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"Schädlinge in der Zimmerdecke"

Kakerlaken in der Großen Breite 10 "Schädlinge in der Zimmerdecke"

Einen "massiven Schädlingsbefall" in der Flüchtlingsunterkunft Große Breite 10 führt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) als Grund an, warum die Bewohner in die neue Sammelunterkunft im Groner Anna-Vandenhoeck-Ring umziehen müssen. Ihre Rückkehr nach Weende schließt er auch nach einer Schädlingsbekämpfung aus.

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Um die Flüchtlingsunterkunft von den Kakerlaken zu befreien, sollen sie ab Ende Mai zwei Mal im Abstand von vier Wochen mit Giften benebelt werden.

Quelle: dpa (Symbolbild9

Göttingen/Weende. Verwaltungssprecher Detlef Johannson erläutert, dass Mitarbeiter im November "eindeutige Beobachtungen" für einen Kakerlakenbefall in dem Haus gemacht hätten. Hausmeister hätten dann erneut im März einen "heftigen Befall" festgestellt. "Ein Gutachten gibt es nicht", räumte Johannson ein. "Allerdings gab es auch Hinweise, dass man vor Ort ein Problem nicht offenkundig werden lassen wollte." So seien aufgestellte Fallen verschwunden oder "offenbar durch Bewohner entleert worden". Helfer und Flüchtlinge in der Einrichtung beteuern ihrerseits, "innerhalb der vergangenen fünf Monate keine Kakerlaken" gefunden zu haben.

Kakerlaken kommen bei der Post an

"Nach Angaben der im Erdgeschoss angesiedelten Post ist der Befall inzwischen auch dort massiv angekommen", sagte Johannson. Postsprecherin Maike Wintjen bestätigt das. Die Räume der Post, die keine räumliche Verbindung zur Flüchtlingsunterkunft und getrennte Eingänge haben, seien am Montag von Kammerjägern behandelt worden. Inzwischen, so Johannson, seien Kakerlakensperren angebracht worden, mit denen verhindert werden soll, dass die Tiere von oben nach unten gelangen. "Vermutet wird, dass sich die Schädlinge in der Zwischendecke aufhalten", sagte Johannson.

Staubsauger für die Eierpakete

Um die Flüchtlingsunterkunft von den Kakerlaken zu befreien, sollen sie ab Ende Mai zwei Mal im Abstand von vier Wochen mit Giften benebelt werden. Ein Mitarbeiter der von Stadt damit beauftragten Firma bezeichnet den Befall "als nicht übermäßig". Entgegen Köhlers Aussagen, dass zwischen den Benebelungen die Bewohner nicht in der Unterkunft wohnen könnten, erläutert er, dass die Bewohner lediglich für acht Stunden die Räume verlassen müssten. Schwer zu vernichtende Eierpakete der Tiere könnten dann auch mit speziellen Staubsaugern entsorgt werden.

Stadtverwaltung informiert Vermieter nicht

Eigentümer ist Wolfgang Tonollo, der das Haus an die Stadt und die Post vermietet hat. Über den Schädlingsbefall und den Auszug der Flüchtlinge habe erst aus dem Tageblatt, nicht aber von der Stadtverwaltung erfahren, sagte er am Freitag. Er als Eigentümer habe derzeit keine andere Nutzung des Hauses als die mit der Stadt vereinbarte vorgesehen. In der kommenden Woche gebe es Gespräche mit der Stadtverwaltung, sagte Tonollo. Köhler hatte am Donnerstag gesagt, dass die Verwaltung keine der jetzigen Flüchtlingsunterkünfte aufgeben werde.

Zwischen Frust und Rückkehr

Kommentar von Michael Brakemeier

Um es deutlich zu sagen: Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfer in der Göttinger Flüchtlingshilfe, die Stadtverwaltung, aber auch die Ratspolitik haben bei der Unterbringung und Versorgung der schutzsuchenden Menschen bislang gute Arbeit geleistet. Verwaltung und Politik haben schnell reagiert und viel richtig gemacht in dieser seit mehr als einem Jahr andauernden Ausnahmesituation, für die es keinen Masterplan in Schreibtischschubladen gab. Die Helfer, ob in großen Hilfsorganisationen oder kleinen, unabhängigen Initiativen in der Nachbarschaft von Unterkünften, haben mit großer Selbstverständlichkeit geholfen, die Flüchtlinge möglichst schnell zu integrieren.

Und die Verwaltungsspitze hat stets betont: „Ohne diese ehrenamtliche Hilfe geht es nicht.“ Doch dieses sich entwickelnde Vertrauen hat mit der beabsichtigten Verlegung der Flüchtlinge aus Weende nach Grone einen Knacks bekommen. Die Kommunikation der Verwaltung mit den Beteiligten war schlecht. Das räumt auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) ein, andere sprechen von einen Super-GAU. Die Helfer sehen ihre bisherige, oft mehr als einjährige Arbeit in Frage gestellt, sehen das „zarte Pflänzchen“, das entstanden ist, in Gefahr, und sorgen sich um die von ihnen betreuten Menschen, die langsam in ihrer vertrauten Umgebung Fuß gefasst haben. Förderlich für die Motivation zu helfen, ist das nicht.

Und diese Verunsicherung greift auf Helfer aus anderen Unterkünften über, wie das Beispiel ehemalige Voigtschule zeigt. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Helfer frustriert aufgeben. Das Beste, wenn die Verwaltung die Weender Flüchtlinge in ihre vertraute Umgebung zurückkehren lässt.

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