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Schätzen lassen, ehe Schaden eintritt

Mit der Zahl der Einbrüche steigt die Häufigkeit der Hilfe-Anfragen beim Juwelier Schätzen lassen, ehe Schaden eintritt

Meist kommen die Kunden, wenn es zu spät ist. Wenn der Schmuck schon weg ist. Immer häufiger, sagt Juwelierin Sabine Hartmann, werde sie nach Diebstählen gebeten, Schmuck nur nach Beschreibung zu schätzen. Das geht nicht. Sie rät: "Lassen Sie Ihren Schmuck schätzen, ehe er gestohlen wird."

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Das Thema ist deshalb dringlicher geworden, weil seit eineinhalb Jahren zunehmend häufiger eingebrochen wird. Oft ist Schmuck die wertvollste Beute. Dann bekommen die Bestohlenen Schwierigkeiten mit ihren Versicherungen, wenn sie den Wert beziffern sollen. Besonders bei altem Erbschmuck fällt der Nachweis schwer. Neben jenen, die dann erst Hilfe beim Juwelier suchen, gibt es auch die vorsichtigen Kunden, die sich den Wert ihrer Schmuckstücke vorsorglich vom Fachmann attestieren lassen.

Doch es ist wohl nicht die zunehmende Zahl der Einbrüche allein, die Sabine Hartmann vom Juwelier Gerlach monatlich rund zehn Schätzungen bescheren. Weil auch die alteingesessenen Schmuckgeschäfte immer weniger werden, die großen Ketten Schätzungen aber ablehnen, sind es Traditions-Juweliere wie Schügl oder Gerlach, die um Hilfe gebeten werden.

Da stehen dann Kunden im Laden, so Hartmann, die eine verschwommene Vergrößerung eines Familienfotos vorlegen und vage den gestohlenen Goldring oder die Halskette darauf beschreiben. Dann könne sie auch nicht mehr helfen. Denn gerade bei Gold- und Edelstein-Schmuck komme es auf Materialqualität, Gewicht und Reinheit an. Die einstigen Kaufpreise, wenn man die noch weiß, sind nur eine Orientierung. Denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich der Preis von Gold verdreifacht, der edler Steine immerhin verdoppelt.  

Helfen könne, so Hartmann, immerhin schon einmal ein Foto des Schmuckstücks - als Beweiß, dass man es besessen hat. Besser sei eine Schätzung beim Sachverständigen oder gar beim vereidigten Gutachter. Versicherungen akzeptierten in der Regel die Einschätzung eines Juweliers. Der taxiert für 5 bis 10 Euro pro Schmuckstück dessen Wert. Sie selbst nehme bei größeren Stückzahlen 40 Euro je Stunde. Dafür hat man hinterher nicht nur eine Einschätzung, die für den Diebstahlsfall nützlich ist, sondern manchmal auch eine handfeste Überraschung erlebt.

Zum Beispiel in diesem Fall: Da kommt ein Kunde mit einem "scheußlichen Set, das aussah wie aus dem Kaugummiautomaten". Das Erbstück ohne Goldstempel stellte sich aber als echt heraus. "Ich habe es selber nicht glauben wollen." 25 000 Euro Schätzwert attestierte die Fachfrau am Ende dafür. In einem anderen Fall legte ein Kunde ein ganzes Tablett Schmuck auf den Tisch. Er selbst rechnete mit 10 000 bis 20 000 Euro Wert. Es waren mindestens 40 000 Euro.

Wie weit die Werte bei annähernd gleich aussehenden Stücken auseinander liegen können, zeigt ein Vergleich: Eine Goldkette als Doublé ist für 20 bis 30 Euro zu haben, eine in 333er-Gold kostet 200 bis 300 Euro, dieselbe in 750er Gold ist 2000 bis 3000 Euro wert. Und dann legt Hartmann für den Tageblatt-Fotografen zwei Uhren an. Die eine kostet 70 Euro, die andere 3000. Den Unterschied zeigt weder das Foto noch der Laienblick darauf. Da hilft nur der erfahrene Fachmann.

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