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Radtour erinnert an die Befreiung in Auschwitz

Radeln gegen das Vergessen Radtour erinnert an die Befreiung in Auschwitz

Von der Gedenkstätte für das Konzentrationslager (KZ) Moringen zum Jugend-KZ Łódź radelt der Angersteiner Ältestenprediger Bernhard Keller (55) von Donnerstag, 15. Januar, bis Dienstag, 27. Januar. „70 Jahre ist es her, dass am 27. Januar die Tore von Auschwitz für die letzten Überlebenden geöffnet wurden“, schreibt er im Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Angerstein.

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Der Leiter der KZ-Gedenkstätte in Moringen, Dietmar Sedlaczek, mit dem Erinnerungs-Radler-Bernhard Keller (v.l.).

Quelle: EF

Angerstein. Der Opfer des Nationalsozialismus will er mit seiner Radtour zwischen den beiden Jugendlagern gedenken.

Er will Spenden für die Gedenkstätte Moringen erradeln und auch die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste unterstützen. Die Idee dazu sei ihm gekommen, als er seine Tochter vor anderthalb Jahren von einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Südpolen abholte. Sie kamen durch Auschwitz, wo er den bevorstehenden Jahrestag bemerkte. Für den Laienprediger ein Grund, des Ereignisses in besonderer Form zu gedenken.

Den Gedanken, am besagten Tag nach Auschwitz zu radeln, verwarf er auch wegen der Prominenz, die sich dort angekündigt habe. Da sei es fraglich, ob er als Radler tatsächlich bis an sein Ziel kommen werde.

„Ich gehe auch auf Spurensuche“

Weil seine Mutter während des Kriegs in Łódź, damals Litzmannstadt, gearbeitet habe, entschied er sich, das ehemalige Jugend-KZ anzusteuern: „Ich gehe auch auf Spurensuche.“  Immer wieder habe die Mutter von ihrem Weg zur Arbeit mit der Straßenbahn durch das Ghetto erzählt. Das habe sie sehr belastet. Keller weiß zudem, dass Moringen und Łódź damals unter demselben Kommando standen.

Mit der Radtour über rund 800 Kilometer möchte er Verantwortung für das übernehmen, was damals passierte. Wiedergutmachen könne man das nicht. Um dafür Sorge zu tragen, dass die Schrecken nicht vergessen werden, bietet Keller Gesprächsabende an zum Thema „Täter, Opfer, stille Helden“ mit Blick auch auf diejenigen an, die den Verfolgten ein Versteck gewährten.

An einem Treffen der Jungen Gemeinde mit Konfirmanden aus Chemnitz und Dresden bei der Reformierten Gemeinde in Leipzig will er am Freitag, 16. Januar, teilnehmen. Er spricht in der Pilgerherberge in Crostwitz bei Bautzen, in Görlitz und in Wrocław/Breslau.

Erste Station: Nordhausen

Trainiert hat Keller nicht. Weil er oft mit dem Rad von seiner Wolfsburger Wohnung zur Arbeit dort fahre, radelt er pro Woche etwa 50 Kilometer. Jedes Jahr um Himmelfahrt unternehme er eine Radtour mit Freunden. Auf seiner Erinnerungsfahrt habe er etappenweise Begleitung. Er will etwa 80 Kilometer am Tag radeln, ein Puffertag sei eingeplant.

Und bevor er sich zu einer seiner Veranstaltungen verspäte, steige er lieber in den Zug. Wichtiger als der Sport seit ihm das Erinnern. An der Gedenkstätte Moringen startet Keller am Donnerstag, 15. Januar, um 7.30 Uhr. In Angerstein verabschiedet er sich um 9 Uhr am Gemeindehaus in der Kirchstraße. Seine erste Station ist Nordhausen.

Weitere Informationen unter gedenkstaette-moringen.de und asf-ev.de.

Von Ute Lawrenz

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