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Grabmale hängen am Tropf

Bartholomäus-Friedhof Grabmale hängen am Tropf

Seit einigen Tagen sind drei Grabmale auf dem Bartholomäus-Friedhof mit Folie umhüllt, ein Tropf versorgt über diese Kompresse eine Seite des Patienten mit destilliertem Wasser. Diese Operation der besonderen Art dient der Restaurierung der Sandstein-Patienten.

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Operation Grabmalrestaurierung: Wanja Wedekind hat drei Grabsteinen auf dem Bartholomäus-Friedhof einen Verband angelegt und sie an den Tropf gehängt.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Auf den stark verwitterten Sandsteinen sei kaum mehr zu erkennen, wer in den drei nebeneinander liegenden Grabstätten begraben ist. Restaurator Wanja Wedekind, der von der Stadt Göttingen mit deren Restaurierung beauftragt wurde, vermutet, dass es sich um die Gräber eines Ehepaares und eines Kleinkindes handelt. Auf dem etwas breiteren, linken Grabstein zeige die Verzierung am oberen Rand eine Kinderrassel, so Wedekind. Außerdem befinde sich auf der Rückseite des Steins die Inschrift „In Dankbarkeit kindlicher Liebe“. Gestaltet worden seien die drei Grabsteine Anfang des 18. Jahrhunderts von Andreas Rohns, der sich später als Baumeister der Stadt einen Namen gemacht habe, teilt der Restaurator mit.

Heute sind die drei Stelen aus Buntsandstein stark verwittert und porös. Sie seien bisher nicht konservatorisch behandelt worden, sagt Wedekind. Jetzt wurden sie in Abstimmung mit der Stadtverwaltung für eine Restaurierung ausgewählt. 5000 Euro stünden dafür zur Verfügung, sagt Stadtbaurat Thomas Dienberg. Er erinnert daran, dass auf dem Bartholomäus-Friedhof seit dem Jahr 2006 zehn Grabstellen restauriert worden seien.

Es seien vor allem Salze, die dem Standstein zusetzten, erklärt Wedekind. Von der Wetterseite dringe Regen ein und durchsickere diesen. Auf der Vorderseite träten die kristallisierten, ausgewaschenen Salze später aus. Um die hohe Salzbelastung im Innern der drei Grabsteine zu reduzieren, setzt der Konservierungsexperte das Verfahren der Tropftränkung ein, das nach dem selben Prinzip funktioniere. Auf beiden Seiten des Steins befinde sich eine Kompresse aus Quarzsand und Zellstoff. Mittels eines Tropfes, wie man ihn aus dem Krankenhaus kennt, werde die Rückseite des Steins dauerbefeuchtet. Die Feuchtigkeit transportiere Salze und Schadstoffe nach vorne, wo sie in der zweiten Kompresse aufgenommen würden. Etwa drei Wochen dauere die Behandlung, dann werde der Verband entfernt und der Sandstein könne mit Restaurierungsmörtel versehen werden, so Wedekind. Im Frühjahr soll es dann heißen: Operation gelungen, Patient Grabstein gerettet.

Bartholomäus-Friedhof

Einen Gottesackers außerhalb der Stadttore hat 1736 die kurfürstlichen Regierung in Hannover vom Rat der Stadt Göttingen gefordert. Man sorgte sich um den guten Ruf der Stadt, da nach dem Tod zweier Dozenten von der noch jungen Universität an den Universitäten in Halle, Jena und Wittenberg Gerüchte über die schlechte Luft in Göttingen aufkamen. Noch im selben Jahr begannen die Arbeiten, eröffnet wurde der Friedhof 1747 auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenheims St. Bartholomäus. 1881 wurde der Bartholomäus-Friedhof geschlossen. Heute ist er ein Garten- und Naturdenkmal. be

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016