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Diskussionsrunde mit Hannah Wettig

„Zivilbevölkerung bleibt – mit der Revolution in ihren Köpfen“ Diskussionsrunde mit Hannah Wettig

Hannah Wettig ist überzeugt: Die Revolutionsbewegung ist trotz des Krieges im Nahen Osten tief in den Köpfen der Zivilgesellschaft verankert. Es könne aber noch sehr lange dauern, bis sie sich durchsetzt. Über den Krieg und die Lage in Syrien referierte die Nahostexpertin in Göttingen.

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Die gebürtige Göttingerin Hannah Wettig (45) ist Sozialwissenschaftlerin und Arabistin. Sie berichtet als Journalistin seit 20 Jahren aus der arabischen Region, arbeitet für die deutsch-irakische Hilfsorganisation WADI und engagiert sich in der Initiative „Adopt a Revolution – den syrischen Frühling unterstützen“.

Quelle: Schubert

Göttingen. Es war nicht die einzige Aussage, mit der die 45-jährige Publizistin die etwa 30 Besucher der sogenannten "Freitag-Abend-Gesellschaft", eine Gruppe aus dem Umfeld der Göttinger SPD nachdenklich stimmte. Die Leitfrage des Abends: Krieg im Nahen Osten – Wer gegen wen und warum? Wie konnte sich aus friedlichen Demonstrationen für mehr Demokratie in Syrien ein brutaler Krieg in der ganzen Region entwickeln? Mit ihrem kommentierten Abriss über die Entwicklungen seit den ersten Massenrevolutionen um 1990 gelang es Wettig, die scheinbar undurchdringbare Gemengelage mit komplizierten Verstrickungen zu entwirren und zu erklären.

Syrien stehe zwar im Mittelpunkt aller Interessen und im Zentrum des Konfliktes, in den außer Regierungstruppen, Rebellen, Kurden, dem IS, Al-Qaida und arabischen Nachbarländern auch Israel, Russland, Europa und die USA verstrickt sind. Machthaber Baschar al-Assad spiele dabei aber längst keine Rolle mehr. „Alleine könnte er sich keine zwei Wochen halten“, ist Wettig sicher. Auch deshalb sei es müßig, auf der Suche nach einer Konfliktlösung „mit ihm zu reden“. Deutlich wurde im Lauf des Abend aber auch, dass viele offene Fragen, zum Beispiel zu den wirklichen Interessen Russlands und der USA sowie zur Position des Irans zur Terrormiliz ISIS, eine Lösung erschweren. „Und wem unter den vielen Rebellengruppen kann man trauen?“, fügte Wettig an.

„Am Anfang schien noch alles so einfach“, kommentierte die Journalistin die Lage um 2012, auch wenn die Zahl der Terror- und Kriegsopfer bereits auf 50.000 angestiegen war. „Dann tritt im Juli 2013 Isis auf, und alles wird anders“.

„Wer mit wem“ lasse sich heute nur schwer sicher ausmachen. „Unter hinter allem steht immer auch noch die Zivilbevölkerung“, sagte Wettig. „Die bleibt – mit ihrer Revolution in den Köpfen.“ Ein Satz, der der Freitagabend-Runde ein wenig Hoffnung gab.

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