Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
:-) Positive Emotionen :-)

Thema des Tages Emojis :-) Positive Emotionen :-)

Fast jeder benutzt sie: Emoticons oder Emojis. Die kleinen Symbole bringen Gefühle in Emails und Kurznachrichten. Die Sprache ersetzen können sie aber nicht.

Voriger Artikel
Scherben bei der Verdensia in Göttingen
Nächster Artikel
Freifahrtscheine für Flüchtlinge in Göttinger Stadtbussen
Quelle: EF

Göttingen. Nahezu jeder, der digitale Medien nutzt, benutzt sie: Emojis, die kleinen gelben Gesichter und bunten Bilder, die eine Kurznachricht oder eine Email dekorieren. Sie sind aus der modernen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Ersetzen Emojis bald die Sprache? „Nein“, sagt Albert Busch, Professor für Linguistik und Leiter des Seminars für Deutsche Philologie der Universität Göttingen.

 
„Emojis sind eine zusätzliche Schicht in der Kommunikation“, sagt Busch. Er sieht die Symbole als eine Weiterentwicklung der Sprache an, nicht als eine Bedrohung. Emojis übernehmen beim Schreiben von Nachrichten die Funktion einer „Parasprache“. Das heißt: Dort, wo weder Mimik noch Gestik oder Betonung möglich sind, kommen die Zeichen als kleine Emotionsbotschafter ins Spiel. Beispiel: Eine Email an Kollegen, die mit „Mach mal...“ beginnt. „Das kann, wenn man den Kollegen dabei nicht anlächeln kann, schnell böse rüberkommen“, sagt Busch. „Mach mal ;-)“ wirke doch gleich viel freundlicher. „Die Symbole liefern Zusatzinformationen emotionaler Art“, so der Wissenschaftler. Sie können damit Konflikten vorbeugen und „die Tücken der seelenlosen Mail- und Messangerkommunikation“ umgehen.

 
„Emojis treffen immer den richtigen Ton, es ist schon fast unmöglich, mit ihnen den falschen Ton zu treffen“, so Busch. Bemerkenswert an der Kommunikation mit Emojis ist nämlich, dass die Zeichen ganz überwiegend  positive Gefühle transportieren. „Sie liefern Freundlichkeit“, so Busch. Zwar kann man mit Emojis auch andere Emotionen wie beispielsweise das Genervtsein ausdrücken, wirklich böse aber seien sie nicht.

 
Emojis haben im Gegensatz zur deutschen Sprache natürlich ein begrenztes Repertoire. Ganze Sätze kann man mit ihnen kaum bilden. Gerade bei ernsten Themen stoßen die Bildchen zudem schnell an ihre Grenzen, Nuancen der Kommunikation, feine Untertöne, das alles können sie nicht leisten. „Sprache ist viel mächtiger“, sagt Busch.

 
Dennoch: Die elektronische Kommunikation kommt ohne Emojis nicht aus, so der Wissenschaftler. Er spricht von „skripturaler Sichtbarkeit“. Die Menschen verwenden heute generell immer mehr Bilder in der Sprache, „es gibt kaum noch Texte ohne Bild“, so Busch. „Bilder sind der schnelle Schuss ins Hirn“, sagt er und attestiert der Sprache eine zunehmende Ikonisierung, also Bildhaftigkeit.

 
Bilder sind etwas, was Menschen auch ohne Sprache verstehen. Heißt das, dass man mit Emojis international kommunizieren kann, ohne die Sprache eines Landes zu erlernen? „Nein, Emojis sind keine eigene Sprache, ohne eine Sprache funktionieren sie nicht“, sagt der Wissenschaftler. Deshalb könne man mit Emojis auch nicht einfach über Sprachgrenzen hinweg kommunizieren. „Nur die einfachen Bilder funktionieren international. In den meisten anderen Fällen sind Missverständnisse wahrscheinlich“, so Busch. Die besonders beliebten Mimik-Bildchen unter den Icons aber funktionieren in der Regel auch über Sprachbarrieren hinweg.

 

Mit und ohne Emojis

Fast jeder benutzt Emoticons in der digitalen Alltagskommunikation: Daniel Albrecht war in der Stadt unterwegs und hat Göttinger dazu befragt:

 
Der 24-jährige Diego G. sagt: „Smileys oder andere Zeichen benutze ich nicht“. Dem jngen Mann reichen Punkt, Ausrufezeichen und Fragezeichen am Satzende aus. Alles was der Spanier sagen möchte, könne er auch so ausdrücken.
Ganz anders Patricia T. Sie  benutzt Emojis eigentlich in jeder Nachricht. „Vor allem den Zwinker-Smiley oder das Herz, wenn ich etwas Positives ausdrücken möchte,“ sagt sie. Ganz selten verschicke die junge Frau einen roten grimmigen Smiley –  zum Beispiel wenn sie verärgert ist.

 
Peter Schubert (56) kommt biskang ganz gut ohne Emojis aus. „Ich habe ein normales Handy, das reicht mir auch,“ meint er. Vielleicht möchte sich der 56-Jährige aber bald doch ein Smartphone zulegen. Aber die Smileys, die brauche er nicht: „Ich breche mir schon beim SMS-Schreiben die Finger ab.“ Jüngere Menschen, das wisse er, „verschicken die aber ganz viel.“

 
Nur mit Bedacht verwendet Tanja L. Emojis. „Meistens aber sind sie ganz hilfreich, um Missverständnissen vorzubeugen,“ so die 22-Jährige. Besonders doppeldeutige, ironische Inhalte könne man durch sie einfach besser entschlüsseln.

 
Vom Emoticon zu Emoji

Am Anfang war das Emoticon.  Die Vorläufer der heutigen bunten Bildchen wurden noch aus Satzzeichen (ASCII) gebildet und ergab meist ein liegendes Gesicht. Bereits 1982, so erklärt Prof. Albert Busch von der Universität Göttingen, wurden sie verwendet. Bis in die 90er-Jahre hinein fristeten sie aber eher ein Nischendasein. Mitte der 90er Jahre erschien bereits die erste wissenschaftliche Literatur über die Emoticons. Das  bekannteste unter den Emoticons ist der Smiley aus Semikolon, Strich und Klammer  ;-).

 
Seit den 2010er Jahren werden von Programmen und Mobiltelefonen Emoticons automatisch in eine Grafik, dann Smiley genannt, umgewandelt. Zusätzlich zu diesen herkömmlichen, auf dem ASCII-Code basierenden Emoticons  – der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern Emotions (Gefühlen) und Icon (Symbol) – werden auf modernen Smartphones und Tablets mehr und mehr auch  Emojis benutz. Die als App verfügbaren Bildchen bieten nicht nur allerlei Smileys sondern ganze Bilderreihen aus Natur, Technik, Sport, Essen oder anderen mehr oder weniger sinnvollen Symbolen des Alltagslebens. Als Erfinder der Emojis gilt laut Wikipedia der Japaner Shigetaka Kurita (Ende der 90er Jahre). bib

 
Lösungen zum Test

Eine Landschaft in der Region: Der Harz

 

Eine Institution in der Region: Die Universität Göttingen

 

Ein Gebäude in der Region: Die JVA Rosdorf

 

Ein Denkmal in der Region: Das Gänseliesel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016