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Göttinger Narren übernehmen die Macht

Rosenmontag in Göttingen Göttinger Narren übernehmen die Macht

Weniger Jecken, weniger Gardemädchen und nur eine Büttenrede: An Rosenmontag ist in Göttingen alles ein bisschen bescheidener als in den Karnevals-Hochburgen an Rhein und Main.

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Schlüsselgewalt: Narren der örtlichen Karnevalsvereine mit symbolischem Schlüssel fürs Kreishaus.

Quelle: Vetter

Göttingen. Auch einen Prinzen gibt es in diesem Jahr nicht: Die Szültenbürger haben niemanden gefunden, der das Amt übernehmen wollte. Besonders wild gebärden sich die Göttinger Narren denn auch nicht. Im Neuen Rathaus fahren sie ruhig und gesittet mit dem Fahrstuhl in die Kantine im 16. Stock, und im Kreishaus warten sie, bis ihnen Landrat Bernhard Reuter (SPD) den symbolischen Schlüssel zum Sitzungssaal überreicht.

Aber ordentlich feiern, das machen Szültenbürger und Rheintreue trotzdem. Mit Schunkelrunde, Rakete (1. Stufe: klatschen, 2. Stufe: Schenkelklopfen, 3. Stufe: „Helau“) sowie Auftritten der Szültenbürger-, der Gänseliesel- und der Funken-Garde. Lorin Wiedemann tanzt zum ersten Mal vor Publikum, und das gleich solo, wofür das achtjährige Tanzmariechen reichlich Zugabe-Rufe erhält.

In seiner Büttenrede nimmt Bürgermeister Wilhelm Gerhardy (CDU) traditionell die Lokalpolitik und ihre Protagonisten auf die Schippe. „Besucher strömen zahlreich ein, das MOMA selbst wird neidisch sein“, reimt er über das geplante Kunstquartier. Und dem Chef der FDP-Fraktion, Wolfgang Thielbörger, bescheinigt er, nach dem Erfolg der Liberalen bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg zwei Zentimeter gewachsen zu sein.

Die Absage des Karnevalsumzugs in Braunschweig wegen einer Terrorwarnung wird nicht thematisiert. Diskutiert haben ihn die Karnevalisten in privater Runde allerdings schon. „Die Schwachmaten haben mal wieder gewonnen“, ärgert sich Wilfried Rieck (Rheintreue), während Szültenbürger-Vorsitzende Sylke Wallbrecht sich fragt, warum Attentäter gerade ein solches Ereignis als Ziel auswählen: „Ein Karnevalsumzug hat doch mit Politik nichts zu tun.“

Von Hauke Rudolph

Foto: Vetter

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