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Querschnittsgelähmte Göttingerin will Göttingen zu Fuß umrunden

Insgesamt 280 Kilometer Querschnittsgelähmte Göttingerin will Göttingen zu Fuß umrunden

Kathi geht. Und wie. Innerhalb von sechs Wochen will die querschnittsgelähmte Kathi Kahrstedt zu Fuß Göttingen umrunden, dabei insgesamt 280 Kilometer zurücklegen.

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Die Rollstuhlfahrerin Kathi Kahrstedt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Zwischen acht und 20 Kilometer pro Tag will die ehemalige Gastronomie-Betriebsleiterin hinter sich bringen, dabei Sehenswürdigkeiten besichtigen, Schulen besuchen, dem einen oder anderen Bürgermeister die Hand schütteln und auf der Katlenburg ihren 37. Geburtstag feiern.

Dass sie trotz ihrer Lähmung gehen kann, verdankt Kahrstedt einer Neuro-Orthese, die – an ihr  Bein geschnallt – Stromschläge abgibt und auf diese Weise den geschädigten Nerv stimuliert. Die Neuro-Orthese ist auch der eigentliche Grund für die Aktion, die am Montag, 1. Juni, beginnen und am 12. Juli enden soll: weil Kahrstedts Krankenkasse sich ihren Angaben nach weigert, die Kosten für das knapp 10 000 Euro teure Gerät zu übernehmen,  möchte sie auf ihre Situation aufmerksam machen und Spenden sammeln, damit sie sich die Vorrichtung, „die mein Leben radikal verändern würde“, zulegen kann.

Kahrstedts inkomplette Querschnittslähmung (inkomplett, weil nur die linke Körperseite betroffen ist) ist die Folge einer Infektion im Rückenmark, die vor zwei Jahren auftrat. Seitdem sitzt die begeisterte Sportlerin im Rollstuhl. Vor einiger Zeit hörte sie von ihrer Physiotherapeutin, dass es beim Sanitätshaus O.R.T. ein Gerät gibt, das ihr eventuell helfen könnte. Kahrstedt probierte es aus – und wähnte sich schlagartig im siebten Himmel: „Das Gefühl, wieder einen Fuß vor den anderen setzen zu können, werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“ Mit der Neuro-Orthese könne sie problemlos gehen, sagt sie glücklich, und zwar fast den ganzen Tag lang.

Doch ihre Krankenkasse sehe keine „medizinische Notwendigkeit“ für das Gerät, und sie beziehe nur eine kleine Rente, sagt Kahrstedt. Eines Tages habe sie in ihrer Wohnung in Geismar auf dem Sofa gesessen, als ihr schlagartig die Idee zu ihrer Aktion gekommen sei. Eine Idee, die sie seitdem planmäßig verfolgt. Sollte sie genug Spenden erhalten, um sich den Schrittmacher, den O.R.T. ihr für ihre Aktion vorübergehend zur Verfügung stellt, zulegen zu können, werde sie nicht nur wieder in der Lage sein, ein neues Leben zu führen, sondern auch zu arbeiten. „Einen Job zu haben, verschafft Anerkennung“, findet sie, „und die habe ich nicht, wenn ich nur zu Hause bin“. Für Spenden, die über den Anschaffungspreis hinausgehen, hat sie sich auch schon eine Verwendung überlegt: sie sollen der Häuslichen Kinderkrankenpflege Göttingen (KIMBU) zugutekommen.

Kahrstedt freut sich über jeden, der sie auf einem ihrer Märsche begleiten möchte. Sie ist auch noch auf der Suche nach Freiwilligen, die bereit sind, sie zum Start ihrer jeweiligen Tagestour zu bringen und am Ziel wieder abzuholen. Am Sonntag, 31. Mai, wird sie eine erste Aufwärm-Einheit absolvieren: Dann startet sie um 15.15 Uhr beim Staffellauf des Rosdorfer Lauftags.

Von Hauke Rudolph

► Weitere Infos im Netz unter kathi-geht.de

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