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Protesttag zur Gleichstellung Behinderter

Wilhelmsplatz Protesttag zur Gleichstellung Behinderter

Was er sich wünscht in zehn Jahren? "Dass wir Veranstaltungen wie heute hier nicht mehr brauchen, und dass Inklusion dann selbstverständlich ist." Das war die Antwort von Landrat Bernhard Reuter (SPD) bei der Kundgebung am Europäischen Protesttag für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

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Demonstration für mehr Inklusion auf dem Wilhelmsplatz.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Landrat war nicht der einzige, der vor 200 Zuhörern am Gänseliesel in die Zukunft schauen sollte. Konstantin Schütz etwa, Vertreter der Studierenden mit Behinderung an der Uni, wünschte sich, "dass alle Menschen in der Bildung ihren Traum erfüllen können".

Selbstverständliches Miteinander

Und Superintendent Friedrich Selter hofft, "dass man ganz normal zusammen leben kann" - so wie in Holland, wo er schon vor Jahrzehnten im Urlaub beeindruckt gewesen sei vom selbstverständlichen Miteinander derer mit und ohne Handicap. "Wir haben das Signal gehört und verstanden", sagte Selter. Viel zu lange seien auch Kirchen nicht barrierefrei gewesen. Und auch der Landrat versprach, Zug um Zug alle öffentlichen Gebäude barrierefrei und behindertengerecht zu machen.

Allerdings: Wie leicht es sei, das Ziel zu äußern, wie schwer aber, es umzusetzen, sehe man an der Inklusion in den Schulen. Über den Willen zur Inklusion gebe es gesellschaftlichen Konsenz, doch die damit verbundenen hohen Ansprüche an die Lehrkräfte gelte es erst umzusetzen. "Da haben wir noch Hausaufgaben zu machen". Zustimmendes Nicken bei jenen, denen Undine Schäfer in Gebärdensprache übersetzte.

Noch allerhand Forderungen

"Sollen Sie doch Menschen mit Behinderung, so wie wir hier, einfach fragen!", rief eine Zuhörerin dazwischen. Denn tatsächlich haben die Betroffenen noch allerhand Forderungen. Erik Kleinfeldt von der Selbsthilfe machte das in seinem Redebeitrag deutlich: Auf vielen Feldern bestehe Handlungsbedarf.

Wohnungsbau : 5000 Wohnungen fehlen in Göttingen bis 2030. Sie sollen künftig behindertengerecht sein.

Busverkehr : Die Busse seien zu klein für Rollstühle. Busfahren müsse einfacher werden.

Hilfsmittel : Hier fehle es vielfach an Kostenzusagen der Kassen für die geeigneten modernen Hilfsmittel. Wahlfreiheit werde gefordert.

Arbeitsmarkt : Während überall Fachkräfte fehlen, erfüllten viele Betriebe die Behindertenquote nicht. Deren Anteil unter den Arbeitslosen nehme kaum ab. Barrierefreiheit: Noch immer blieben viele Freizeitmöglichkeiten Körperbehinderten vorenthalten, weil Barrierefreiheit fehle, Türen zu eng oder Pflaster unpassierbar seien.

Von dem, was auf einem der Transparente stand, "Es ist normal, anders zu sein", ist die Gesellschaft offenbar noch ein gutes Stück entfernt.

Aktionstag Mensch

Der "Aktionstag Mensch" ist ein europaweiter Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und stand in Göttingen unter dem Motto "Inklusion: Ja, aber richtig". Demonstrationszug und Kundgebung sollten an das gerade vorgelegte Bundesteilhabegesetz erinnern, das am 1. Januar in Kraft treten soll. Organisatoren des Demonstrationszuges mit 130 Teilnehmern waren die Selbsthilfe Körperbehinderter, die Göttinger Werkstätten, die Diakonie Christophorus, der Internationale Bund, My worx, Lebenshilfe, die Behindertenkoordinatoren der Stadt und des Landkreises, DAA, Ifas und Göttinger Müsli Company. ck

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