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Praxis-Börse der Uni Göttingen für Studenten und Unternehmen

Thema des Tages Praxis-Börse der Uni Göttingen für Studenten und Unternehmen

18 Jahre sind für junge Menschen ein Grund zum Feiern. Für die Praxis-Börse der Universität Göttingen gilt das auch: Seitdem sie 1997 zum ersten Mal angeboten worden ist, wurde sie von Jahr zu Jahr vielseitiger und größer. Am Dienstag standen auf dem Nordcampus naturwissenschaftliche Fächer im Foyer des Fakultätsgebäudes der Physik im Mittelpunkt bei den etwa 1500 Besuchern.

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Quelle: EF

Göttingen. Am Mittwoch werden im Zentralen Hörsaalgebäude bis zu 5000 Interessierte erwartet. Auch hier geht es um Informationen über Jobangebote, Praktika und Karrieremöglichkeiten, aber für Studierende und Absolventen der geisteswissenschaftlichen Fächer und der Fakultät für Agrarwissenschaften. Deren Studierende können mit Ausstellern der landwirtschaftlichen Branche Kontakt aufnehmen, die sich in diesem Jahr erstmals auf dem „Agrar-Campus“ präsentieren.

 

„Wie Ihre Bewerbung garantiert im Sande verläuft“ –, welcher Absolvent der Universität Göttingen will das schon? Wohl deshalb pilgern inzwischen um die 400 Studierende zu den so betitelten Vorträgen von Marc-Oliver Dorn. Der Personalreferent der Versicherung „Hannover Rück“ ist ehemaliger Student (Alumnus) der Georgia Augusta.

 

Sein Praxisvortrag ist Teil des Angebotes des Programms „Alumni4Students“ des Alumni-Büros der Universität Göttingen. Dessen Geschäftsführer Bernd Hackstette kennt den Vortrag: „Der ist schon Kult geworden“, erzählt er und kann berichten, dass die Dorn-Vorträge anfangs 20, dann 120 und inzwischen 400 Studierende in jedem Semester hören wollen. Damit bereiten sie sich vor auf Bewerbungsgespräche. Die folgen oftmals auch den ersten Kontakten mit den Ausstellern der Praxisbörse.

 

Jobs und Praktikumsplätze

 
Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel hat festgestellt, dass die Firmen hier „mögliche Kandidaten identifizieren für eine weitere Zusammenarbeit, in welcher Form auch immer“. Die einen bieten Jobs, die anderen Plätze für ein Praktikum. Auf jeden Fall, so Beisiegel bei der Eröffnung der Praxisbörse am Dienstag, „wissen wir, dass für unsere Studierenden und Absolventen immer wieder ein Einstieg in ein Unternehmen ein Ergebnis der Praxisbörse sein kann“.

 
Im November 1997 startete die Praxisbörse – veranstaltet von der Forschungs- und Technologiekontaktstelle der Universität, dem Berufsbildungswerk Internationale Bund und der Studentenorganisation AEEGEE – als eintägige Veranstaltung im Zentralen Hörsaalgebäude. Zu Beginn waren Magisterabsolventen die Adressaten. Nach und nach vergrößerte sich die Zielgruppe, seit 2009 gibt es ein spezielles Angebot für Naturwissenschaftler, seit 2012 wird die Praxisbörse an zwei aufeinanderfolgenden Tagen veranstaltet.

 
Christina Qaim, Leiterin der Abteilung Wirtschaftskontakte der Universität Göttingen, ist für Karrieremessen wie der Praxisbörse an der Hochschule zuständig. „Das Interesse der Studierenden ist groß, Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen. Aber wir stellen auch fest, dass die Unternehmen verstärkt auf der Suche sind.“ Etliche der 100 Aussteller, darunter mehr als 70 Unternehmen, sind seit Beginn dabei. Seit vier Jahren ist ein Regionalstand von Industrie- und Handelskammer (IHK), Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG) und der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) dabei. „Er ermöglicht zudem kleinen und mittelständischen Unternehmen, sich zu präsentieren. In diesem Jahr sind die je zwölf Plätze pro Tag belegt und es gibt eine Nachrückerliste“, so Qaim.

Der direkte Draht

Ohne neue Ideen, frische Köpfe, junge Talente ist es mittelfristig aus mit dem Wachstum. Und wie immer, wenn sich ein Angebot verknappt, bedarf es eines höheren Aufwands. Das ist ein wesentlicher Grund, warum sich auch zunehmend kleinere Unternehmen für Jobmessen wie die Praxisbörse interessieren.

