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Porträt: Ilona Eggert und Gudrun Glahn sind zertifizierte Baumwarte

Expertinnen für Obstbaumpflege Porträt: Ilona Eggert und Gudrun Glahn sind zertifizierte Baumwarte

Selbst geerntete Äpfel sind für die Schwestern Ilona Eggert und Gudrun Glahn unverzichtbar. „Ich pflücke sie beim Spazierengehen“, sagt die Göttingerin Eggert, „am liebsten Gravensteiner“. Seit zwei Jahren weiß sie, wie Apfel- und andere Obstbäume gepflegt werden müssen, um gute Erträge zu bringen.

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Vom Landschaftspflegeverband ausgebildete Baumwartinnen: die Schwestern Ilona Eggert (l.) und Gudrun Glahn.

Quelle: Vetter

Göttingen / Bremke. Beim Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen absolvierte die 45-jährige 2012 eine Ausbildung zur Baumwartin. Im vergangenen Jahr zog Glahn nach. Gemeinsam mit 20 Mitstreitern hat die Weißenbornerin jetzt ebenfalls ihr Zertifikat für den Abschluss des Baumwartelehrgangs entgegengenommen.

2011 bot der Landschaftspflegeverband erstmals einen solchen Kursus an. Im Mittelpunkt stand die Pflege von Streuobstwiesen – eine historische Kulturlandschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten vielfach der Intensivlandwirtschaft, dem Straßen- und Siedlungsbau zum Opfer gefallen ist. Dagegen will der Landschaftspflegeverband ankämpfen: „Unser Ziel ist es, in jedem Dorf einen Baumwart zu haben“, sagt Klaus König-Hollrah vom Landschaftspflegeverband. Drei Lehrgänge gab es bislang, den gerade erst abgeschlossen in Kooperation mit der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Niedersachsen.

Experten in Sachsen Streuobstwiesenpflege sind jetzt auch Glahn und Eggert. Während des Kurses lernten sie alles über Krankheiten und Schädlinge, Baumpflanzung und -schnitt, Ernte, Lagerung und Verwertung. Das gemeinsame Lernen mit Gleichgesinnten habe Spaß gemacht, erzählen die Baum-wartinnen. In Folge ihrer Ausbildung übernahmen die Frauen in ihrer Freizeit – beide sind berufstätig – die Betreuung einer privaten Streuobstwiese am Waldrand in Bremke, einen uralten Bestand, auf dem um 1915 die ersten Obstbäume gepflanzt wurden.

Im Lauf der Jahrzehnte wurde stetig nachgepflanzt, „es sind jetzt an die hundert Obstbäume. Ein Pomologe hat dort Cornellkirsche, Golfparmäne, Prinzenapfel, Boskop, Hildesheimer Renette und viele andere Sorten bestimmt“, erzählt Eggert. Ein Besuch auf der Wiese mit den knorrigen Bäumen ist wie ein Ausflug in eine alte Zeit: Abgestorbene Gehölze vermodern zugunsten der Insektenwelt, im Sommer weiden dort zuweilen Schafe und die Bienenvölker des Besitzers schwärmen zu ihren Pollengründen aus.

Auch eine ganz junge Streuobstwiese in Weißenborn betreuen die Schwestern. „Die hat mein Mann zu unserer Silberhochzeit gekauft“, erzählt Glahn. Bepflanzt wurde das Areal mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes und Teilnehmern aus dem Kursus von Eggert. Auch bei folgenden Arbeitseinsätzen halfen immer wieder Lehrgangsteilnehmer. „Wir haben dort viele Freundschaften geknüpft.“ Und ganz nebenbei dafür gesorgt, dass der Vorrat an selbst geernteten Äpfeln künftig jederzeit problemlos aufgestockt werden kann.

Baumwarte für jedes Dorf

Göttingen. „Streuobstwiesen sind mit hochstämmigen Obstbäumen locker bepflanzte Flächen“, so beschreibt der Landschaftspflegeverband eine traditionelle Kulturlandschaft, die auszusterben droht. Seit zwei Jahrzehnten entwickelt der Verband Gegenstrategien – ein Projekt sind die Baumwartelehrgänge.

Die Absolventen treffen sich einmal monatlich an einem Wochenende. 2014 lief der dritte Kursus. Damit seien bereits 50 Menschen in Stadt und Landkreis Göttingen zu ehrenamtlichen Streuobstpflegern ausgebildet. Voraussichtlich 2016 soll es den nächsten Lehrgang geben – für den Südharz und das Eichsfeld. In den folgenden Jahren werden auch im Raum Göttingen und Hann. Münden wieder Baumwarte ausgebildet.

Weitere Infos im Netz unter goettingerland.de/lpv

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