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Reuiger Schläger kommt nach neun Jahren zu Prozess

Mildes Urteil Reuiger Schläger kommt nach neun Jahren zu Prozess

Mehr als neun Jahre nach einem brutalen Überfall auf einen jungen Mann in Göttingen hat sich ein 35 Jahre alter Deutscher in Österreich besonnen und sich freiwillig der Göttinger Justiz gestellt.

Weil er wusste, dass hier noch immer ein Haftbefehl gegen ihn existierte und dass er in Göttingen wohl mit einer Bewährungsstrafe davon kommen würde, kündigte er ein Geständnis an, ließ sich von den deutschen Justizbehörden eine Fahrkarte schicken und stellte sich dem Prozess, in dem er jetzt zu 18 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Der berufslose Deutsche, der nach einigen Jahren Aushilfsarbeit in Österreich heute in Graz von 548 Euro monatlicher Sozialhilfe lebt, war seinerzeit schwer alkoholkrank, als er am 20. Januar 2001 einen Mann in seiner Wohnung überfiel. Mit einem Kumpel hatte er den ihm völlig Unbekannten aufgesucht, weil der angeblich das Handy eines Freundes gestohlen haben sollte. Mit Faustschlägen, Tritten und Prügel mit einer Hundeleine versuchten die beiden Eindringlinge, ihr Opfer zur Herausgabe des Handys zu nötigen, ohne dass sie dabei zum Erfolg kamen.

Weil viel Alkohol im Spiel war, eskalierte das fast einstündige Martyrium des Opfers immer mehr. Der Mittäter des jetzigen Angeklagten zog sogar ein Kampfmesser und rammte es dem Opfer 18 Zentimeter tief ins Bein. Der 35-Jährige seinerseits trat mit Springerstiefeln dem Schwerverletzten immer wieder gegen den ganzen Körper, so dass dieser unter anderem ein Schädelhirntrauma erlitt. Sieben Wochen Krankenhausaufenthalt waren zur Heilung nötig.

Ehe es 2002 zum Strafprozess wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung kam, setzte sich der Angeklagte damals nach Österreich ab. Sein Mittäter wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die längst verbüßt beziehungsweise der Rest nach abgelaufener Bewährungszeit erlassen ist. Er war es, der zugestochen und den jetzigen Angeklagten damit überrascht hatte. Andererseits war der 35-Jährige der eigentliche Motor des Überfalls.

Schon 2002 war ein Gutachten angefertigt worden, das dem Alkoholkranken verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Deshalb fiel das Urteil milde aus. Der Verurteilte ist wieder unterwegs nach Graz.

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