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Psychisch kranker Beschuldigter verlässt ohne Auflagen das Gericht

Bedroht und beleidigt Psychisch kranker Beschuldigter verlässt ohne Auflagen das Gericht

Der Fall wirkt kurios: Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, einen psychisch kranken 24-Jährigen im Maßregelvollzug unterzubringen. Am Ende der Beweisaufnahme beantragt der Staatsanwalt aber, den eigenen Antrag abzulehnen. Verteidiger und Richter antworten unisono: „Recht hat er!“ Der Beschuldigte ist frei.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen/Hardegsen. Dabei steht fest, dass der Beschuldigte am Morgen des 11. Mai 2013 in der Wohnung des Vaters in Hardegsen diesen bedroht und beleidigt hat. Er drohte, ihn umzubringen und das Haus anzuzünden. Er schlug und trat auch zwei Polizeibeamte, die ihn festnehmen wollten. Er bespuckte und beleidigte sie zudem.

Doch der unter einer damals unbehandelten paranoiden Schizophrenie leidende Mann war damals schuldunfähig. Verurteilen darf man ihn dafür nicht. Die Staatsanwaltschaft sah aber zunächst eine Wiederholungsgefahr und hielt ihn für eine Gefahr für die Allgemeinheit. Deshalb das sogenannte Unterbringungsverfahren.

Im Laufe der Verhandlung berichtete aber eine heutige Therapeutin, wie gut sich der 24-Jährige unter Medikamenten entwickelt habe. Ein psychiatrischer Sachverständiger legte zudem ein positives Gutachten vor. Für ihn sei es ein „seltener Glücksfall“ gewesen, einen Patienen nach langem Zeitablauf unter medikamentöser Behandlung wieder begutachten zu können. Heute gehe keine Gefahr mehr von ihm aus. Auch eine Wiederholungsgefahr bestehe nicht.

Wichtig sei, dass der Patient weiter medikamentiert werden, voraussichtlich sein Leben lang. Weil er aber Krankheitseinsicht habe, achte er selber auf die Medikamenteneinnahme. Er habe zudem wieder eine Schulausbildung begonnen. „Was sollen wir denn mit Ihnen machen?“ fragte der Vorsitzende Richter Ralf Günther den Beschuldigten. „Nach Hause fahren lassen und hoffen, dass wir uns nie wieder sehen“, lautete die Antwort. Dem wurde stattgegeben.

Das sei, so Günter, „jetzt eine Chance für Sie“.

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