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Raus aus dem grauen Markt – hin zu mehr Qualität

Kindertagespflegebörse Raus aus dem grauen Markt – hin zu mehr Qualität

Vor zehn Jahren steckte die Kindertagespflege noch in den Kinderschuhen. Nur eine Handvoll Tagesmütter wurde über das Jugendamt der Stadt Göttingen vermittelt. Daneben gab es einen riesigen grauen Markt.

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Betreuung für unter Dreijährige: Rund 100 Tagesmütter sind derzeit bei der Kindertagespflegebörse Göttingen registriert.

Quelle: EF

Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Rund 100 Tagesmütter und -väter werden allein in der Stadt Göttingen über die hiesige Kindertagespflegebörse vermittelt. Am Sonnabend feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen.

Susanne Rieks (55) und Ute Krüger (49) eröffneten im Jahr 2001 – damals noch unter dem Dach der Volkshochschule – die Kindertagespflegebörse als Projekt aus EU-Mitteln. „Damals waren lediglich sieben Tagesmütter beim Jugendamt gemeldet, 50 haben frei gearbeitet“, sagt Rieks. Es habe starke Vorbehalte der Eltern gegeben: „Wer tummelt sich da, ist mein Kind dort gut aufgehoben“, hätten sich viele gefragt. Ihre Idee damals: Vermittlung, Beratung und Qualifizierung von Tagesmüttern unter einem Dach anzubieten. Nach anfänglichen Vorbehalten von verschiedenen Seiten, dass es für derlei Vorhaben keinen Markt gebe, wurden die beiden Frauen von Verwaltung und Politik in ihrem Bestreben unterstützt. „Wir sind sehr beharrlich, weil wir von der Sache überzeugt sind. Das ist eine unserer Stärken“, sagt Krüger. Auch die Tagesmütter zogen mit. Sie mussten sich fortan in einem 30-stündigen Kurs qualifizieren. Erst später wurde diese Qualifizierung per Gesetz vorgeschrieben.

Das folgte im Jahr 2005 und löste „einen riesigen Boom“ aus, wie Rieks sich erinnert. Die Qualifizierungskurse wurden auf 160 Stunden ausgedehnt. „Am ersten Kurs nahmen so viele Leute teil, dass wir ihn teilen mussten.“ Zeitgleich übernahmen Stadt und Landkreis Göttingen die Finanzierung der Kindertagespflegebörse, die sich von der VHS abnabelte und eigenständig wurde. Der Verein Kindertagespflege Göttingen wurde gegründet – mit den beiden Säulen Kindertagespflegebörse und niedersächsisches Kindertagespflegebüro. Rieks und Krüger wurden Geschäftsführerinnen.

In den Folgejahren wuchs die Kindertagespflegebörse weiter. Neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Einen Rückschlag gab es Ende 2010. Der Landkreis Göttingen kündigte überraschend seinen Vertrag mit dem Verein. „Das war nicht in Ordnung“, sagt Rieks, „also haben wir dagegen geklagt“. Das Verwaltungsgericht erklärte die Kündigung kürzlich für unwirksam (Tageblatt berichtete).

Trotz dieses Vorfalls blicken die Geschäftsführerinnen positiv in die Zukunft. Schließlich habe die Kindertagespflegebörse viel bewirkt. Die Qualität der Betreuung sei gestiegen und ihr Ruf habe sich stark verbessert. Das sei auch gut so. Denn besonders für ganz junge Kinder sei die Betreuung durch eine Tagesmutter „sehr förderlich“.

Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Kindertagespflegebörse, Waageplatz 8, am Sonnabend, 9. April, von 10 bis 15 Uhr. Weitere Infos unter Telefon 05 51 / 3 84 38 50 oder im Internet: kindertagespflege-goe.de.

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