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Särge zum Selberbauen - Verwendung in Göttingen zulässig?

„Johannes XXIII“ aus dem Baumarkt Särge zum Selberbauen - Verwendung in Göttingen zulässig?

Särge zum Selberbauen – das gibt es jetzt in Südhessen. Aber wäre die Verwendung auch auf Friedhöfen in der Region zulässig? Das Tageblatt hat nachgefragt.

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Es geht auch schlichter als mit teurer Eiche, meint Selbstbausarg-Erfinder Heribert Schwab.

Quelle: Dcastor

Göttingen. Der Bausatz kostet 199 Euro und besteht aus 20 Fichtenbrettern, 20 Nägeln und 60 Schrauben. Erfinder ist Heribert Schwab aus Dudenhofen bei Rodgau. Geeigneten Lack „auf Wasserbasis“ und Leim muss der Kunde dazukaufen, sagt der Chef eines Zwei-Mann-Schreinerbetriebes. Der Produktname „Johannes XXIII“ verweise auf den gleichnamigen Papst (Amtszeit 1958-1963), der sich sehr schlicht habe beerdigen lassen. Zusammenbauen lasse sich der Sarg in einer halben Stunde, ohne Akku-Schrauber dauere es etwas länger. Heraus kommt eine einfache Kiste, die jedoch mit Zubehör wie Trageseilen, Zierleisten, Holzkreuz oder Füßen aufgemöbelt werden kann.

Die Friedhofsverwaltungen in Göttingen, Rosdorf und Bovenden äußern sich vorsichtig zu der Frage, ob ein solcher Schlicht-Sarg Marke Eigenbau in ihre Friedhofserde versenkt werden darf. Die Eigenschaften von Särgen unterlägen Vorschriften. Bei Erdbestattungen, sagt Göttingens Sprecher Detlef Johannson, müssten die Särge „fest gefügt und so abgedichtet sein, dass jedes Durchsickern von Feuchtigkeit ausgeschlossen ist“. Es dürfe nur leicht abbaubares Material wie Holz ohne umweltgefährdenden Lacke und Zusätze verwendet werden. Johannson: „Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, ist der Selbstbausarg bei Erdbestattungen kein Problem.“ Strenger seien die Anforderungen bei Einäscherung.

Der Sarg müsse aus Vollholz bestehen, Lacke oder Beizen oder Klebstoffe dürften bei der Einäscherung keine umweltgefährdenden Stoffe freisetzen. Ohne Gutachten oder Bescheinigung könnten solche Särge „zur Feuerbestattung nicht angenommen werden“.

Ähnliche Anforderungen werden in Rosdorf gestellt. Leichen müssten „in widerstandsfähigen, feuchtigkeitshemmenden und geschlossenen Särgen“ transportiert werden, sagt Ordnungsamtsleiter Jörg Kaufmann. Danach wären auch beschichtete Pappsärge statthaft. Die gleichen Vorschriften macht auch der Flecken Bovenden in seiner Friedhofssatzung. In allen drei Verwaltungen ist kein Begräbnisfall bekannt, bei dem ein Selbstbausarg eingesetzt wurde.

Alles kein Problem, sagt Regina Schwab, Ehefrau des Erfinders. Zumindest die hessischen Bestattungsvorschriften erfülle das Produkt. Und: „Das Holz stammt aus nachhaltigem Waldbau im Schwarzwald, die Fichte ist schadstoffgeprüft und LGA-zertifiziert.“ Nachfrage und Medieninteresse seien nach einer Baumarkt-Präsentation gewaltig: „Wir sind förmlich überrannt worden.“

In jedem Fall genehmigungsfrei ist die Verwendung des Schwab‘schen Sargbausatzes vor dem Ableben: Das spätere Erdmöbel kann vorher als Schrank, Regal oder als Gartentruhe oder Sitzbank genutzt werden.

© Schwab

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