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"Populismus ist gerade extrem angesagt"

Interview: Martin Sonneborn "Populismus ist gerade extrem angesagt"

 Erstmals tritt bei diesen Kommunalwahlen auch „Die Partei“ in Göttingen an. Für den Wahlkampf hat sich die Satirepartei Schützenhilfe aus Brüssel besorgt: Im Tageblatt-Interview trommelt der Europaparlamentarier Martin Sonneborn (Die Partei) zu ihren Gunsten.

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Martin Sonneborn

Quelle: dpa

Tageblatt: „Martin Sonneborn-Stadt“ - so soll Göttingen künftig heißen, jedenfalls wenn es nach der Partei „Die Partei“ in Göttingen geht. Hat sie das bewegt, in den hiesigen Kommunalwahlkampf einzugreifen?

Sonneborn: Nein, das ist natürlich die Verbundenheit zur Stadt! Aber mir fällt gerade auf, dass, sollte Göttingen umbenannt werden, auch das Göttinger Tageblatt in Martin-Sonneborn-Städter-Tageblatt umbenannt werden muss. Das wird etwas mehr Platz beanspruchen, und da sie mein vollstes Mitleid in diesem Fall haben, gebe ich gerne ein Interview.

Martin Sonneborn

Martin Sonneborn war lange Chefredakteur der Satire-Zeitschrift Titanic und verantwortete außerdem preisgekrönte TV-Formate wie „Sonneborn rettet die Welt“. Für Aufsehen sorgte außerdem seine Behauptung, mit Hilfe von Schmiergeldern die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland geholt zu haben. 2014 zog er als Spitzenkandidat der Partei "Die Partei"

ins Europäische Parlament ein. Der studierte Germanist und Politikwissenschaftler ist gebürtiger Göttinger – für „Die Partei Göttingen“ Grund genug, eine Umbenennung der Stadt in „Martin Sonneborn-Stadt“ zu fordern.

 

Muss es eine Umbenennung der Stadt sein oder wären Sie mit weniger zufrieden?

Ich habe mich über dieses offensive Vorgehen der Partei Göttingen gefreut, und hinter dieses Ergebnis möchte ich nicht zurückgehen. Ich bin ja Mitglied der Delegation für die Beziehungen zur Halbinsel Korea und lerne dabei viel von Kim Yong-Un (Nordkoreanischer Diktator, Anm. d. Redaktion). Und ich glaube, dass ich bei meinem ersten Nordkorea-Besuch ein bisschen damit auftrumpfen kann, wenn es eine Martin-Sonneborn-Stadt gibt.

Göttingen liegt recht nah an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, deren Wiederaufbau Sie schon seit Jahren fordern. Machen Sie es ihrer hiesigen Parteigliederung mit solch populistischen Forderungen nicht unnötig schwer?

Nein! Ich glaube, Populismus ist gerade extrem angesagt – natürlich seriöser Populismus, wie wir ihn seit 2004 pflegen. „Die Partei“ wird ja als Protestwahlmöglichkeit gesehen, und ich ärgere mich, dass uns unseriöse Populisten derzeit so ein bisschen den Rang ablaufen. Ich nehme an, Sie haben auch eine AFD-Gruppe in Göttingen? Abseits davon könnten die Göttinger auch stolz darauf sein, dass der erneute Mauerbau eine Idee ist, die quasi aus Göttingen stammt und jetzt europaweit von Ungarn, Österreichern, Italienern und anderen Nationen aufgegriffen wird.

 

Sie sind Europapolitiker, deshalb die Frage an jemanden, der aus der Distanz auf Göttingen blickt: Was für eine Rolle wird Göttingen in der Zukunft Europas spielen?

Ich könnte den Göttingern, dann Martin-Sonneborn-Städtern, versprechen, dass der Tag der deutschen Zweiheit in ihrer schönen Stadt gefeiert wird, sobald wir die Macht übernommen haben. Außerdem würde ich alle Staatsgäste einmal nach Martin-Sonneborn-Stadt bringen und freue mich, dass dann auch das Kragenbär-Denkmal besichtigt werden kann. Gibt es das eigentlich schon?

"Die Partei"

2004 von Sonneborn gegründet, gibt sich die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ ("Die Partei") betont ambivalent: „Ja zu Europa! Nein zu Europa!“ oder der Wiederaufbau der innerdeutschen Mauer gehören zu ihren Forderungen. In Göttingen tritt sie im September erstmals zur Kommunalwahl an. Zu den Forderungen gehört unter anderem ein Transrapid ins Gartetal und die Unabhängigkeit Südniedersachsens.

Bisher steht das noch nicht - wollen Sie daran etwas ändern?

Das wäre dann das Erste! Ich kann ja auch Regionen mit EU-Millionen zuscheißen, und wenn Sie mich gnädig stimmen wollen: Göttingen hat früher schon von den Millionen für das Zonenrandgebiet profitiert - wenn Sie Wert auf weitere Millionen aus Brüssel legen, rate ich Ihnen, dass das Kragenbär-Denkmal in drei Wochen steht.

Interview: Christoph Höland

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