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Definitiv lebensbedrohlich

Psychisch bedingte Essstörung Definitiv lebensbedrohlich

2014 sind im Landkreis Göttingen 57 Menschen wegen einer psychisch bedingten Essstörung behandelt worden. Das geht aus einer Studie der Krankenkasse IKK Classic hervor. Der Wunsch nach einem schlanken Körper kann allerdings schnell lebensbedrohlich werden.

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Der Wunsch nach einem schlanken Körper kann zur lebensbedrohlichen Sucht werden.

Quelle: Monique Wüstenhagen

Göttingen. Magersucht (Anorexia Nervosa) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht), sind zwei der häufigsten Formen der Essstörung.

„Bei den Betroffenen liegt eine sogenannte Körperschemastörung vor“, nennt Kinder- und Jugendpsychiater Henrik Uebel-von Sandersleben, leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen, das wesentliche Merkmal von Magersucht und Bulimie. Das bedeute, die Patienten fühlten sich zu dick, egal wie dünn sie tatsächlich seien. Es liege also eine Art gestörter Selbstwahrnehmung vor.

„Die Magersucht beginnt meistens in der Pubertät, die Bulimie eher zwischen 18 und 20 Jahren“, so Henrik Uebel-von Sandersleben weiter. Weitaus häufiger seien Mädchen und junge Frauen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie der Krankenkasse IKK, die von 57 Betroffenen 55 als weiblich ausweist. Der Großteil sei demnach unter 30 Jahren.

Bei der Magersucht können sehr unterschiedliche Formen auftreten, so der Kinder- und Jugendpsychiater. „Man unterscheidet die aktive und die passive Form“, gibt Uebel-von Sandersleben eine grobe Einteilung. Bei der passiven Form würden Patienten einfach nicht mehr essen, um Gewicht zu verlieren. Die aktive Form sei etwa durch exzessives Sporttreiben, Erbrechen oder auch den Missbrauch unterschiedlichster Medikamente gekennzeichnet. Die Bulimie sei geprägt von einem Verlangen nach extrem kalorienhaltiger Nahrung. In Essattacken gäben Betroffene diesem Verlangen nach. „Danach erbrechen sich die Patienten häufig oder fasten“, sagt Uebel-von Sandersleben. Sie seien, anders als bei der Magersucht, eher normal- bis übergewichtig. Unabhängig von der vorliegenden Form seien Essstörungen definitiv lebensbedrohlich, stellt der Experte klar. Bei nicht wenigen Patienten gehe es am Anfang der Behandlung ums Überleben. Bei etwa 40 Prozent der Betroffenen verlaufe eine Behandlung erfolgreich. „Die gestörte Selbstwahrnehmung zu verhindern ist Hauptpunkt der Behandlung“, erklärt der Kinder- und Jugendpsychiater. Patienten müssten oft erst davon überzeugt werden, dass sie ein ernstes Problem haben.

Die Ursachen hingegen seien vielfältig und oft mit dem Umfeld verbunden. Bei einer psychologischen Behandlung müsse deshalb vor allem auch das familiäre Umfeld mit einbezogen werden. Wichtig sei, dass Angehörige der Betroffenen auf Anzeichen wie starken Gewichtsverlust reagierten und ärztlichen Rat einholten, rät auch die IKK.

Beratungsstellen in der Nähe

Betroffene einer Essstörung und auch deren Angehörige sollten sich unbedingt ärztlichen Rat einholen. Eine Möglichkeit für ersten Kontakt bietet unter anderem die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen unter gwdg.de. Erwachsene können sich auch an die Spezialambulanz für Essstörungen der Universitätsmedizin Göttingen unter psychosomatik.uni-goettingen.de wenden. Einen Überblick über die Beratungsstellen im Umkreis bietet auch die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter bzga-essstoerung.de.

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