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Raser-Truppe aus dem Rasti-Land vor Gericht

Autofahrer auf der A7 bedrängt Raser-Truppe aus dem Rasti-Land vor Gericht

Sie sind 21 bis 28 Jahre alt, lieben schnelle Autos, geben sich cool, halten zusammen – und besuchen am Sonntag das Rasti-Land. „Was machen junge Männer im Rasti-Land?“, wundert sich der Amtsrichter. „Kann man doch mal machen. Wir machen fast jedes Wochenende was.“

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Ob sie wirklich in dem Freizeitpark für Kleinkinder zwischen Hameln und Hildesheim waren, darauf wird es ankommen. Den Angeklagten droht eine Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis, wenn sie der uneidlichen Falschaussage vor Gericht überführt werden. Sie hatten in einem Strafverfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr gegen ihren Kumpel, Bruder des einen, Ehemann der anderen Angeklagten, mutmaßlich falsch ausgesagt. Der Entlastungsversuch hatte nicht geklappt. Der damalige Angeklagte war trotz der Aussagen zu 80 Tagessätzen Geldstrafe und drei Monaten Fahrverbot verurteilt worden.

Passiert war laut Urteil dies: Auf der A 7, Fahrtrichtung Süden, war der später Verurteilte kurz hinter Nörten-Hardenberg mit hohem Tempo auf den Mercedes eines Göttinger Ehepaares „bis auf die Stoßstange“ aufgefahren, hatte sie mit Lichthupe bedrängt, überholt, seinen BMW gestikulierend vor sie gesetzt und abgebremst. Nur eine Vollbremsung habe ein Auffahren verhindern können. Das Ehepaar hatte die Polizei gerufen, und der BMW-Fahrer war bei Hedemünden mit Frau und Kleinkind an Bord gestoppt worden.

Später, vor Gericht, präsentierte der rabiate Raser überraschend drei Zeugen, die behaupteten, alles gesehen zu haben, weil sie hinter dem BMW im Konvoi gefahren seien. Sie wie auch die Ehefrau des Rasers widersprachen sich allerdings. Im Kern behaupteten sie, in Wahrheit habe erst der Mercedes den BMW ausgebremst, später sei es zwar zu einem weiteren Bremsmanöver bei hohem Tempo gekommen, aber nur, weil der Mercedes dem BMW gefolgt sei und dieser habe bremsen müssen, weil vor ihm Lastwagen einander überholt hätten. Das mochte der damalige Richter nicht glauben: Es war ein Sonntag, Lkw-Fahrverbot. Und keiner der Zeugen, auch nicht die Polizei, hatte ein zweites Fahrzeug hinter dem BMW gesehen.

Nun also sind Ehefrau, Bruder und zwei Kumpels wegen Falschaussage angeklagt. Der Richter muss ihnen erst erklären, dass sie auf die Anklagebank gehören und diesmal nicht nur Zeugen sind. Die Ehefrau kommt erst eine Stunde später mit ihrem Mann. Der Dolmetscher versucht ihr zu erklären, dass sie Angeklagte ist. Es antwortet immer nur ihr Mann. Der wettert, wie oft er denn noch kommen müsse, nur „weil man vier Türken (seine Frau zählt er nicht mit) weniger glaubt als so ’nem Arzt und ’ner Lehrerin“ (die Mercedes-Fahrer). Als Zeuge verweigert er die Aussage, weil ja Bruder und Frau angeklagt sind.   

Waren Sie nun also an jenem Tag alle zusammen im Rasti-Land? Sie können sich weder erinnern, mit welchem Auto sie fuhren, noch, was sie erlebt haben, noch an die Höhe des Eintritts. „Wo liegt das eigentlich, das Rasti-Land?“, fragt Richter Oliver Jitschin. „Bei Hannover oder so“, mutmaßt der eine, „Hamburg“, rät der andere Angeklagte. Der dritte schweigt.

Die Staatsanwältin regt an, zumindest das Verfahren gegen die Ehefrau einzustellen. Man habe ja erlebt, dass „wohl die Falschaussage bei den bestehenden Machtverhältnissen nicht freiwillig gewesen sein kann“. Gegen die drei Männer aber will das Gericht weitere Zeugen hören, darunter den Richter, dem die mutmaßlichen Lügen präsentiert wurden. Fortsetzung am 5. Mai.

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