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Rotmilane an Windpark gewöhnt

Population groß wie nirgendwo sonst Rotmilane an Windpark gewöhnt

Der Rotmilan, auch Gabelweihe, kommt nur in Mittel- und Südwesteuropa vor. In ganz Europa ist der Greifvogel selten. Nicht so im Landkreis Göttingen. 110 Rotmilanhorste hat die vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie erbracht – etwa so viele wie in ganz Bayern.

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Rotmilan.

Quelle: Vorbusch

Friedland. Und ausgerechnet dort, wo der Vogel theoretisch am stärksten bedroht sein soll, kommt er am häufigsten vor: rund um den Windpark bei Deiderode.

Dabei geht es in der Studie gerade darum, Schutzzonen rund um Rotmilanhorste festzulegen, in denen keine neuen Windräder gebaut werden dürfen. Ein Umkreis von 1250 Metern soll für Windkraft tabu sein, weil sonst zu viele Rotmilane „geschreddert“ würden.

Diese Formulierung wählte der promovierte Biologe Michael Corsmann, der die Studie jetzt dem Rat Friedland vorstellte. Er gab auf Nachfrage aber auch zu: Kein einziger toter Milan ist bisher an den vier seit 20 Jahren existierenden Windrädern bei Deiderode gefunden worden. Dabei ist die Population nirgendwo so stark wie hier. Von den 110 Paaren im Landkreis nisten und brüten zwölf in der Gemeinde Friedland, davon die meisten bei Deiderode.

Vermutlich seien die Thermik auf der Anhöhe, aber auch die viel gemähten Grünflächen, die langen und lichten Waldränder und eventuell die einst offene Mülldeponie die Ursache. Die Deponie freilich ist seit sieben Jahren geschlossen, die Milane aber sind noch immer so zahlreich wie nirgendwo sonst.

Für die Gemeinde Friedland, die in einer so genannten Weißflächen-Analyse hatte feststellen lassen, wo überhaupt Windräder gebaut werden können, bedeutet das: Die meisten der 18 bisher festgestellten potenziellen Standorte für Windenergie fallen aus, wenn der Rotmilanschutz mit der 1250-Meter-Marke weiter gilt. Selbst der bestehende Windpark, an den sich die Vögel offenbar gewöhnt haben, wäre heute nicht mehr genehmigungsfähig.

Fraglich, ob die alten Windräder erneuert (repowert) werden können. Ortsbürgermeister Klaus Bunzenthal (Wählergemeinschaft) mahnte denn auch, dass neue Windräder doppelt so hoch würden und dann für Greifvögel sicher eine ganz andere Gefahr darstellen würden als die bestehenden, an die sich die Vögel womöglich gewöhnt haben.

Allerdings, so räumte Corsmann ein, sei in jedem Einzelfall eine separate Prüfung vorgeschrieben. Das machte potenziellen Investoren wie Steffen Seliger aus Niedernjesa Mut. Er plant zusammen mit 35 anderen Grundeigentümern einen Windpark zwischen Niedernjesa und Diemarden auf dem Wüster Berg. 500 Meter nördlich der Blaubachschänke könnten vier Anlagen entstehen, drei auf Friedländer, eines auf Gleichener Gebiet.

Ein klassischer Bürgerwindpark soll es sein, wie ihn die Politik in Friedland wünscht, betont Seliger. Allerdings nistet ein Rotmilanpaar im nordwestlichen Bereich des Waldes. Seliger sinnt nun auf einen ökologischen Ausgleich: Flächen auf der dem Windpark abgewandten Seite sollen zu Grünland für die Belieferung der Biogasanlage Rosdorf werden und möglichst häufig gemäht werden, was der Gabelweihe ideale Jagdgründe bieten würde und seine Flugroute von den geplanten Windrädern wegleiten würde. Seliger, der bisher noch keinen Antrag an die Gemeinde gestellt hat, will den Plan noch genau dokumentieren.

Der Rat muss nun Weißflächenanalyse und Milanstudie zusammenbringen und die verbleibenden Windkraft-Standorte bewerten. Erst danach soll die Entscheidung fallen, welche weiteren Gebiete für Windenergie ausgewiesen werden. Bis dahin liegen alle schon gestellten Anträge weiter auf Eis.

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Windenergieanlagen

Im Landkreis Göttingen arbeiten derzeit viele Gemeinden daran, die Flächennutzungspläne zu ändern, um neue und größere Windenergieanlagen zu ermöglichen. Das dazu nötige Gutachten über Rotmilanvorkommen im Kreisgebiet wird am Montag, 5. November, im Ausschuss für Wirtschaft, Bauen, Planen und Energie des Kreistages vorgestellt.

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