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Protest gegen Studentenverbindungen in Göttingen

„Homophobes Grundrauschen“ Protest gegen Studentenverbindungen in Göttingen

Die eher linksorientierte Studentenschaft hat ein Traditionsfeindbild: farbentragende, schlagende oder nicht schlagende und mindestens konservativ ausgerichtete Männerbünde. Bei einer „Stadtrundgang wider den deutschen Geist“ genannten Tour der linken Studentengruppe Sub-Way wurden rund 50 Teilnehmern Göttinger Burschen- und Landsmannschaften, Corps und sonstige Vereinigungen „mit homophobem Grundrauschen“ vorgestellt.

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Stippvisite bei der Landsmannschaft Gottinga: Proteste gegen Männerbünde mit „patriarchalen Geschlechterverhältnissen“.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Die Idealisierung martialischer Männlichkeit, Homophobie, völkischer Nationalismus, Sexismus und antifeministische Agitation sind noch immer Gang und Gäbe in den Burschenschaften“, heißt es in einem Beitrag auf der Internetseite des Veranstalters Sub-Way.

Dementsprechend wird aus dem vom Redner angekündigten „Spaziergang durch das Ostviertel“, bei dem über Geschichte und Gedankengut der Verbindungen informiert werden soll, eher ein Protestzug mit den gewohnten Begleiterscheinungen.

An der Spitze die Veranstalter mit einem Bollerwagen, von dem Musik schallt. Transparente prangern Sexismus und „patriarchale Geschlechterverhältnisse“ an. Die Polizei eskortiert die Gruppe mit Blaulichtfahrzeugen  durch die Straßen. Im Mittelpunkt der Redebeiträge stehen nicht etwa die großen Häuser, sondern deren zumeist in „elitären Bünden“ zusammengeschlossenen Bewohner.

„Wir werden oft belästigt“

Es geht durch die Wilhelm-Weber-Straße, in der das Corps Hildeso-Guestphalia und die Burschenschaft Holzminda ihre Stammsitze haben. Und weiter in den Hermann-Föge-Weg, wo die Turnerschaft Ghibellinia und die Frauenverbindung A.V. Parnassia residieren. Hier ist zum ersten Mal Leben in einem der Häuser zu sehen. Vom Balkon aus verfolgen einige junge Männer den Redebeitrag auf der Straße und revanchieren sich, indem sie Fotos von den Demonstranten schießen.

Passanten bleiben stehen und hören zu. Eine Anwohnerin beklagt die Verbindungsdichte im Umfeld ihres Hauses, erzählt von Alkoholexzessen in der Nachbarschaft, demolierten Zäunen und menschlichen Exkrementen, die auf ihrem Grundstück zurückbleiben. „Wir werden oft belästigt“, sagt die Frau.

Auf ihrem Weg erfahren die Spaziergänger wiederholt Zuspruch. „Worum geht es hier?“, will etwa ein Senior an der Herzberger Landstraße wissen, wo das Verbindungshaus des Corps Hannovera steht. Und erklärt, nachdem er informiert wurde, „da könnte ich mich anschließen“.

Da ist der Rundgang „Wider den deutschen Geist“ allerdings schon fast zu Ende. Es folgt noch ein Redebeitrag auf dem Wilhelmsplatz mit einem Appell an die Universität: Die möge doch die Liste der Göttinger Studentenverbindungen von ihrer offiziellen Homepage entfernen.

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