Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Rosdorf muss alternatives Windenergie-Vorranggebiet finden

380 Stunden Rotmilan Rosdorf muss alternatives Windenergie-Vorranggebiet finden

Die Gemeinde Rosdorf steckt böse in der Bredouille. Nachdem die Bundeswehr die Rosdorfer Pläne, zwischen Sieboldshausen und Rosdorf ein Windenergie-Vorranggebiet auszuweisen, gekippt hat, muss die Gemeinde nun entweder akzeptieren, dass im Gemeindegebiet weitgehend ungezügelt Windräder errichtet werden dürfen, oder ein neues Vorranggebiet ausweisen, das jedoch weit und breit nicht in Sicht ist.

Voriger Artikel
Harste macht Wettbewerb „Unser Dorf nutzt die Sonne“
Nächster Artikel
Neuer Nahverkehrsplan für Südniedersachsen
Quelle: dapd (Symbolfoto)

Rosdorf. Das sagt jedenfalls Stadtplaner Dirk Puche, der für die Gemeinde die Potenzialstudie erstellt hatte, die den Bereich zwischen Sieboldshausen und Rosdorf als Vorrangfläche für die Errichtung von Windrädern empfohlen hatte.

Dem hatte sich auch der Gemeinderat angeschlossen – bis zum fatalen Schreiben der Bundeswehr Anfang des Jahres, das den Rosdorfern einen Strich durch die Rechnung machte. Über die Fläche führe eine Flugschneise für die Ausbildung von Hubschrauberpiloten. Mindestflughöhe: 45 Meter – das Aus für jedes Windrad.

Nur zwei Stellschrauben für neue Fläche

Mühsam hatten sich Verwaltung und Politik auf Kriterien geeinigt, der eigentlich nur die Fläche zwischen Sieboldshausen und Rosdorf übrigließ: nicht in Waldflächen, nicht dort, wo der Rotmilan brütet, lebt und fliegt, nicht in FFH-Flächen, nicht näher als 1000 Meter zur Siedlungsbebauung, nicht im Landschaftsschutzgebiet.

Weil einige Kriterien davon auch gesetzlich festgelegt sind, blieben laut Puche nur zwei Stellschrauben übrig, um doch noch eine neue Vorrangfläche zu finden: die 1000-Meter-Mindestentfernung und der Schutz des Rotmilans, der gegebenenfalls durch neue Gutachten aufgeweicht werden könne. Wenn die Gemeinde kein neues Vorranggebiet ausweise, gälten die allgemeinen Regeln. Zum einen ein 400-Meter-Mindestabstand zur Bebauung, zum anderen die Möglichkeit für Investoren, durch geeignete Gutachten selbst eine geringere Gefährdung des Rotmilans nachzuweisen.

So gebe es beispielsweise eine Fläche südlich von Volkerode, mit einem Abstand von nicht weniger als 575 Metern immerhin noch weiter entfernt als die 400 Meter des ungeregelten Zustands. Außerdem sei das Verhalten des Rotmilans mittlerweile durch einen Fachmann 380 Stunden lang beobachtet worden – möglicherweise sei er ja gar nicht so schutzbedürftig wie bislang vermutet.

Gemeinde schadet sich selbst und dem Rotmilan

Nach der intensiven Arbeit am jetzt gekippten Vorranggebiet bei Sieboldshausen sei dies eine unerträgliche Zwickmühle für die Gemeinde, befanden die Ausschussabgeordneten quer durch alle Parteien. Das ganze Verfahren neu beginnen zu müssen, sei eine Zumutung. Andere erklärten, die Gemeinde Rosdorf habe ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, jetzt könnten andere die Suppe auslöffeln, die ihnen die Bundeswehr eingebrockt habe.

Falsch, erklärte Puche. Ohne eigene Vorranggebiete würde sich die Gemeinde und damit ihre Bewohner einschließlich Rotmilan selbst schaden. Der Bauausschussvorsitzende Christian Frölich (CDU) fand eine salomonische Lösung, die verschiedenen Positionen zusammenzufassen: ein Vorschlag an die Verwaltung, nicht auf die Planungshoheit zu verzichten, die Kriterien erneut zu prüfen, für den Bereich südlich von Volkerode das Rotmilangutachten zu bewerten und auf den 1000-Meter-Abstand zur Wohnbebauung zu bestehen. Dem schloss sich der Ausschuss einstimmig an.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016