Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Prozess: Göttinger-Gruppe-Vorstände

Freispruch verlangt Prozess: Göttinger-Gruppe-Vorstände

Nach den überraschend hohen Strafanträgen der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen zwei Vorstandsmitglieder der Göttinger Gruppe, Jürgen Rinnewitz und Marina Götz, sowie deren Mitangeklagte im Braunschweiger Betrugs- und Untreue-Prozess hatten am Montag die Verteidiger das Wort.

Voriger Artikel
Faires Mittagsmenü
Nächster Artikel
Viel Spaß rund um Umweltschutz
Quelle: dpa

Braunschweig. Sie beantragten allesamt Freispruch für ihre Mandanten. Der Ankläger hatte Haftstrafen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahre verlangt. 

Am Montag, 17. September, wurde von den Verteidigern nicht mit Kritik an der Ermittlungsbehörde gespart: „Entsetzen über mangelnden Sachverstand nach sechs Jahren Ermittlung“, empfand etwa Strafverteidigerin Angela Schmidt. Und Kollege  Marc Langrock unterstellte der Anklagebehörde „eine regelrechte Gemeinheit“, weil sie im Plädoyer davon ausging, der von den beiden Göttingern ausgedachte 200-Millionen-Euro-Fonds (Master Star Fund/MSF) wäre auf jeden Fall auf Geldvernichtung hinaus gelaufen, auch wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) das Modell nicht frühzeitig gestoppt hätte.

Überhaupt verweisen alle Verteidiger darauf, was schon der Vorstandsvorsitzende Rinnewitz betont hatte: Erst das „rechtswidrige Einschreiten der Bafin“ (Langrock) habe den Versuch, mit einem neuen Fonds die in Schieflage befindliche Göttinger Gruppe zu sanieren, zunichte gemacht, ja den Zusammenbruch der Gruppe gar ausgelöst.

Den unterstellten Kapitalanlagebetrug wegen fehlerhafter Angaben im Emissionsprospekt hält die Verteidigung für widerlegt. Ob der Fonds „exclusiv“ vertrieben wurde, sei laut einem Gutachter nicht ausschlaggebend gewesen. Und wie hoch die Aufwendungen für den Aufbau des exclusiven Vertriebs waren, sei eine unternehmerische Entscheidung gewesen, die strafrechtlich nicht von Bedeutung sein. 

Während Langrock in seinem mit allen Verteidigern abgestimmten Plädoyer Schritt für Schritt die Vorwürfe zu entkräften versuchte, betonte der Göttinger Karl-Heinz Mügge als Rinnewitz’ Anwalt dessen Bemühen um die Rettung der Göttinger Gruppe. Er habe nicht nur „rund um die Uhr gearbeitet“, sondern sei auch persönlich in Haftung gegangen, habe am Ende Privatinsolvenz anmelden müssen und seine Zulassung als Anwalt deshalb verloren.

Rinnewitz wie auch Götz betonten, mit dem MFS ein „sehr gutes Projekt zum Wohle aller“ (Götz) auf den Weg gebracht zu haben. Beide bedauerten, dass durch den MFS „so viel Leid über die Menschen gekommen“ sei. Das Urteil der Wirtschaftsstrafkammer folgt am Freitag.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Göttinger Gruppe

Für viereinhalb Jahre soll der letzte Vorstandsvorsitzende der insolventen Göttinger Gruppe, Jürgen Rinnewitz, ins Gefängnis. Das hat die Staatsanwaltschaft vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig beantragt. Sie hält den Göttinger für schuldig des Kapitalanlagenbetruges und der gewerbsmäßigen Untreue in drei Fällen mit einem Schadensvolumen von rund 6,5 Millionen Euro.

mehr
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen