprache ermahnt seit einigen Jahren auffällig gewordene Burschen-, Sänger- oder Turnerschaften zu nachbarschaftlicher Rücksicht.

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Verbindungshaus der Lunaburgia in der Göttinger Leonard-Nelson-Straße 23.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Alkoholisierte, krakelende, gar randalierende Verbindungsstudenten - das kennt Göttingen seit Jahrhunderten. Die Obrigkeit hat jeweils mit den Mitteln der Zeit darauf reagiert. Die Geschichte des Karzers ist voll von Freiheitsstrafen nach Saufgelagen. Gar Innenstadtverweise gegen namhafte Studenten (Otto von Bismack) sind in die Uni-Geschichte eingegangen. Heute geht es im Studentenleben vergleichsweise gesittet zu. Die große Mehrzahl der Burschenschaften und Verbindungshäuser, so die Verwaltung, biete keinen Anlass zu Klagen. Damit das so bleibt, arbeiten Stadtverwaltung und Polizei präventiv.

Mit den Gesprächsrunden mit Vertretern der Häusern, wie sie früher einmal einberufen wurden, ist es freilich auch nicht mehr getan. Die haben, erinnert sich Dieter Arend, der Leiter des Fachdienstes Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, in der Regel nicht gefruchtet. Deshalb werden seit einigen Jahren jene Verbindungshäuser gezielt einmal zu Semesterbeginn aufgesucht, bei denen es in der Vergangenheit Probleme gab. In diesem Frühjahr sind es neun Verbindungshäuser, die die Verwaltung zusammen mit einem Kontaktbereichsbeamten aufsucht. Es sind jene, die im letzten Halbjahr Anlass zu Bußgeldverfahren gegeben haben oder gegen die besonders viele Beschwerden von Nachbarn eingingen.

Diese Besuche werden vorher angekündigt. In dem Brief wird der Hausbesuch begründet und bereits angegeben, was von den Gemeinschaften künftig erwartet wird. Der Erfolg sei „durchwachsen“, teilt Stadtsprecher Detlef Johannson mit, „wie manche Randale immer mal wieder zeigt“. Dieter Arens sagt es so: „Ich mahne bei diesen Besuchen das vernünftige Verhalten unter Nachbarn an, weise auf Besonderheiten, zum Beispiel enge Bebauung oder persönliche Schicksale in der Nachbarschaft hin und zeige auf, dass Bußgelder in jedem Fall verhängt werden.“ Im Enstfall kann dann schon einmal eine Lärmquelle - zum Beispiel eine Verstärkeranlage - sichergestellt und ein Bußgeld fällig werden. Das Einsehen der Verbindungsstudenten, so Arend, sei unterschiedlich. Einige reagierten kooperativ. Er sei aber auch schon „gereizt im Hof abgefertigt“ worden.

Jüngster Hausbesuch: Am Montag waren Kob und Ordnungsamt im Verbindungshaus der Lunaburgia in der Leonard-Nelson-Straße: „Enge Bebauung, viele Nachbarn. Sicher nicht einfach bei halbjährlich wechselner Mitbewohnerschaft“, sagt Arend. Die Lüneburger hätten „in der Vergangenheit immer alles umgesetzt, was wir vereinbart haben“. So soll es bleiben. Auf Anfrage teilt ein Sprecher des Verbindungshauses „im Namen der Aktivitas“ mit: „Ein gutes Verhältnis zu unseen Nachbarn ist uns sehr wichtig. Gerne arbeiten wir auch in der Zukunft mit diesen und dem Ordnungsamt zusammen.“ So wünscht es sich Arend auch von allen anderen Verbindungshäusern.

Regeln

Diese „Spielregeln“ gibt die Verwaltung den auffällig gewordenen Verbindungshäusern, Corps und Burschenschaften vor:

  • Partys sind beim Ordnungsamt anzumelden.
  • Eine verantwortliche Person, die nüchtern bleibt und per Mobiltelefon erreichbar ist, muss benannt werden.
  • Nachbarn sind über größere Feiern zu informieren, einzuladen oder durch kleine Präsente zu entschädigen.
  • Müll auf der Straße oder vor dem Haus ist absolut zu vermeiden. Andernfalls droht kostenpflichtiger Einsatz der Entsorgungsbetriebe.
  • Alle passiven Maßnahmen zur Lärmvermeidung (Rollladen, Vorhänge) sind bei einer Party zu aktivieren.
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