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SPD kritisiert Städtisches Museum und Universität Göttingen

Verwaltung und Uni weisen Kritik zurück SPD kritisiert Städtisches Museum und Universität Göttingen

Der Stadtverband der Göttinger SPD hat sich mit der Museumslandschaft in Göttingen beschäftigt. Kritik übt sie dabei am Städtischen Museum und an den Ausstellungen der Universität.

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Der Stadtverband der Göttinger SPD hat sich mit der Museumslandschaft in Göttingen beschäftigt. Kritik übt sie dabei am Städtischen Museum und an den Ausstellungen der Universität.

Quelle: Vetter

Göttingen. Die SPD spricht sich für das Städtische Museum aus. Aber: „Es ist aber unverständlich, dass das Museum die vorhandenen Möglichkeiten zu Ausstellungen in der aus EU-Mitteln sanierten Posthalterei nicht nutzt.“

Sie schlägt vor, etwa zu prüfen, ob das Alte Rathauses für historische Ausstellungen reserviert werden könnte.

Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) kontert: Während der laufenden Sanierung des Museums am Ritterplan (Hardenberger Hof, Remise, Posthalterei), habe es stets ein interessantes aber reduziertes Ausstellungsangebot gegeben. 34 Sonderausstellungen und Veranstaltungen habe es seit Beginn der Sanierung bis heute gegeben. In der Posthalterei stünden gar keine Sonderausstellungsräume zur Verfügung.

Seit ihrer Wiedereröffnung nach der Sanierung 2012 ist dort aber eine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes selbst zu sehen. Die Räume im Alten Rathaus dienten vorrangig der Präsentation zeitgenössischer Kunst.

Die Kritik der SPD an den Entscheidungen der „Landesdenkmalschutzbehörde“, die eine museumsgerechte Sanierung und Modernisierung des Städtischen Museums verhindert hätten, weist Kim Kappes vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege zurück. Die SPD spielt auf einen Vorschlag von Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) an, die ehemalige Remise zwischen Posthalterei und Hardenberger Hof durch einen Neubau zu ersetzen.

Die Sanierung des Denkmalensembles, so Kappes, sei durch verschiedene Förderprogramme unterstützt worden. Dabei sei die weitere Nutzung des Baudenkmals Grundlage der Anträge gewesen. Dieses Ziel schlösse eine moderne Präsentation und ein Konzept der barrierefreien Erschließung des Städtischen Museums ein.

Kritik übt die SPD auch an der Uni: Für ihre Publikumssammlungen sollte sie zusätzliche Öffnungszeiten anbieten, so die SPD. Die nicht publikumsfreundliche Begrenzung der Besuchszeiten auf einen Sonntagstermin werde der Bedeutung der Sammlungen kaum gerecht. „Die Universität darf kein Elfenbeinturm sein – nur ein solcher kann es sich leisten, seine Schätze so nachhaltig von der Öffentlichkeit abzuschotten.“

„Wir verstehen die Forderung, dass die Sonntagspaziergänge zur Betrachtung der Kunstsammlung, der Ethnologischen Sammlung, der Sammlung der Gipsabgüsse antiker Skulpturen, des Zoologischen Museums, des Geowissenschaftlichen Museums und der Musikinstrumentensammlung nicht ausreichen und wir für unsere Sammlungen die Öffnungszeiten erweitern sollten“, sagt Uni-Präsidentin. Daran arbeite die Uni.

„Es ist jedoch vor allem eine finanzielle Herausforderung. Als Angebot sind Führungen nach Absprache jederzeit möglich.“

Stellungnahmen

Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck

Die Kulturverwaltung hat sich entschieden, auch während der Baumaßnahmen am Ritterplan, stets ein interessantes wenn auch reduziertes Ausstellungsangebot für das Publikum vorzuhalten.

Im Anhang findet sich eine Aufstellung der Sonderausstellungen und Veranstaltungen im Museum seit Beginn der Sanierungsarbeiten an der Remise im Jahr 2012. Derzeitig kann die Ausstellung "Die Möbel der Familie Hahn" in Teilen der Remise und die einzigartige Sammlung Eichsfelder Kirchenkunst als Bestandteil der Dauerausstellung im 1. OG des Hardenberger Hofs besucht werden.

Für die Jahre 2016 und 2017 werden bereits im Hardenberger Hof neue Sonderausstellungen geplant. Hierzu sollen die Räume im Hardenberger Hof vollständig nutzbar gemacht werden. Dort befinden sich  zur Zeit noch Sammlungsbestände des Städt. Museum, die inventarisiert und aufbereitet in das neue Museumsdepot verlagert werden müssen.

Auch für eine vorübergehende Ausstellungsnutzung sind die großzügigeren Räume im Hardenberger Hof besser geeignet, als die Posthalterei, die sehr kleinteilig strukturiert ist.  (Festlegung würde ich vermeiden) In der Posthalterei stehen keine Sonderausstellungsräume zur Verfügung. Seit der Wiedereröffnung  nach der Sanierung im Jahre 2012 ist dort aber eine Dauerausstellung zur Geschichte des Gebäudes selbst zu sehen.

Die Ausstellungsräume im Alten Rathaus dienen vorrangig der Präsentation zeitgenössischer Kunst und werden allein drei mal jährlich vom Kunstverein Göttingen genutzt. Das Ausstellungsprogramm wird langfristig auf mehrere Jahre hin geplant.

Das Defizit an moderner zeitgenössischer Kunst in Göttingen wird allseits beklagt, weshalb es nicht geplant ist, das Alte Rathaus für historische Ausstellungen zu nutzen, die ihren Ort im Städt. Museum haben. Von dieser Regel werden jedoch aus Ausnahmen gemacht, vgl. die geplante Ausstellung zur Geschichte des Sports in Göttingen im Zusammenhang mit dem Landesturnfest 2016.

