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Rotmilan-Projekt im Untereichsfeld erfolgreich

Nahrungssuche während der Brutzeit Rotmilan-Projekt im Untereichsfeld erfolgreich

Diese Bilder faszinieren nicht nur Vogel- und Naturfreunde. Sie sind auch Früchte einer Forschungsinitiative, die den Rotmilan als Vogelart retten will. Seit 2009 beobachten Wissenschaftler mit Kameras Rotmilan-Paare am Westrand des Untereichfeldes – mit Erfolg versprechenden Ergebnissen, bilanziert der Biologe Dr. Eckhardt Gottschalk vom Zentrum für Naturschutz an der Uni Göttingen.

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Paar-Flug: Elegant und schnell zugleich fliegen die Rotmilane bei Landolfshausen aus, um Beute zu fangen.

Quelle: Tofahrn

In Südniedersachsen gebe es noch recht viele Rotmilane, so Gottschalk, für diese Vogelart sei das EU-Vogelschutzgebiet „Unteres Eichsfeld“ eingerichtet worden. Aber der Schein trügt: Weltweit gebe es immer weniger Rotmilane. Und auch ihr wohl größter Bestand – nämlich in Deutschland und besonders in dieser Region – nehme seit den 1990er Jahren kontinuierlich ab. Das am Zentrum für Naturschutz angesiedelte Forschungsprojekt beschäftige sich mit den Ursachen. Seit 2009 beobachten die Wissenschaftler, wie viel Nahrung Rotmilaneltern ihren Jungen bringen, welche Art von Nahrung die größte Bedeutung hat und wo sie die Beute fangen. Feststellen wollen sie vor allem, ob Nahrungsmangel zur Brutzeit eine Ursache für den Populationsrückgang sein könnte.

Das scheint sich zu bestätigen. Die bisherigen Beobachtungen hätten gezeigt, dass Rotmilane in sogenannten Mäusejahren wie das jetzige genug zu fressen finden, um auch ihre Jungen zu versorgen. Im vergangenen Jahr hingegen „hatten die Rotmilane viel zu tun, um ihre Jungen satt zu bekommen“, so Gottschalk. Es habe deutlich weniger Mäuse gegeben. Und gerade zur Brutzeit stünden die Felder so dicht, dass die Milane hier keine Nahrung wie Mäuse fangen können. Folge: „Sie mussten viel Zeit investieren, um andere Flächen abzusuchen“ – vor allem frisch gemähte Wiesen. Ein Paar habe zum Beispiel als häufigstes Beutetier Regenwürmer gebracht – je Ausflug einen. Das sei „ein kleiner Happen, aber keine lohnende Beute“, sagt der Experte. Milane seien zwar vielfältig und beim Beuteerwerb nicht wählerisch, aber eine gewisse Größe bräuchten sie schon. Geeignet seien Jungvögel, Erdkröten, Hühnerköpfe, Jagdabfälle, Maulwürfe, Fische oder Mahdopfer wie Hasen. Dabei suchten die Vögel nicht nur die Agrarlandschaft ab, sondern durchaus auch Misthaufen in Dörfern.

Aus ihren Beobachtungen in diesen zwei Jahren haben Gottschalk und seine Mitstreiterin Nicole Wasmund bereits konkrete Rettungsmaßnahmen abgeleitet. Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband seien auf ausgewählten Felder und Randstreifen im Milan-Gebiet Luzerne angebaut worden. Diese Flächen würden künftig zur Zeit der Jungenaufzucht gemäht und die Vögel könnten bei der Nahrungssuche leichter an Mäuse kommen.

Das allein aber werde nicht reichen, fürchtet Gottschalk: „Sollte der Bruterfolg nur in ‚Mäusejahren‘ gut sein, reicht die Vermehrung nicht aus, um die Sterblichkeit der Vögel auszugleichen.“ Noch immer kämen viele Milane durch Vergiftung im spanischen Winterquartier um, würden durch Windräder erschlagen oder verunglückten an Stromleitungen.

Über „Neues vom Rotmilan – Erkenntnisse aus Filmaufnahmen“ berichtete Nicole Wasmund am Donnerstag, 10. März 2011, im Grünen Zentrum, Geiststraße 2.

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