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Sadhana Naithani im Kulturwissenschaftlichen Zentrum in Göttingen

Inderin untersucht hiesige Dörfer Sadhana Naithani im Kulturwissenschaftlichen Zentrum in Göttingen

Eine Inderin forscht über deutsche Dörfer, Dörfer in Südniedersachsen. Sadhana Naithani (50), Professorin in Neu-Delhi, hat sich dieses Themas angenommen und will einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft von deutschen Dörfern schlagen. Gleichener Dörfer hat sie dafür im Blick.

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Forscht über Dörfer in Südniedersachsen: Sadhana Naithani aus Neu-Delhi.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen/Reinhausen. In der Zeit von Mitte November bis über das Weihnachtsfest hat sie dort Material gesammelt und zugleich im Kulturwissenschaftlichen Zentrum in Göttingen in der Fachbibliothek recherchiert.

Einen Film über Reinhausen, „Dorferzählungen 1“, kann sie schon präsentieren. 2011 sei sie als Stipendiatin schon einmal in Göttingen gewesen. Mit ihrem Mann, Sudheer Gupta, habe sie den Film anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der St.-Christophoruskirche Reinhausen in diesem Jahr gedreht, beim Göttinger Ethnographischen Filmfestival war er zu sehen.

Seither untersuche sie Dörfer der Region, erzählt die Professorin für deutsche Literatur und Kulturanthropologie am Centre of German Studies der Jawaharlal Nehru University in Neu-Delhi.

Es sei eines der größten Zentren für Germanistik in Südasien, sagt sie. Für ihre Forschung ist sie nicht nur in Göttingen war. Als Gast-Professorin war sie an der University of California in Berkeley, in Estland und in anderen Ländern.
Um weiter über deutsche Dörfer zu forschen, sei sie jetzt wieder nach Göttingen gekommen.

Dorf als alternativen Raum begreifen

Diesmal wollte sie ins Dorfleben eintauchen, so die 50-Jährige. Über einen Bekannten fand sie eine Wohnung in Reinhausen, durch die Arbeit am Film kannte sie schon Reinhäuser. So habe sie sofort nach der Ankunft mit ihrer Forschungsarbeit beginnen können. Die Professorin möchte wissen, welche Bedeutung das Dorf in einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland spielt. Sie will das Dorf als alternativen Raum begreifen.

Dafür war sie nicht nur in Reinhausen. Auch in den Gleichener Dörfern Bremke, Gelliehausen, Diemarden und Klein Lengden hat sie sich umgesehen. Mit den Vorsitzenden der Heimatvereine und anderer Vereine habe sie gesprochen, mit Ortsbürgermeistern, Ortsheimatpflegern und mit den alten Menschen im Dorf.

Auch ihre eigenen Erlebnisse seien wichtig für ihre Arbeit: Zum Beispiel ihre Eindrücke während einer Fahrt mit dem Bus von Reinhausen nach Göttingen und Gespräche mit anderen Fahrgästen.

„Ich hoffe, dass ich im Spätsommer wiederkomme

Westliche Dörfer würden in der Regel aus westlicher Perspektive untersucht, sagt Naithani. Einzigartig an ihrem Projekt sei, dass sie als Inderin deutsche Dörfer erforsche. In Indien sei ein Dorf das Gegenteil von Stadt. Indische Dörfer seien landwirtschaftlich geprägt, dort gebe es keine guten Straßen, sagt die Frau, die in einem Dorf im Himalaya aufgewachsen ist.

Weil sich Indien sehr schnell verändere, gehe sie der Frage nach, „ob die deutschen Dörfer ein Zukunftsbild für unsere Dörfer sein könnten“. Auch in Indien lebten viele alte Menschen in den Dörfern, die Jüngeren gingen weg für Ausbildung und Arbeit.

„Ich hoffe, dass ich im Spätsommer wiederkomme“, sagt die dynamische Professorin. So lange wie diesmal wird sie sicher nicht bleiben, jetzt sei sie für ihre Forschung beurlaubt. Doch sie möchte unbedingt eine Vorstellung auf der Waldbühne in Bremke miterleben. Immer facettenreicher solle ihr Bild vom Dorfleben in Deutschland werden.

Von Ute Lawrenz

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