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Vorgetäuschte Verkehrsunfälle

Prozess in Göttingen Vorgetäuschte Verkehrsunfälle

Eine groß angelegte Betrugsserie mit vorgetäuschten Unfällen hat jetzt zu einem weiteren Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen geführt. Das Gericht verurteilte einen 34-Jährigen aus Göttingen und einen 39-Jährigen aus Leipzig wegen Betruges zu Freiheitsstrafen von acht Monaten auf Bewährung.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Duderstadt. Die mitangeklagte Lebensgefährtin des 39-Jährigen wurde frei gesprochen. Nach Ansicht des Gerichts ist nicht auszuschließen, dass die 35-Jährige nur ihren Namen zur Verfügung gestellt hatte, ohne sich selbst an den Betrügereien zu beteiligen.
Drahtzieher der Betrugsserie soll ein 62-jähriger Mann aus der Nähe von Duderstadt sein. Der vorbelastete Hauptverdächtige, der unter anderem Anfang der 1990-er Jahre wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, muss sich demnächst erneut vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Er soll mit Hilfe von Mittätern Kfz-Versicherungen um mehrere hunderttausend Euro betrogen haben.

Die beiden jetzt verurteilten Angeklagten sollen zu seinem Helferkreis gehört haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie mit wechselnder Beteiligung absichtlich drei Unfälle in Braunschweig und Leipzig produziert und anschließend gegenüber den Versicherungen vermeintliche Schadensersatzansprüche geltend gemacht hatten. Zweimal war der 34-Jährige auf ein anderes Auto aufgefahren, einmal ein gesondert verfolgter mutmaßlicher Komplize. Bei zwei Unfällen saß der 39-Jährige am Steuer des jeweils anderen Fahrzeugs. Insgesamt wurden gegenüber den Versicherungen Schäden von rund 70.000 Euro geltend gemacht.

Bereits im Mai hatte das Amtsgericht zwei mutmaßliche Mittäter, die ebenfalls getürkte Unfälle produziert haben sollen, zu Geldstrafen in Höhe von mehreren tausend Euro  verurteilt. Auffällig war, dass es bei den Unfällen stets keine anderen  Zeugen und keine Verletzten gab und die vermeintlich Geschädigten bereits kurz nach dem Unfall Rechtsanwälte und Gutachter beauftragten.
Die Ermittler gehen davon aus, dass der 62-jährige Hauptverdächtige die Angeklagten engagiert und diese als „Scheinhalter“ der Fahrzeuge eingesetzt hatte, um nicht selbst in Erscheinung zu treten. Tatsächlich sei er selbst der Besitzer der Autos gewesen, da er sowohl die Fahrzeugbriefe als auch den Zweitschlüssel gehabt habe. Die Polizei war der Betrugsserie durch eine Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler daraufhin ein Bankschließfach des 62-Jährigen durchsuchten, stießen sie auf 200.000 Euro Bargeld sowie zahlreiche Fahrzeugbriefe und Autoschlüssel. Bei der Auswertung der Dokumente stellten sie dann fest, dass viele dieser Autos in Unfälle verwickelt gewesen waren.

Von Heidi Niemann

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