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Schulunterricht im Regen

Protest gegen Raumnot am OHG Schulunterricht im Regen

Mit Unterricht vor dem Rathaus mitten in der Stadt haben Schüler und Lehrer des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) am Freitag gegen die Raumnot in ihrer Schule demonstriert. Ihr Protest richtet sich auch gegen Pläne der Stadt, Klassen in eine benachbarte Berufsschule auszulagern.

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Quelle: Schubert

Göttingen. Der Regen prasselt auf die aufgespannten Schirme und Arbeitszettel auf den Tischen, manche Schüler haben sich Wolldecken über die Schultern gelegt. Immer wieder bleiben Passanten an der großen Tischgruppe inklusive Lehrerpult stehen und schauen neugierig. Auf der Baustelle im Alten Rathaus der Stadt kreischt eine Säge, sie passt so gar nicht zu dem Gedicht, das Deutschlehrer Sönke Jaek gerade mit seinen Oberstufenschülern interpretiert: das „Mailied“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Andere Schüler verteilen unterdessen Infozettel und halten Transparente zu ihrer zentralen Forderung: „Das OHG braucht EIN Dach über dem Kopf.“ Jaek hatte die Klasse zuvor mit den Worten begrüßt: „Wir sitzen hier zwar heute im Regen, aber wir wollen nicht von der Stadt im Regen stehen gelassen werden.“

Das größte der fünf Göttinger Gymnasien mit mehr als 1200 Schülern benötigt in den kommenden Jahren mindestens 16 zusätzliche Unterrichtsräume. Die Anmeldezahlen steigen stetig, beschreibt Schülersprecher Thomas Hamelin die Ursachen. Ein zurzeit gemieteter Pavillon wird im Sommer ersatzlos abgerissen. Und wenn ab 2020 in Niedersachsen wieder das Abitur nach 13 statt zwölf Schuljahren eingeführt wird, muss ein ganzer zusätzlicher Jahrgang unter kommen. Zudem gebe es bisher keine richtige Mensa und keine Aula an der fast 50 Jahre alten Ganztagsschule, so der Schüler.

Um das Problem zu lösen, will die Stadt als Schulträger zunächst für drei Jahre und dann für bis zu 25 Jahre mehrere Klassenräume im 3. Stock der nahen Berufsbildenden Schulen 2 für technische Berufe mieten - sie gehört dem Landkreis. „Das würde unsere funktionierende Schulgemeinschaft zerstört und unser erfolgreiches pädagogisches Konzept zunichte machen“, protestiert die Lehrerin Birgit Behrends. Schon für den Weg von der geplanten Außenstelle in die OHG-Fach- und Musikräume brauche ein zügig gehender Erwachsener acht Minuten - „zur Verfügung stehen aber Fünf-Minuten-Pausen.“ Gute Schule habe heute viel mit gemeinschaftlichem Lernen, auch über Jahrgänge hinaus, und mit Identität zu tun, ergänzt Schulleiterin Rita Engels. Dieser wesentliche Baustein werde durch die Außenstellenpläne zerschlagen.

Schule und Eltern fordern einen An- oder Neubau direkt an ihrer Schule - für neue Klassenräume und eine Mensa. „Das ist langfristig auch günstiger als die Mietlösung“, so Behrends. Zeichnungen und Berechnungen dafür hätten Eltern bereits honorarfrei an die Stadtverwaltung weiter gereicht - bisher ohne Rückmeldung. „In unserem Fokus steht die BBS-Lösung“, hatte Schuldezernent Siegfried Lieske (Grüne) zuvor erklärt, aber auch andere Varianten wie eine Bauerweiterung würden geprüft.

Darauf hat bereits die CDU im Rat in einem Antrag an den Schulausschuss gedrängt. „Die Schule wird von so vielen Kindern und Eltern angewählt, das kann die Stadt nicht ignorieren“, sagte am Aktionstag Ratsfrau Katharina Schüle-Rennschuh. Am Freitag haben die Grünen nachgelegt. Sie fordern die Verwaltung jetzt in einem einem eigenen Antrag ebenfalls auf, eine Erweiterung und vor allem die Elternpläne zu prüfen - und die Option, die Schulgebäude von OHG und BBS schlicht zu tauschen. „Der erhöhte Bedarf ist unstrittig“, sagte die Grünen-Ratsfrau Susanne Stobbe.  

Parallel zur Protestaktion haben Schüler- und Elternvertreter Göttingens Oberbürgermeister ihr Leid geklagt. „Das ist ein komplexes Thema“, sagte Rolf-Georg Köhler (SPD) anschließend und fügte an: „Wir haben vereinbart, uns weiter gegenseitig zu informieren.“

Die Sorgen der OHG-Lehrer, -Schüler und -Eltern werden bereits in der Politik diskutiert. Vertreter mehrerer Ratsfraktionen haben die Schule besucht, die CDU hat sich bereits positioniert: Sie lehnt die Außenstellen-Lösung „aus pädagogischen und organisatorischen Gründen“ ab.

Der Vorschlag der Verwaltung „enttäuscht jeden pädagogisch denkenden Menschen“, erklärte dazu Ratsherr Thomas Häntsch in einer Mitteilung. Nur ein eigener Anbau werde ein zukunftssicheres Schulkonzept ermöglichen. Damit könne gleichzeitig das Aula- und Mensa-Problem behoben werden. In einem Antrag für den Schulausschuss des Rates fordert die CDU, „Mittel zu beantragen und mit den entsprechenden Planungsarbeiten zu beginnen“.

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