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Rinnewitz soll viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Göttinger Gruppe Rinnewitz soll viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Für viereinhalb Jahre soll der letzte Vorstandsvorsitzende der insolventen Göttinger Gruppe, Jürgen Rinnewitz, ins Gefängnis. Das hat die Staatsanwaltschaft vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig beantragt. Sie hält den Göttinger für schuldig des Kapitalanlagenbetruges und der gewerbsmäßigen Untreue in drei Fällen mit einem Schadensvolumen von rund 6,5 Millionen Euro.

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Quelle: Archiv

Braunschweig/Göttingen. Neben dem 59-Jährigen sollen  alle drei Mitangeklagten zu jeweils zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden: die Vorstandskollegin Marina Götz (51) wegen Anlagenbetruges und Beihilfe zur Untreue, der Geschäftsführer einer Braunschwieger Tochtergesellschaft, Hans H. (57), wegen Untreue sowie der Chef einer Vermittlerfirma, Michael T. (43),  wegen Betruges und Beihilfe zur Untreue. Einzig, dass die Angeklagten durch ihre Einlassungen den Prozess verkürzt, nicht aber Geständnisse abgelegt haben, solle strafmildernd wirken.

Der seit April laufende Prozess um den letzten Versuch, mit einem neuen Geschäftsmodell Ende 2005 die mutmaßlich schon damals zahlungsunfähige Göttinger Gruppe noch zu retten, gilt nur als Vorläufer für die Anklagen, die das Landgericht Göttingen noch gegen Rinnewitz und Götz zu verhandeln hat. In Braunschweig hatte Rinnewitz ein Firmengeflecht aufgebaut, das einen neu aufgelegten Fonds vertreiben sollte. Der Masater Star Fonds (MSF) war von prominenten Politikern aus CDU und FDP wie den einstigen Verteidigungsminister Rupert Scholz und dem Berliner Finanzsenator  Walter Rasch beworben worden und sollte nach dem Willen des maßgeblichen Initiators Rinnewitz auf keinen Fall mit der Göttigner Gruppe in Beziehung gesetzt werden. Der Fonds platzte, als das Bundesamt für Finanzdienstleistungswesen (Bafin) das Finanzkommissionsgeschäft als unerlaubtes Bankgeschäft verbot.

Acht Anwälte vertreten die Angeklagten

Zuvor, das sieht Staatsanwalt Christian Jacobi als erwiesen an, habe Rinnewitz bereits mehr als 8,6 Millionen Euro aus den Fonds-Einlagen als Provisionen für einen noch aufzubauenden Exclusivvertrieb an Michael K. gezahlt – teils in Bar und direkt in die Schweiz. Selbst wenn man anerkenne, dass für angeworbene Vermittler Kopfgeldprovisionen zu zahlen waren, seien rund 6,1 Millionen Euro ohne jede Gegenleistung gezahlt worden.

Weil es außerdem zu keiner Zeit einen Exclusivvertrieb für den Fonds gegeben habe, dies aber im Prospekt so angegeben war, sei zudem Kapitalanlagebetrug erfüllt. Jacobi stellte in seinem Plädoyer den 59-jährigen Rinnewitz als „unmittelbar Verantwortlichen“ dar, der sich das Konstrukt ausgedacht und auch Einfluss ins Tagesgeschäft genommen habe. Die Verteidigung – acht Anwälte vertreten die Angeklagten – plädiert am kommenden Montag.

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