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"Da geht schon mal ein Spiegel drauf"

Polizei wirbt für Rettungsgassen im Autobahn-Stau "Da geht schon mal ein Spiegel drauf"

Manchmal fehlen Zentimeter, um ein Leben zu retten. Zentimeter, die Feuerwehr oder Rettungswagen am Durchkommen hindern, Zentimeter, die Fahrzeugen im Stau zum Rangieren fehlen, um die Rettungsgasse frei zu machen. Jetzt mahnt die Polizei mit Bannern die Leben rettende Gasse an.

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Das Löschfahrzeug der Feuerwehr Königsbrunn durchfährt nach einem Unfall auf der B17 eine perfekt gebildete Rettungsgasse.

Quelle: Screenshot/Facebook Feuerwehr Königsbrunn

Göttingen. Für Feuerwehrleute ist es der Horror, nicht oder nicht schnell genug am Unfallort helfen zu können. Martin Willing, Gemeindebrandmeister von Rosdorf, erinnert sich: Auf der Autobahn ein brennender Pkw, die Feuerwehr sieht schon den Rauch, kann aber nicht eingreifen, weil die Rettungsgasse dicht ist. Kollege Dieter Röthig von der Hann. Mündener Wehr bestätigt: Es sei immer schwierig, mit den großen Feuerwehrfahrzeugen auf der Autobahn durchzukommen.

"Da geht schon mal ein Spiegel drauf", sagt Röthig. Denn vielfach sei die Gasse zwar da, aber zu eng. Bei zwei Dritteln der Einsätze auf der Autobahn, so Willing, gebe es Probleme. Bei dreispuriger Autobahn sogar noch häufiger, weil die Gasse immer dann zu eng wird, wenn rechts zwei Lastwagen nebeneinander stehen. Probleme mit Pkw, so Röthig, seien überwiegend, dann aber meist durch Schaulustige, die mal eben schräg in die Gasse fahren, um zu gucken. Sie versperren nachfolgenden Rettungsfahrzeugen dann den Weg, weil die Pkw-Reihe wieder aufgerückt ist und dem Neugierigen dadurch den Platz zum Rangieren nimmt.

Das, so Matthias Rink von der Autobahnpolizei, sei ein Grundproblem: der Egoismus. Jeder kämpfe im Stau um Zentimeter, wolle verhindern, dass sich jemand dazwischen drängt. Am Ende fehle der Platz zum Rangieren, wenn die Rettungsgasse zu bilden ist.

Die Polizei fordert deshalb: Grundsätzlich im Stau Rettungsgasse immer frei lassen, auch wenn nicht klar ist, ob weiter vorn ein Unfall, eine Panne oder einfach nur zu dichter Verkehr für die Stockung sorgen. Die Forderung hat jüngst auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) erhoben. Er hat Ende Juni die Verkehrssicherheitskampagne angekündigt, die nun auch auf den 80 Kilometern A 7 und 15 Kilometern A 38 im Göttinger Raum greift.

Von Donnerstag an hat die Autobahnmeisterei sechs Spannbänder an Brücken aufgehängt, auf denen unmissverständlich zu sehen ist, wie die Rettungsgasse auszusehen hat: zwischen dem linken und dem mittleren (oder rechten Spur bei zweispuriger Autobahn) Fahrstreifen. Der Standstreifen ist keine Rettungsgasse. Breit genug und frei von offenstehenden Autotüren muss die Gasse zudem sein. "Hilfsweise", sagt Rink, "muss man im Stau wenigstens genug Abstand lassen, um notfalls rangieren zu können."

Der Minister hat bei der Ankündigung der Aktion auch auf das Vorbild Österreich verwiesen, wo bis zu 2000 Euro Strafe fällig werden, wenn jemand die Rettungsgasse blockiert. In Deutschland sind es bisher nur 20 Euro. Ob solche Strafen je verhängt werden, bezweifeln die Praktiker. Willing aber meint: "Allein das Druckmittel, dass hohe Strafen drohen, könnte den Rettern die Sache erleichtern." Er sei absolut für das österreichische Modell.

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