 
Denn wer als Absolvent seine Uni verlässt, kennt die Branchenchampions, aber die vielen tausend kleinen und mittelständischen Unternehmen, die in der regionalen Nachbarschaft liegen, kennt er nicht. Von daher ist der erste Schritt gerade für die „Kleineren“, zunächst überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Umstand hat die Wirtschaftsförderung Region Goslar (Wirego) motiviert, erstmals mit einem Stand auf der Praxisbörse dabei zu sein. „Wir wollen unseren Landkreis Goslar und die dort ansässigen Unternehmen vorstellen. Teilweise vertreten wir sie auch“, betont Vanessa Grond, Referentin bei der Wirego. Auf dem Tisch hat Grond eine dicke Mappe liegen, darin Steckbriefe von Unternehmen, Stellenangebote, Projekte für Abschlussarbeiten. Jeder junge Akademiker zählt.

 
Wer ist hier der „Stärkere“ – Unternehmen oder potenzielle neue Mitarbeiter? „Falsche Frage“, meint Claudia Bölter, die bei der KWS Saat SE das Arbeitgebermarketing betreut. „Wenn wir nicht auf Augenhöhe miteinander umgehen, können wir nicht miteinander arbeiten. Der Student ist nicht der Bittsteller, er bietet uns sein Wissen, seine Motivation und Kreativität.“ Am Horizont wartet der Fachkräftemangel, im IT-Bereich gibt es ihn bereits. „Vorsorgen ist daher das große Thema“, sagt Bölter.

 
Aber auch noch etwas anderes vermeidet man bei KWS durch das Eintauchen in die studentische Lebenswelt auf der Praxisbörse: Missverständnisse. „Wir machen den Bewerber beispielsweise darauf aufmerksam, dass er seine Bewerbung nicht nur für die Fachabteilung schreibt, sondern diese zuerst am Recruiter vorbei muss. Auf der anderen Seite hat die Industrie den Wunsch, etwa Praktikanten möglichst für sechs Monate zu bekommen, aber wir mussten erkennen, dass den Studenten dafür einfach oft die Zeit fehlt. Also müssen wir uns anpassen“, so Bölter.

 
Subtile Veränderungen nimmt man auch bei der NordLB wahr, die vor allem Kandidaten für Trainee-Stellen sucht. „Den Studenten sind heute Work-Life-Balance und ein entspannterer Einstieg in das Berufsleben wichtig“, meint Personalerin Katrin Willenbockel. Damit es mit dem Einstieg klappt, hat sie einen Tipp parat: „Ideal ist ein Bewerbungsvorlauf von einem halben Jahr vor Ende des Studiums. Und auf der Messe unbedingt den persönlichen Kontakt aufnehmen, weil man im Gespräch gewisse Notendefizite wettmachen kann.“

 
Die Aussteller kommen aus Österreich oder Gifhorn oder aus der Nachbarschaft der Uni, präsent sind sie inzwischen auf vielen Messen und im Gepäck haben sie mehr oder minder dasselbe. Auch die Motivation ist gleich. In der Breite hat die Unternehmenslandschaft erkannt, dass ein möglichst frühes Werben um die Zielgruppe notwendig ist. Abwarten tut jedenfalls kaum noch einer.

 

Von Sven Grünewald

 
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„Es ist ein gutes Angebot, weil wir Kontakte knüpfen können und direkt mit Firmenvertretern sprechen können“, lautet das Urteil von Phani Kumar Nekkranti über die Praxisbörse. Seit 2011 ist der Chemie-Doktorand an der Universität Göttingen, im Herbst wird er promoviert. „Ich möchte in Deutschland bleiben und hier arbeiten. Hier gibt es viele Möglichkeiten in der Pharma- und der Chemie-Industrie“, sagt der Chemiker aus Indien. Allerdings sind seiner Ansicht nach gerade in diesem Jahr weniger Firmen der Branchen vertreten, die ihn interessieren.

 
Den Stellenmarkt hat Anne Krippner erst seit kurzem im Blick. Sie ist Doktorandin in den Geowissenschaften und noch bei der Promotionsarbeit. Die Praxisbörse auf dem Nordcampus hat sie auch schon 2014 besucht. Das Angebot ist gut, wenn auch für sie wenig dabei ist: „Es gibt nicht soviel für Geowissenschaftler“.

 
Am Stand des Göttinger Unternehmens Sartorius informiert sich Annalisa Zennaro. Die Italienerin hat in ihrem Heimatland Statistik studiert. In Deutschland ist sie seit Januar: erstmal um Deutsch zu lernen, dann will sie hier einen Arbeitsplatz finden. In Italien gebe es an den Hochschulen auch solche Informationsangebote, aber leider kaum freie Stellen auf dem Arbeitsmarkt. In Deutschland sucht Zennaro nun ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle. Die Praxisbörse ist nach Ansicht der Italienerin „eine gute Gelegenheit, auf viele Firmen zu blicken“. jes

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