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Privater Wirtschaftsclub: Ein Kredit-Karussell

Mutmaßlich Millionenschaden Privater Wirtschaftsclub: Ein Kredit-Karussell

Der Karton stand am Boden und war arg schwer. Polizisten stolperten fast darüber. Der Inhalt gehört zu einem Betrugsverfahren, das seinesgleichen sucht: Dutzende, vielleicht hunderte Mitglieder des „ersten privaten Wirtschafts-clubs Norddeutschlands“ sind auf die finanziellen Verheißungen eines 47 Jahre alten Rosdorfers reingefallen.

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Schwere Geldanlage: Polizeisprecher Joachim Lüther mit 14 Kilogramm sichergestelltem Silber.

Quelle: Hinzmann

Bei Durchsuchungen stieß die Polizei auf die vermutlich einzige Anlage von Wert: 14 Kilogramm Feinsilber.

Der GVW Wirtschaftsclub wird Polizei und Justiz noch lange beschäftigen. Bis zu 260 Mitglieder soll der 2000 gegründete Club gehabt haben. Viele davon haben Geld verloren, das sie über den nicht eingetragenen Verein haben anlegen lassen. Die Anlagesumme des Kredit-Karussells könnte sich auf 10 bis 20 Millionen Euro belaufen. Insider schätzen den Schaden auf 1,5 bis 8 Millionen Euro. Bisher haben sich nur sieben Geschädigte offenbart. Ermittelt wird gegen den Rosdorfer und seine Lebensgefährtin.

In dieser Woche, so hoffte die Staatsanwaltschaft, würde der Hauptverdächtige Ulrich G. reinen Tisch machen. Ein Irrtum. Eine strafrechtliche Verantwortung, so Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner, habe er nicht eingeräumt.

Der GVW Wirtschaftsclub – die Versalien stehen für Geld, Vermögen, Wissen – wurde als Treff für „Geld-interessierte Menschen“ gegründet. Mit „speziellen Strategien“, durch Bahn- und Ölgeschäfte und Edelmetalle sollte Geld vermehrt werden. In der „Neun-Prozent-Liga“ sollte es für Anlagen neun Prozent Zinsen geben. Und intern wollten sich Mitglieder mit Krediten helfen, die sie einander gewährten und die über Abtretungen ihrer Investitionen über den Verein wieder abgesichert sein sollten.

Eine der für viele faszinierenden Ideen: das „Eigenheim-Renditekonzept“. Sie belasteten bei der Bank ihre Häuser (zum Beispiel für 4,5 Prozent Zinsen) und verliehen das Geld innerhalb des Clubs für neun Prozent weiter oder legten es – wieder über den GVW – in andere Geschäfte an, für die bis zu 35 Prozent versprochen wurden. Nach Tageblatt-Informationen ist fast jedes der risikoreichen Geschäfte irgendwann geplatzt. Viele private Kreditnehmer konnten danach nicht zurückzahlen, streiten sich vor Gericht mit den Kreditgebern oder nahmen über den Club wieder neue Kredite auf. Und an jedem Geschäft soll der Initiator, Ulrich G., mitverdient haben: drei Prozent Provision für jeden Deal. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue und Betruges. Sechs Objekte in Rosdorf und Gieboldehausen wurden durchsucht. Neben dem Silber wurden 240 Aktenordner, Kontounterlagen und Computer sichergestellt. Dennoch sollen die Geschäfte im kleineren Kreis weitergehen. Mitglieder, die sich ihres Verlustes inzwischen bewusst sind oder kritische Fragen stellen, werden nach eigenem Bekunden nicht mehr zu Treffen eingeladen.

G., der bereits Ende der 90er Jahre eine eidesstattliche Versicherung (EV) abgab, hat 2008 beim Amtsgericht Duderstadt erneut Mittellosigkeit geschworen. Nur das Silber, das in der Asservatenkammer der Polizei liegt, steigt noch an Wert.

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Der Verdacht ist fast drei Jahre alt. Am 30. März 2008 erstattete ein Mitglied aus dem engeren Zirkel des Wirtschaftsclubs Strafanzeige.

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