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„Richtung Katastrophe“ mit Dieselfahrverbot

Marktumfrage „Richtung Katastrophe“ mit Dieselfahrverbot

Kommt das Dieselfahrverbot auch nach Göttingen? Am Mittwoch ist beim Berliner-Diesel-Gipfel beschlossen worden, dass Millionen Dieselautos ein Software-Update erhalten sollen. Damit soll das Stickoxid-Problem verringert werden. In mehr als 80 deutschen Städten werden die Grenzwerte dauerhaft überschritten, so die Süddeutsche Zeitung.

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Barbara Ahlrichs und Irmtraud Panse auf dem Wochenmarkt in Göttingen.

Quelle: Kimberly Fiebig

Göttingen. „Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad und habe meinen Bio-Einkauf dabei. Wenn ich dann hinter einem Auto oder Bus herfahren muss, schönen Dank auch“, sagt Stephanie R., und verstaut ihren Einkauf im Fahrradkorb. „Dabei habe ich nichts gegen Diesel. Das Verbot wäre bloß gar nicht notwendig, wenn ein Zwei-Personen-Haushalt keine zwei Autos haben müsste.“ Ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge wäre „großer Quatsch“, meint auch Marktbesucherin Heidi Duderstadt. Sie wäre von dem Diesel-Fahrverbot zwar nicht betroffen, dafür aber ihr Mann. Der müsse dann ihr Auto nehmen. Auch Vera Riesler ein paar Meter weiter sieht keinen Sinn in einem Diesel-Fahrverbot. Es seien davon zu viele Menschen betroffen, als dass es gut sein könne. „Man kann auch einfach so die neue Software einsetzen, ohne ein Fahrverbot“, sagt sie.

Für Harald Kunz würde ein Dieselfahrverbot bedeuten, dass mit seinem Tee-Verkaufswagen kein Marktbesuch mehr möglich wäre. Die Diskussion, die derzeit stattfinde, sei aber reine "Marketing-Sache". Es gehe lediglich um den privaten Bereich. Für diesen würde er sich mehr Unterstützung von Seiten der Autokonzerne wünschen. Sie sollten finanzielle Anreize bieten, um die Umrüstung auf die Euro-6-Norm zu erleichtern. Die Debatte müsste seiner Ansicht nach ausgeweitet werden auf Fahrzeuge, die beispielsweise in der Landwirtschaft genutzt werden. Er selbst sei Baumaschinenfahrer gewesen und habe pro Tag 1200 Liter Diesel verfahren. Das sei bei der jetztigen Diskussion aber nicht von Interesse. Außerdem sei die Autoindustrie nur ein Teil dessen, was zur Umweltverschmutzung sowie zur Ausbeutung der Ressourcen der Erde beitrage, sagt der Tee-Verkäufer und verweist außerdem auf den Flugzeugverkehr.

Harald Kunz

Quelle: Kimberly Fiebig

Einen umfassenderen Blick in dieser Diskussion wünschen sich auch Barbara Ahlrichs und Irmtraud Panse, die einen Stand als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Freien Altenarbeit Göttingen auf dem Markt betreiben. Für beide hätte aber ein Dieselfahrverbot im privaten Bereich keine Konsequenzen. Während sich Ahlrichs beim letzten Autokauf für ein Benziner-Fahrzeug entschied, verzichtet Panse ganz aufs Auto und fährt Fahrrad.

"Richtung Katastrophe" würde ein Dieselfahrverbot jedoch für Thomas Lange, Verkäufer von Wurstwaren, gehen. Alle Fahrzeuge für den Betrieb seien Diesel. Eine Alternative gebe es bislang nicht, da andere Kraftstoffe im Vergleich nicht wirtschaftlich seien. "Es wäre doch auch keine Möglichkeit, wieder die Pferde vor die Wagen zu spannen".

Von Laura Brand und Kimberly Fiebig

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