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Reformationen

Wochenendkolumne Reformationen

500 Jahre Reformation. Da kann man nur sagen: Glückwunsch. Was Martin Luther 1517 an die Pforte der Schlosskirche von Wittenberg genagelt hat, sucht in der Konsequenz, die daraus entstanden ist, wohl seinesgleichen, meint Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells in seiner Wochenendkolumne.

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Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Luthers 95 Thesen haben die Kirchenwelt nachhaltig verändert. Zum Abschluss des Reformationsjahres am Dienstag war in Göttingen der Andrang beim Gottesdienst derart groß, dass spontan gleich ein zweiter nachgeschoben wurde. Die Reformation lebt. Auch hierzu Glückwunsch.

Nun hat Kirche auch immer mit Alltag zu tun. Und dann kommt man schnell auf die Idee, den lutherschen Pragmatismus zu nutzen und dort, wo es offensichtlich nicht ganz so rund läuft, zu kopieren. Was spricht dagegen, per Anschlag an eine Tür auf Missstände hinzuweisen und Verbesserungen einzufordern?

Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – Reformwahrscheinlichkeit

Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – Reformwahrscheinlichkeit: gegen null.

Quelle: Arne Bänsch

Nach den Erfahrungen in diesem Jahr wäre die erste Pforte, die mit Hammer, Nagel und Papier bearbeitet wird, eine Amtstür in Bad Gandersheim. Dort sitzt die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – neudeutsch auch Amt für Stauerzeugung. Nach den unzähligen Baustellen in diesem Jahr bleibt die Forderung von zwei Thesen: Sprecht Euch endlich mit anderen Behörden ab. Denkt an die Autofahrer und die betroffenen Bürger. Reformwahrscheinlichkeit: gegen null.

EAM-Gerippe in Grone – Reformwahrscheinlichkeit

EAM-Gerippe in Grone – Reformwahrscheinlichkeit: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Quelle: Frank Beckenbach

Der zweite Weg führt an die Kasseler Landstraße. Nur mit dem Anbringen der Thesen wird es schwierig, es gibt nämlich keine Tür. Luther wird ein Nachsehen haben, im modernen Zeitalter muss zur Not auch ein Klebestreifen den Nagel ersetzen. Das EAM-Gerippe mit seinen Betonstelen geht nämlich ins zweite Jahr, und die Denkmalschutzbehörde soll gerüchtehalber doch auf die Idee kommen, den Bau nachträglich unter Schutz zu stellen: als Mahnmal für merkwürdige Bauprojekte. Die These ist denkbar einfach: Sagt den Göttingern endlich, wann der Schandfleck verschwindet und wie es weitergeht. Reformwahrscheinlichkeit: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Stadthalle Göttingen – Nur zwei Worte

Stadthalle Göttingen – Nur zwei Worte: „Viel Glück.“

Quelle: Christina Hinzmann

Auch beim dritten Halt ist moderner Klebstoff notwendig. Die Glastür der Stadthalle ist für Nägel nun mal schlecht geeignet. Erst hieß es, ein Weiterbetrieb über den Sommer 2018 wäre nicht möglich, jetzt soll im November geschlossen und saniert werden. In einem Jahr ist also vorerst Schluss (wahrscheinlich). Allmählich steigt der Adrenalinpegel bei den Kulturschaffenden. Zwölf Monate sind schließlich schnell vorbei, die Suche nach Ersatzspielorten ist die wohl undankbarste Aufgabe, die es derzeit im Rathaus zu verteilen gibt. Statt Thesen stehen auf dem Zettel an der Stadthallentür nur zwei Worte: „Viel Glück.“

Sollten Ihnen noch weitere Stationen einfallen, sagen Sie es uns einfach. Die Reformation lebt schließlich auch vom Mitmachen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Uwe Graells

Von Uwe Graells

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