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Punktesystem für Vergabe der Stände auf Göttinger Weihnachtsmarkt

Keine Beschwerden in diesem Jahr Punktesystem für Vergabe der Stände auf Göttinger Weihnachtsmarkt

80 Stände gibt es auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Die Plätze  sind begehrt, immer wieder gab es Streit um die Vergabe. Drei Bratwurstbuden dürfen auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt stehen.  Mehr nicht. Warum? Das hat mit Senf zu tun.

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Übersicht über die Stände auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Für eine interaktive Karte hier klicken.

Quelle: Foth/Rudolph

80 Buden stehen in diesem Jahr auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Die Plätze sind extrem begehrt.

„Wir hatten mehr als 300 Bewerber für diese Plätze“, sagt Dieter Arend von der Göttinger Stadtverwaltung. Von A wie Alpkäse bis Z wie Zierkachel reicht das Angebot in den Ständen rund um Altes Rathaus und Johanniskirche. Die Stadtverwaltung entscheidet seit dem Jahr 2012 nach einem ausgeklügelten Punktesystem, welcher Verkaufsstand wo aufgebaut werden darf.

„In diesem Jahr gab es keine einzige Beschwerde gegen das Vergabeverfahren“, so Arend weiter. „Es ist genau so, wie wir es haben wollten, es herrscht vorweihnachtliche Ruhe“, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson.

„Die ersten Bewerbungen für 2015 liegen auch schon vor“

Doch das war nicht immer so. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Streit und juristische Auseinandersetzungen um die besten Plätze gegeben. „Unser Markt ist eben sehr beliebt“, so Ahrend weiter. „In anderen Städten, beispielsweise in Darmstadt, müssen die Kommunen Kunsthandwerker bereits mit Geld locken, damit sie dort überhaupt einen Stand aufstellen“, sagt der Mann vom Fachdienst Ordnung.

Derartige Probleme gibt es in Göttingen nicht. Seit Anfang Oktober steht fest, wer an welchem Ort seinen Stand aufstellen darf. Und: „Die ersten Bewerbungen für 2015 liegen auch schon vor“, so Arend weiter. Damit der  Markt aber weiterhin eine bunte Mischung aus Kunsthandwerk und Kulinarischem ist, dafür gibt es feste Regeln. „Wir wollen ein Verhältnis von 30 zu 70“, erläutern Johannson und Arend.

Das heißt, an rund 30 Prozent der Stände werden Speisen und Getränke angeboten, die anderen verkaufen Kunsthandwerk und weihnachtliche Geschenke. Die Standgebühren richten sich nach dem Angebot, dem Standort und der Größe. Ein Kunsthandwerker an der Johnniskirche zahlt beispielsweise 2,74 Euro pro Tag und Meter Bude, die Höchstgebühr liegt bei 13,70 Euro.

„Damit liegen wir aber im Vergleich zu anderen Städten absolut im Mittel“

Alle gültigen Bewerbungen werden dem Punktecheck unterzogen, der Höchstwert sind 100 Punkte. „In diesem Jahr wurden maximal 97 Punkte erreicht“, sagt Arend. Bewertet werden zum Beispiel Standmaterial, mottogerechte Ausgestaltung, Referenzen, Marktgeeignetheit / Kompetenzen des Marktbewerbers und ansprechende Waren- und Produktpräsentation. Außerdem müssen die Standbetreiber hauptamtlich im reisenden Gewerbe arbeiten.

Gastronomen aus Göttingen haben somit keine Chance, mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt vertreten zu sein. Denn: „Die Schausteller haben ja nur diese 30 Tage für ihre Einnahmen, andere Göttinger Gastronomen haben 365 Tage im Jahr.“

Eine Ausnahme bildet der Glühweinstand am Bullerjahn.  Der Platz, auf dem dieser Glühweinstand aufgebaut ist,  gehört zum Gasthaus. Auch das Bratwurtsglöckle ist mit einem Stand auf dem Markt vertreten. „Die Betreiber sind aber hauptberuflich auf Märkten unterwegs und haben nur darüber hinaus den Imbiss am Kornmarkt“, erklärt Arend.

Der Markt schließt auch in diesem Jahr täglich um 20.30 Uhr, was viele Göttinger bedauern. Arend: „Damit liegen wir aber im Vergleich zu anderen Städten absolut im Mittel.“

Impressionen vom Göttinger Weihnachtsmarkt 2014. © Hinzmann

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Die Sache mit dem Senf am Ärmel

Drei Bratwurstbuden stehen auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Und das deren Zahl so streng begrenzt ist, das hat seinen Anfang 1956 genommen. Denn damals, so erzählt Weihnachtsmarkt-Urgestein Ingo Beinhorn, standen auf engem Raum allein an der Nordseite des Marktes vier Wurstbuden.

Dort mussten die Politiker auf dem Weg in den Ratssaal vorbei. „Der damalige FDP-Oberbürgermeister Gottfried Jungmichel hatte sich darüber geärgert, dass er häufig Senf am Ärmel hatte, wenn er sich auf dem Weg zur Rathaustreppe an den Buden vorbei schlängeln musste“, so Beinhorn.

Also hat er die Zahl der Bratwurstbuden beschränkt. „Wir mussten dann später mit unseren Ständen rotieren, damit jeder einmal auf den begehrten Plätzen verkaufen konnte“, so Beinhorn weiter. Später wurden die Plätze dann eine Zeit lang ausgelost.

„Das hat Familie Krummacker dann ein paar Jahre später eingeführt“

Beinhorn stammt aus einer alten Göttinger Schaustellerfamilie. „Wir sind seit 129 Jahren auf den Märkten der Region unterwegs“, sagt der 60-Jährige. Und: Er war es, der den Glühwein auf den Göttinger Weihnachtsmarkt gebracht hat. „Ich war 1977 der erste, der dort Glühwein verkauft hat“, erzählt er stolz.

Damals allerdings noch ohne Bacardi-Kirschen. „Das hat Familie Krummacker dann ein paar Jahre später eingeführt“. Glühwein hat Beinhorn nur ein Jahr lang verkauft, dann musste er sich entscheiden. „Die Regel hieß schon damals, Bratwurst oder Glühwein, beides geht nicht“, sagt er. Ingo Beinhorn blieb bei Wurst, sein Sohn betreibt heute einen Stand mit Tiroler Getränken auf dem Weihnachtsmarkt.

Es gibt kaum etwas, das Beinhorn – viele Jahre auch Vorsitzender des Weihnachtsmarktvereins – nicht über den Markt weiß. Sein Familienalbum ist voller alter Fotos. Schon 1873 stand August Beinhorn auf dem  Markt, verkaufte damals noch Christbäume, Süßwaren und kleine Geschenke. Der Verdienst war bescheiden.

48 Mark sind als Tageseinnahme am 16. Dezember 1952 in dem Abrechnungsbuch verzeichnet. Vieles hat sich seit dem verändert, aber Beinhorns sind noch immer da.

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