Nach Eröffnung des Kuqua Galeriegebäudes kann diese Aufteilung neu überdacht werden.

In der Zeit bis dahin wird die Kulturverwaltung alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, ein attraktives Ausstellungsangebot vorzuhalten. Der Vorschlag der noch engeren Zusammenarbeit mit der Kustodie der Universität Göttingen wird ausdrücklich begrüßt, zumal er die früheren Überlegungen der "Wissenshäuser" wieder aufgreift.

Kurzfristig können wir jedoch dort keine geeigneten Ausstellungsräume im Gebäude der Zoologie erkennen, da dort erst umfangreich umgebaut werden müßte.

 
Kim Kappes, Gebietsreferent Bau- und Kunstdenkmalpflege

Eine „Landesdenkmalschutzbehörde“ ist in Niedersachsen nicht bekannt. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege hat in den letzten Jahren denkmalfachlich die kontinuierliche und nachhaltige Sanierung des Städtischen Museums in Göttingen begleitet sowie erfolgreich die Bundesförderungen in verschiedenen Programmen (z. B. BKM Sonderprogramme) maßgeblich durchgeführt und abgeschlossen.

In verschiedenen Bauabschnitten standen zunächst die statisch-konstruktive Sicherung -auch bekannt als Sanierung unter Dach und Fach- und der Substanzerhalt (beispielhaft zu nennen ist die komplizierte Schwammsanierung) im Vordergrund. Die mehrfache Beantragung der substanzerhaltenden Maßnahmen in verschiedenen Förderprogrammen war notwendig.

Die geförderten Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden (UDSchB der Stadt Göttingen und dem NLD) aber auch mit denkmalerfahrenen Planungsbüros vorbereitet und umgesetzt. Der Zuwendungszweck wurde erreicht. Die Fortführung der Nutzung des Baudenkmals ehem. Posthalterei/Städtisches Museum Göttingen, Jüdenstraße 39, 37073 Göttingen, war Grundlage der Antragstellung.

Hier handelt es sich um ein wichtiges Kriterien des Denkmalwertes für das Ensemble, der von Seiten der Denkmalfachbehörde nachhaltig befürwortet wird. Die kunsttechnologiegeschichtliche Berücksichtigung/Auswertung vorhandener Befunde und Archivalien und die Bewertung der feststehenden denkmalpflegerischen Zielstellung für bereits sanierte Teilbereiche sind grundsätzliche Voraussetzungen und müssen weiter entwickelt werden.

Die denkmalfachliche, d.h. konservatorische und restauratorische Qualität wird laufend und ausreichend durch das Niedersächsiche Landesamt für Denkmalpflege kontrolliert und bewertet und – soweit sich dies an Hand von Referenz- und Musterflächen erforderlich macht – sowohl mit den baubegleitenden Fachplanern/Restauratoren verbessert.

Die kurz umrissene Zielstellung schließt selbstverständlich eine Moderne Präsentation und ein Konzept der barrierefreien Erschließung des Städtischen Museums (die Zuwegung innerhalb des Museums soll durch eine barrierefreie Erschließung allen Besuchergruppen – auch Menschen mit Behinderung - ermöglicht werden) ein und kann nur zum Gelingen des Gesamtkonzeptes beitragen.

Um die Fachkompetenz der „Experten in eigener Sache“ zu nutzen sowie sicherzustellen, dass die entwickelten Lösungen auch entsprechende Akzeptanz von Seiten der verschiedenen Zielgruppen finden, sind die Verbände von Menschen mit Behinderungen sowie der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen kompetente Projektpartner im Rahmen der Projektumsetzung.

Damit wird ein respektvoller Umgang mit dem Besucher sowie der historischen Bausubstanz sichergestellt.

 
Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität

Die Universität Göttingen begrüßt die Initiative der SPD, das Angebot der Göttinger Museumslandschaft zu erweitern und verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Aus diesem Grund verfolgen wir konsequent das Vorhaben, in Göttingen ein Wissenschaftsmuseum von nationaler Bedeutung zu eröffnen. Aktuelle und historische Forschung, Erkenntniswege und Entdeckungen von weltweiter Relevanz werden hier für Interessierte jeden Alters verständlich aufbereitet. Grundlage dafür sind die Objekte aus unseren über 30 Sammlungen.

Das zukünftige Museum ermöglicht einen Blick in die Labore, Bibliotheken und Werkstätten der Universität und regt zum Austausch zwischen Forschenden, Studierenden und der Öffentlichkeit an. Es wird ein Ort der Begegnung von Universität, Stadt und Region.

Gegenwärtig diskutieren wir Leitidee, Ausstellungskonzept und Businessplan des Museums und planen die Renovierungsarbeiten für den Museumsbau am Institut für Zoologie. Wir arbeiten an einem soliden Finanzierungsmodell und stehen mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik in Kontakt. Über eine breite Unterstützung unseres Projektes durch Stadt, Land und Bund – wie von der SPD gefordert –freuen wir uns daher sehr.

Um alle Möglichkeiten zu nutzen, beantragt die Stadt Göttingen mit der Universität in diesem Jahr auch Fördermittel im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Wir verstehen die Forderung, dass die Sonntagspaziergänge zur Betrachtung der Kunstsammlung, der Ethnologischen Sammlung, der Sammlung der Gipsabgüsse antiker Skulpturen, des Zoologischen Museums, des Geowissenschaftlichen Museums und der Musikinstrumentensammlung nicht ausreichen und wir für unsere Sammlungen die Öffnungszeiten erweitern sollten.

Daran arbeiten wir, es ist jedoch vor allem eine finanzielle Herausforderung. Als Angebot sind Führungen nach Absprache jederzeit möglich.

 
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