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Prozess um dubioses Geschäft mit „Biomagnetmatte“ in Göttingen

Inkasso nach Kaffeefahrt Prozess um dubioses Geschäft mit „Biomagnetmatte“ in Göttingen

Dass Bürger bei Kaffeefahrten über den Tisch gezogen, getäuscht und betrogen werden, kommt häufig vor. Nicht aber, dass dubiose Unternehmen gegen Teilnehmer vor Gericht ziehen, um ihre angeblichen Ansprüche durchzufechten. Doch mit genau einem solchen Fall muss sich demnächst das Göttinger Amtsgericht befassen.

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Einladungen zu Ausflügen mit reichlich Gewinn- und Glücksversprechen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Firma Top-Finanz OHG fordert von einer Göttinger Rentnerin 1500 Euro für eine angeblich im Februar 2014 bei einer Kaffeefahrt erstandenen „Biomagnetmatte“. Doch die Frau dreht den Spieß um und fordert mit Hilfe ihres Anwalts Eike Erdel vom Prozessgegner die im damaligen Gewinnschreiben versprochenen 3000 Euro.

„Sie haben tatsächlich gewonnen“, hatte es dort geheißen - nämlich 2000 Euro in bar und ein E-Fahrrad im Wert von 1000 Euro. Stattdessen wurde der Rentnerin bei der Ausflugsfahrt die angeblich gesundheitsfördernde Decke angeboten, erklären ihr Anwalt und die Göttinger Polizei, die sich den Fall angesehen hat. In einem Hinterzimmer sei der Frau ein als Geschenkempfangsbestätigung getarntes Schreiben zur Unterschrift vorgelegt worden. Versteckt und kleingedruckt steht dort allerdings, dass der unterzeichnende das Produkt „erwirbt“.

Für Anwalt Erdel ist die 1500-Euro-Forderung unwirksam. Seine Mandantin sei getäuscht worden, außerdem habe es die vorgeschriebene Widerrufsbelehrung nicht gegeben. Weil die Matte nicht 1500, sondern nur 50 Euro wert sei, sei das Geschäft zudem sittenwidrig. Die Matte hätte darüberhinaus nicht als gesundheitsfördernd beworben werden dürfen: Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz. Außerdem sei der angebliche Kaufvertrag als solcher nicht zu erkennen gewesen – daher ein Betrug.

Statt 1500 Euro zu zahlen, meint Anwalt Erdel, habe seine Mandantin im Gegenteil einen Anspruch auf 3000 Euro. Das ergebe sich aus der Gewinnzusage im ersten Schreiben des Kaffeefahrtanbieters. Dieses Versprechen müsse der Anbieter laut Gesetzeslage erfüllen.

Das ist aber nicht die Top-Finanz OHG. Die hat der Rentnerin selbst gar nichts angedreht, sondern die entsprechende Forderung nur vom Kaffeefahrt-Veranstalter, einem Reisegewerbeunternehmen aus Bremen, aufgekauft, erläutert Top-Finanz-Geschäftsführer Johannes Folk, der den Gang vor Gericht nach wie vor für gerechtfertigt hält. Merkwürdig dabei: Die Top-Finanz forderte die Rentnerin zur Zahlung schon zu einem Zeitpunkt auf, als der erste Ratenzahlungstermin an das Kaffeefahrtunternehmen noch gar nicht erreicht war. Für die Göttinger Polizei ist der Fall klar: eine abgekartete Sache.

Eigentlich sollte der Fall am Amtsgericht am Donnerstag verhandelt werden. Doch angesichts der Faktenfülle wurde der Verhandlungstermin erst einmal verschoben.

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