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Reuige Räuberin mit schlechtem Gewissen

Aus dem Amtsgericht Reuige Räuberin mit schlechtem Gewissen

Die Nacht war kurz und das Gewissen schlecht. Es graute der Morgen, als die reuige Räuberin in der Polizeiwache erschien. Um 5.50 Uhr gab die 39-Jährige zu Protokoll, am Tag zuvor in Geismar eine Frau überfallen und versucht zu haben, ihr die Handtasche zu entreißen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Dieses frühe Geständnis nur Stunden nach der Tat machte jetzt Eindruck bei Gericht: Die 39-Jährige wurde zu einer milden Bewährungsstrafe verurteilt.

 
Die Frau, die da in der Anklagebank sitzt, wirkt gepflegt, gut gekleidet in ihrem rosa Pulli. Sie spricht leise und freundlich. Sie hat vier Kinder, das älteste 21. Selber wird sie in den nächsten Tagen 40. Die Richterin hat ein Foto von ihr in den Akten, das sie gleich nach dem Raubüberfall im Februar 2014 zeigt. „Sie sehen darauf zehn Jahre älter aus als heute“, sagt sie.

 
Damals, da war die 39-Jährige noch auf Droge, war obdachlos, war physisch wie psychisch ein Wrack. Acht Entziehungskuren hatte sie hinter sich, war immer wieder rückfällig geworden, stand unter der Wirkung von Amphetaminen und brauchte neue Drogen. Da erschien ihr die ältere Frau mit der Handtasche, die sie in der Innenstadt beobachtete, das rechte Opfer zu sein. An der Bushaltestelle stieg sie mit in den Bus nach Geismar. Dort ging das Opfer noch in den Supermarkt, die spätere Räuberin wartete ab. Als die Seniorin den engen Fußweg von der Hauptstraße nahm, griff die Räuberin zu: „Geld her, Tasche her!“

 
Allerdings: Die Einkaufstüte in der einen Hand, Handtasche und Schirm in der anderen, konnte die Überfallene gar nicht loslassen. Henkel der Handtasche und quergehaltener Schirm hakten sich nämlich in der geschlossenen Hand fest. Beide Frauen waren vom unerwarteten Widerstand überrascht. Als das Opfer auch noch zu schreien begann, gab die Räuberin ihr Zerren auf und floh. Nach durchwachter Nacht stellte sie sich am näch-sten Morgen der Polizei.

 
Das alles gibt die Angeklagte heute unumwunden zu. Sie hat seither ihr Leben umgekrempelt. Von der Polizeistation ging es direkt in die Entgiftung, später nach Hannover in ein Wohnheim. Seit gut einem Jahr lebt sie nun am Deister in einer Wohngruppe zur Wiedereingliederung und gilt als Musterbetreute. Sie engagiere sich, habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, werde allseits geschätzt, sagt die Betreuerin. Sogar zu ihren Kindern – zehn bis 21 – habe sie wieder Kontakt. Ihre Drogensucht werde substituiert, inzwischen mit geringer Dosis. Die Entwicklung sei „großartig“, findet sogar die Richterin.

 
Aber es war ein Raub, plädiert der Staatsanwalt, nicht unter einem Jahr zu bestrafen. Geständnis und dass es ein Versuch blieb, mildern die Strafandrohung. Das Urteil lautet auf milde acht Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Als Auflage muss sie aber in der Einrichtung bleiben, bis Ärzte und Sozialtherapeuten sie entlassen. Drei Jahre Bewährungszeit. „Sie schaffen das!“, gibt die Richterin der Räuberin noch mit auf den Weg.

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