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Prozession, Plapperwasser und Pfahllaufen

Osterbräuche im Eichsfeld und im Solling Prozession, Plapperwasser und Pfahllaufen

Wenn am Osterwochenende wieder allerorten große Holzstapel entzündet werden und sich Jung und Alt drumherum versammeln, hat sich damit ein Teil alten Brauchtums bis heute bewahrt. Mancher bezeichnet gar Bier- und Bratwurstgenuss beim Osterfeuer bereits als Tradition. In Eber-götzen etwa, produziert die Fleischerei Kerl seit gut 50 Jahren eine eigene Osterwurst.

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Weithin sichtbar: Osterfeuer in Stadt und Region.

Quelle: Heller

Die Entzündung des heiligen Osterfeuers ist an Ostern ein zentrales Ereignis für die Christen. Wo Osterfeuer symbolhaft für das Lichtwerden durch die Auferstehung Christi stehen, ist es mancherorts noch Brauch, dass die Holzstapel am Abend des Ostersonntags mit dem Licht der Osterkerze aus der Kirche entzündet werden.

Zur Tradition des Osterfeuers auf den Anhöhen Südniedersachsens gehört auch, dass Knaben Holz und Reisig sammeln und aufschichten. Zu den „Zutaten zum Feuer“, wie Karl Wüstefeld in seinem Buch „Eichsfelder Volksleben“ beschreibt, zählten „Stroh, kleine Wellen vom Weißdorn, alte Besen, Latten, Planken, Pfosten, Teertonnen und Pechwische“. Zuweilen ließ man, so Wüstefelds Text weiter, „unter dem Jubel des jungen Volkes eine brennende Teertonne den Berg hinabrollen“.

Auch aus dem Solling sind Anekdoten und Rituale rund ums Osterfeuer erhalten. Der Schriftsteller und Volkskundler Heinrich Sohnrey hat einige davon in seinem Buch „Die Sollinger“ beschrieben. „Paaschefeuer“ nannte sich das Osterfeuer dort. Der Begriff lehnt sich wohl an das Pascha- oder Passahfest, also das Osterfest der Juden, an.
Zu den Aktivitäten, die einst rund ums Osterfeuer stattfanden, zählten etwa Fackelreigen. In den um den Hanstein gelegenen Dörfern war es laut Wüstefeld üblich, dass „die Knaben und Burschen durch das Feuer springen“. Und laut Sohnreys Aufzeichnungen hieß es in Hardegsen, man müsse jährlich ein Osterfeuer sehen, sonst habe man in dem Jahr keine Freude. In Eschershausen wurde sogar ein großes und kleines „Paaschefeuer“ entzündet. Die kleinen Kinder sollten ordentlich hinein gucken und dadurch starke Augen bekommen. Die Solling-Bewohner ließen sich offenbar einige Kunstgriffe einfallen, um nicht die ersten zu sein, deren Holzstoß in Flammen aufging. So täuschte so manches kleine Strohfeuer die Nachbarn.

Volkskundler Sohnrey schildert außerdem, dass vom Osterfeuer mit heimgebrachte Fackelstummel vielfach im Haus als Schutz gegen Blitzgefahr aufbewahrt wurden. Vermutlich aus altheidnischer Zeit stammt jener Brauch, den Wüstefeld nennt: in Bodenrode an der Leine wurde eine Strohpuppe, Judas genannt, in das lodernde Feuer geworfen.

Magische Wirkung wurde dem Osterwasser zugeschrieben. Dieser Brauch taucht sowohl bei Wüstefeld als auch Sohnrey auf und war somit im Eichsfeld wie im Solling bekannt. Junge Mädchen erhofften sich Schönheit und Anmut, indem sie zu nächtlicher Stunde aus einem fließenden Gewässer Wasser holten und sich damit zuhause dreimal wuschen. Der Haken: die jungen Frauen mussten dabei schweigen, denn nur so konnte das Wasser seine Wirkung entfalten und etwa Sommersprossen verschwinden lassen oder gegen Krätze helfen. Konnten die Frauen aber den Mund nicht halten, sprach man von „Plapperwasser“. Gut für die Gesundheit soll übrigens auch gewesen sein, dem Osterfeuer den Rücken zuzuwenden, „damit er im Sommer bei der Arbeit nicht weh tut“.

Aus dem Solling bekannt ist der Osterbrauch des Pfahllaufens – einem der althergebrachten Bewegungsspiele, mit denen sich das junge Volk während der Ostertage vergnügte. Während ein Läufer an einem langen Seil um einen Pfahl lief, bis es aufgewickelt war, hatte der gegnerische Läufer eine bestimmte Strecke zu bewältigen. Sohnrey nennt außerdem das Osterballspiel „Pinnen sla’n“ (Pinnenschlagen), was zum Beispiel in Fredelsloh gespielt wurde.

Ein vergessener Osterbrauch im Eichsfeld ist laut Wüstefeld das Flurreiten, auch Osterreiten genannt. In Kirchworbis wurde eine Prozession zu Pferde um die Grenze der Dorfflur abgehalten. Und schließlich findet sich im „Eichsfelder Volksleben“ noch der Volksglaube, der besagt, dass die Sonne, sobald sie am Ostermorgen voll aufgegangen ist, drei Freudensprünge macht.

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Auf einen Blick

Es ist eine schöne Tradition: das Osterfeuer. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung aller Osterfeuer in Göttingen und Region.

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm