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Prozess in Göttingen: Bruder erpresst, Sohn beraubt

Vater und Sohn vor Gericht Prozess in Göttingen: Bruder erpresst, Sohn beraubt

Wegen räuberischer Erpressung müssen sich seit heute ein 54-jähriger Osteroder und sein 33 Jahre alter Sohn vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, den Sohn beziehungsweise Bruder mit einem Messer bedroht und beraubt zu haben. Die beiden Angeklagten bestreiten dies.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Der eine spielt beiläufig mit dem Bundeswehr-Klappmesser und droht das Abschneiden eines Ohres an. Der andere fordert das Smartphone des Opfers, das das samt Übereignungserklärung auch aushändigt. Was wie eine klassische "Handy-Abzocke" wirkt, ist verzwickter: Der Fall spielt in einer Familie. Vater und Sohn müssen sich wegen räuberischer Erpressung am Landgericht verantworten.

 

Angeklagt sind ein 54 Jahre alter Osteroder sowie sein 33 Jahre alter Sohn aus einem Göttinger Ortsteil. Beide sollen laut Anklage am 3. Juni vergangenen Jahres in einer Wohnung in Weende den Sohn beziehungsweise Bruder zur Rede gestellt und mit dem Messer bedroht haben. Der jüngere Angeklagte soll seinem Bruder aufgefordert haben, dem Vater das Smartphone zu geben. "Ich schneide dir sonst ein Ohr ab", soll er gesagt haben. Am Ende habe er dem Opfer noch einen Faustschlag ins Gesicht versetzt.

 

Die beiden Angeklagten aber bestreiten. Sie sehen sich vom Verwandten falsch belastet. Sie präsentieren eine verworrene Familiengeschichte, nach der das Opfer der eigentliche Ganove sei, der bereits den Vater bestohlen, sein Hab und Gut verkauft und der dem Bruder über Jahre mit Lügen den Vater schlecht gemacht habe. In Wahrheit, so der jüngere Angeklagte sinngemäß, seien all die Diebstähle und Betrügereien, die der Bruder gegen den Vater behauptet habe, vom angeblichen Opfer selbst begangen worden. Er listet dem Gericht gleich auf, was der Anzeigeerstatter alles gestohlen und verkauft haben soll.

 

Der 33-Jährige gibt aber immerhin zu, bei der zufälligen Begegnung mit dem Bruder in der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten "im Eifer des Gefechts das Taschenmesser rausgeholt" zu haben. Er habe auch gesagt "am liebsten würde ich dich abstechen". Das habe aber nichts mit dem Handy zu tun gehabt. Das habe der Bruder dem Vater freiwillig angeboten. Schließlich schulde der Bruder dem gemeinsamen Vater noch 5000 Euro - den Wert all der Gegenstände, die der aus dem Besitz des Vaters heimlich verkauft habe. Ihn darauf zur Rede gestellt, habe das angebliche Opfer von sich aus angeboten, das Handy als Anzahlung herzugeben. Auf die Frage, warum das Opfer sofort danach Vater und Bruder wegen Raubes anzeigt, können die Angeklagten nur mutmaßen: "Der will uns einen reinwüren."  Der Prozess wird fortgesetzt.

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